Die Behebung des Lehrermangels als zentrale Aufgabe

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Mo, 11. Dezember 2017

Lahr

BZ-REDAKTIONSBESUCH: Sandra Boser, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, zu anstehenden Aufgaben.

LAHR. Kritik an Gemeinschaftsschule und Grundschulempfehlung kann Sandra Boser nicht nachvollziehen. Die Landtagsabgeordnete verweist beim BZ-Redaktionsbesuch auf mehr als elf Milliarden Euro im neuen Haushalt, mit denen die Hausaufgaben im Bildungsbereich erledigt werden sollen. Einem Jamaika-Bündnis im Bund gibt die Grünen-Politikerin im Gespräch mit der BZ indes keine Chancen mehr – anders als der Ministerpräsident.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte in einem Gespräch mit der BZ dem Bündnis aus CDU, Grünen und FDP noch Chancen eingeräumt – trotz gescheiterter Koalitionsverhandlungen. "Er hat die Sondierungen sehr ernst genommen", sagt Sandra Boser. Auch die Abgeordnete aus Wolfach habe an das Bündnis geglaubt ("Wir haben gute Kompromisse angeboten") – bis die FDP ausgestiegen sei. Sind die Liberalen noch umzustimmen? Anders als Kretschmann sieht Boser hier keine Chancen mehr. Ihre Einschätzung: "Lieber eine große Koalition als Neuwahlen."

Was in Berlin nicht funktioniert, ist in Stuttgart längst Realität. Dort bilden Christdemokraten und Grüne die Regierung. Boser sieht den Haushalt fürs nächste Jahr gut aufgestellt, mit einem Schwerpunkt auf der Bildungspolitik. Mehr als elf Milliarden Euro sollen investiert werden. Um den Sanierungsstau an Schulen zu beheben, hat das Land ein Förderprogramm aufgelegt. Lahr erhofft sich daraus gut zwölf Millionen Euro. Boser warnt aber vor zu hohen Erwartungen. Für die Sanierungen sei nicht das Land zuständig, sondern die Kommunen als Schulträger.

Den Lehrermangel zu beheben, ist derweil eine Aufgabe des Landes. Boser will hier zusätzliche Qualifizierungsprogramme auf den Weg bringen, pensionierte Pädagogen aktivieren und Teilzeitmodelle auf den Prüfstand stellen. Der Lehrermangel an Gemeinschaftsschulen habe jedenfalls nichts mit fehlendem Interesse am neuen Modell zu tun. "Der Mangel zieht sich durch alle Schularten", sagt Boser. "Die Gemeinschaftsschule muss den Vergleich nicht scheuen. Die Qualität stimmt." Ein Beispiel sei die Lahrer Friedrichschule, die seit gut zwei Jahren Gemeinschaftsschule ist. Im Bereich Integrationsarbeit verfüge diese nicht nur über viel Erfahrung, sondern auch über eine Vorbildfunktion.

Seit die Grünen im Landtag sitzen, ist die Grundschulempfehlung nicht mehr verbindlich. Boser verteidigt diese Entscheidung, die auch unter Grün-Schwarz Bestand hat: "Hier in der Region sind die Abweichungen zur Empfehlung sehr gering." Auch die Anmeldungen an Gymnasium seien nicht in die Höhe geschossen, seit die Empfehlung nicht mehr verbindlich ist. "Es ist richtig, dass die Eltern hier Verantwortung übernehmen." Wichtig sei eine gute Beratung im Vorfeld der Entscheidung.

Viel Gesprächsbedarf gibt es auch beim Thema Flüchtlinge. Derzeit stehen die Kommunen vor der Herausforderung, die Anschlussunterbringung zu meistern. "Wer einen Arbeitsplatz und bereits Wurzeln geschlagen hat, darf nicht an einen anderen Ort versetzt werden", fordert Boser, die das große Engagement der Ehrenamtlichen lobt. Auch die Familienzusammenführung sei wichtig, damit Integration dauerhaft gelingen kann.

Welche Themen hat die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im baden-württembergischen Landtag noch im Blick? Zum Beispiel die Polizei des Landes, die zusätzliche Stellen benötigt. "Hier wird nicht nur Villingen gestärkt, sondern auch Lahr", sagt Boser mit Blickrichtung Mietersheim, wo auch der Sanierungsbedarf groß sei. Diesen Bedarf sieht sie bei vielen Gebäuden im Land. Außerdem will das Land weitere Mittel für den Naturschutz, den Breitbandausbau und den sozialen Wohnungsbau bereitstellen. Ein persönliches Anliegen ist der Wolfacherin dabei auch die Stärkung des ländlichen Raums.