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22. September 2014

Die Faszination der Pferdestärken

Erneut strömten Besucherscharen am Wochenende zur vierten Auflage der Messe Motor & Power aufs Lahrer Flugplatzgelände.

  1. Manchmal raucht’s, bis sich Reifen mit einem lauten Knall verabschieden, manchmal strahlt Chrom einfach nur still vor sich hin : Auf der Motor & Power ging’s bunt und laut zu. Foto: BETTINA UND ALEXIS SCHALLER

  2. Foto: Bettina Schaller, Alexis Schaller

  3. Foto: Bettina Schaller, Bettina Schaller Presse

LAHR. Quietschende Reifen, heulende Motoren, ratternde Rotorenblätter: Die vierte Auflage der Motor & Power auf dem Lahrer Flugplatz war nicht zu überhören. Sie versprach Aircraft, Bikes, Cars und Off-Road. Was auf den 25 000 Quadratmetern Freifläche vor dem Rollfeld und den 2500 Quadratmetern Werkhalle zu sehen war? Mächtige Maschinen, muskulöse Männer und natürlich Frauen-Power.

DER CHECK-IN
Schon das ist ein echter Clou. Wer zur Motor & Power will, checkt am Flugplatz richtig ein. Gepäck- und Passkontrolle wie am Flughafen. Nur geht’s nicht in den Urlaub, sondern zu einem Freiluftspektakel mit Wow-Effekt. Doch zuerst gibt’s einen tollen Blick auf Miniaturwelten. Die Ortenauer Truck- und Schiffsmodellbau Freunde (OTSF) haben auf über 150 Quadratmetern einen Truck-Parcours mit Funktionsmodellen aus dem Schwerlastverkehr aufgebaut: Lkw, Baumaschinen, Spezialfahrzeuge, Nutz- sowie Landmaschinen und vieles mehr. Die Miniaturwelt zeigt im Maßstab 1:14 oder 1:16 alles, was im Verkehr unterwegs ist. "Was bei uns im Original nachgebaut ist, hat die gleiche Funktion und über Soundmodule denselben Klang wie die Vorbilder von Mercedes und Scania", sagt Ruben Schäfer. Der Clou für Kids: Sie können einen Truckführerschein machen.

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DAS KONTRASTPROGRAMM
Das große Wow zur Miniaturwelt kommt beim Rausgehen mit dem Blick aufs Rollfeld. "Wir waren das nicht", lacht Alexander Kleineberg. Der Büroleiter der Bundeswehr-Karriereberatung steht auf einem 460-PS-starken "Multi 2 FSA"-Transporter. Der laute Knall kommt vom Gymkhana Drift-Parcours. "War wohl eine Fehlzündung", erklärt ein Motorenspezialist zwischen dem Aufheulen der Motoren. Die deutschen Streitkräfte informieren über zivilberufliche Ausbildungen bei der Bundeswehr und die berufliche Laufbahn. Wo zuerst hinschauen? Zukunftstechnologien wie Hybridmodelle, Elektro- oder Biogasfahrzeuge und die Youngtimer oder doch lieber die Oldtimer? Steffen Zweigle aus Baden-Baden hat drei Jahre in seinen Chevi gesteckt. Der Chevrolet Impuls SS aus den 1970er Jahren glänzt in der Sonne. "Er wird nur bei schönem Wetter ausgefahren", sagt er. Der Fleetwood Brougham war schon auf der Route 66, steht auf dem Kühlergrill. Zu sehen sind rassige Sportwagen, elegante Cabriolets, eine silberne Cobra oder lieber eine in Tomatenrot, ein alter Ford Mustang mit Haifischkotflügeln oder ein Gran Torino wie im gleichnamigen Spielfilm von und mit Clint Eastwood.

DIE HINGUCKER

Boss & Hoss, 502 PS und 700 Kilo, im Sattel ein entsprechendes Muskelpaket mit Tattoos: Das aus Aluminium gefertigte 6,2 Liter Corvette-Kraftwerk macht das Gerät zum V8-Racer. Auf der Messe sind auch Fachfrauen unterwegs. Sie blicken nicht nur ins Heck, tauchen ab, sondern schrauben am Motor. Thomas Vogt (51) blickt zärtlich auf sein Auto Baujahr 1984 – mit allen Extras von damals. "Ich habe ihn schon 30 Jahre", so Vogt. Er spricht über den Wankel-Motor seines Wagens und wie der Felix dem Otto mit seinem Motor den Vorsprung lassen musste, weil der Ro 80 den Ruf des Wankels ruiniert habe. Motorfreunde nicken verständnisvoll. Doch was steht da? Ein Arzttruppenwagen des DRK für Katastrophenfälle – vom Rettungsassistenten Tjalko Ruocco als individuelles Wohnmobil umgestylt, ganz im Erste-Hilfe-Design: "Perfekt für den Urlaub einer dreiköpfigen Familie."

DIE MUTPROBE
Rundflüge im Helikopter, Tandemsprünge aus den Wolken, okay – das hatten wir. Aber als Copilot beim Training zum Drift-Cup zum Rennfahrer ins Auto steigen? "Nie wieder", sagt Bernd, "bin 17 Jahre alt", – mehr will er nicht sagen. Der 18-jährige Thomas aus Freiburg steigt beim Titelverteidiger Jens Herrmann zur Slalomtour mit Drift bis die Reifen rauchen. "Supergeil", sein Kommentar. Als er seine Sturmmaske auszieht, ist er nicht mal blass um die Nase. Der 13- jährige Alexis steigt ins Drift-Taxi von Chris Nigemeier, der seine Konkurrenten um Längen schlägt. Lässig steigt er aus dem Cockpit: "Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt." Und dann kommt Dennis Jansen auf den Driftparcours. Er zählt zu den besten Freestyle-Artisten der Zweiradszene. Der Biker zeigt atemberaubende Stunt-Rides bis die Reifen mit lautem Knall platzen.

DAS FAZIT
Auch der Regen am Sonntag hat der Motoren & Power nicht geschadet. Gefehlt haben nur die edlen Cabrio-Oldtimer, die nur bei schönem Wetter ausgefahren werden. Veranstalter Armin Haag freut sich über die gute Zusammenarbeit mit der Flugplatzgesellschaft: "Mit der Abfertigungshalle und dem Freigelände haben wir das Sahnestück bekommen." Ausgesprochen viele Kinder sind da, um erste Erfahrungen mit Quads, Segways und anderen flotten Flitzern zu machen. "Ich bin mit den Besucherzahlen zufrieden", zieht er eine erste Bilanz. Vor dem geistigen Auge plant er bereits die fünfte Auflage.

Weiter Bilder finden sie im Fotoalbum unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: Bettina Schaller