Die Feuerwehr sieht sich für die Aufgaben gerüstet

Reiner Beschorner

Von Reiner Beschorner

Mo, 10. August 2015

Lahr

Die Lahrer SPD hat sich über den Stand der Technik und die Zukunftsperspektiven informiert.

LAHR (rb). Im Rahmen seines Sommerprogramms hat der SPD-Ortsverein der Feuerwehr einen Besuch abgestattet – und dabei hautnah einen Einsatz miterleben, bei dem zwei Löschzüge mit dem Führungstrupp zu einem Gebäudebrand in der Innenstadt ausrücken mussten (siehe Bericht vom Samstag). Üblicherweise beschränkt sich der Kontakt des Gemeinderates zur Feuerwehr auf die Kosten für Gebäude, Ausrüstung und Fuhrpark. Deshalb wollte man vor Ort aus berufenem Munde etwas über den aktuellen Stand und die Zukunftsperspektiven erfahren, erläuterte der Fraktionsvorsitzende Roland Hirsch den Grund des Besuches. Kommandant Thomas Happersberger und der Vorsitzende des Fördervereins der Wehr, Hermann Kleinschmidt, hatten die "Unterrichtsstunde" organisiert.

Bei einem Rundgang durch die Gebäude erklärte Happersberger Struktur und Organisation der Wehr. Sie habe sich in den vergangenen Jahren zu einem wahren "Moloch" entwickelt. Dies sei dem stetig zunehmenden Aufgabenspektrum und dem damit verbundenen Ansteigen der Einsatzzahlen, aber auch der Wirtschaftlichkeit geschuldet.

Im Schlauch- und Atemschutzpool etwa werden Schlauchmaterial, Atemschutzmasken und Lungenautomaten auch für mehrere Feuerwehren im Umkreis gereinigt, gepflegt und repariert – gegen eine Gebühr, versteht sich. Für die teilnehmender Wehren bedeutet dies zeitliche und für die Kommunen finanzielle Einsparungen. Bestens ausgelastet ist auch die Atemschutz-Übungsstrecke im Dachgeschoss des Feuerwehrhauses. Hier üben 60 Prozent der Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren im alten Landkreis Lahr. Einsparungen, so Happersberger, werden auch durch die Unterhaltung eigener Elektro-, Feuerlöscher- und Funkwerkstätten erzielt.

Der Kommandant verwies darauf, dass die Lahrer Feuerwehr (fast) das ganze Spektrum möglicher Gefahrenlagen abdecken. Dennoch habe er Zukunftswünsche. Für die Tagesalarmbereitschaft (Regelarbeitszeit) und an Wochenenden (Freizeitgestaltung) sollte stets ausreichend Personal mit einer qualifizierten Ausbildung zur richtigen Zeit zur Verfügung stehen. Ein weiteres Ziel: die Vermeidung von Verschleiß bei den Führungskräften. Vor allem die Zugführer müssten dem ständig wachsenden Anforderungsprofil des Brandschutzes sowie dem immer höheren Zeitaufwand für das ehrenamtliche Engagement Tribut zollen. Zur Verbesserung der Personalsituation wären weniger Abgänge bei den 40- bis 50-Jährigen wünschenswert. "Wir wollen und müssen versuchen, diese Jahrgänge irgendwie länger an die Feuerwehr zu binden", so Happersbergers Fazit.

Auf Nachfrage erklärte er, dass die Stadt Lahr auch in Zukunft keine Berufsfeuerwehr haben werde. Ob die Zahl der hauptamtlich tätigen Feuerwehrleute irgendwann erhöht werden sollte oder müsse, werde sich in den nächsten Jahren zeigen. Dies hänge im Wesentlichen von der weiteren Entwicklung der Stadt Lahr selbst ab, meinte Happersberger. Auch werde man nicht mehr für jedes Aufgabengebiet ein Fahrzeug unterhalten können und – wie teilweise bereits praktiziert – verstärkt mit Containern und so genannten Abrollbehältern arbeiten.

Die Einrichtung einer Kinderfeuerwehr-Gruppe hielt der Kommandant für möglich, allerdings müsste eine der altersgruppengerechte pädagogische Begleitung sichergestellt sein. Mit normaler Jugendarbeit sei eine Kindergruppe unter zehn Jahren nicht zu unterhalten. Die Jugendfeuerwehr Lahr entwickle derzeit ein entsprechendes Konzept, sagte Happersberger.