Die IHK hat ein Notfall-Handbuch für Unternehmer herausgegeben

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Do, 07. Dezember 2017 um 16:50 Uhr

Lahr

Der plötzliche Ausfall von Führungskräften in der Wirtschaft durch Unfall, Krankheit oder Tod kann Unternehmen hart treffen.

LAHR. Der plötzliche Ausfall von Führungskräften in der Wirtschaft durch Unfall, Krankheit oder Tod kann Unternehmen hart treffen. Nicht selten fehle es an ausreichender Notfallvorsorge, hat IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff am Dienstag bei einem Pressegespräch erklärt. Für solche Situationen hat die IHK nun ein Notfall-Handbuch herausgegeben. Wie sie mit dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes umgegangen ist, das hat Brigitta Schrempp geschildert: "Plötzlich war ich Chef und nicht darauf vorbereitet".

Gustl Schrempp war 2012 bei einem Unfall mit seinem Hubschrauber auf dem Lahrer Flugplatz verunglückt. Bis dahin war für Brigitta Schrempp die Welt im Software-Unternehmen Schrempp EDV noch in Ordnung. Der plötzliche Tod ihres Mannes habe sie privat und beruflich vor Probleme gestellt: "Wer ist schon auf ein derartiges Unglück vorbereitet?", sagte die damalige Mitarbeiterin im EDV-Unternehmerin, die über Nacht zur Chefin des Softwarehauses mit rund 45 Mitarbeitern wurde.

Wie in vielen mittelständischen Unternehmen sei die klassische Rollenverteilung auch im Hause Schrempp der Fall gewesen: "Mein Mann wusste alles, hatte alle Verbindungen und war bestens vernetzt", schilderte Brigitta Schrempp die ersten unsicheren Handlungen im Unternehmen und mit den Geschäftspartnern nach dem Tod ihres Mannes. "Kein leichtes Unterfangen", sagt die heutige Vizepräsidentin der IHK Südlicher Oberrhein und Geschäftsführende Gesellschafterin von Schrempp-EDV mit mittlerweile 75 Mitarbeitern. "Wenn ich damals ein Unfall-Handbuch gehabt hätte, wäre ich besser zurecht gekommen."

Der Zuschlag für einen Auftrag war ein Glücksfall

In einem Testament sei zwar notariell alles geregelt gewesen, aber es habe nicht geholfen bei Behörden- und Bankgänge, die sie damals als neue Chefin antreten musste, um das 1980 in Heiligenzell gegründete EDV-Unternehmen am Laufen zu halten. Dass sie dennoch den Zuschlag für ein Firmenprojekt mit EDV-Auftragsabwicklung erhielt, das damals noch ihr Mann eingefädelt hatte, bezeichnete sie als Glücksfall. "Es hätte auch alles anders kommen können", so die Geschäftsfrau, die in den vergangenen fünf Jahren das Unternehmen in der Softwarebranche zu neuen Ufern geführt habe.

"Die von Brigitta Schrempp geschilderte Situation ist in unseren betreuten Unternehmen keine Seltenheit", bestätigte Christina Gehri, stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereichs Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK. Eine Umfrage in den Unternehmen hätte gezeigt, so Gehri, dass es notwendig sei, Vorkehrungen für den eigenen Ausfall zu treffen. Dennoch sei die Bereitschaft, sich mit den Tabuthemen zu befassen, äußerst gering (siehe Info-Kasten). Denn viel zu oft würden diese Gedanken verdrängt, sagte Gehri. "Wer rechnet schon gern mit dem Schlimmsten?", so die IHK-Sprecherin, die von Fällen berichtete, dass Unternehmen nach Unfall, Krankheit oder Tod der Führungskräfte unter die Räder gekommen seien. "Für solche Fälle ist das Unfall-Handbuch gedacht", so Gehri, "es soll Anregung, Orientierung und Werkzeug sein, die wichtigsten Regelungen konkret umzusetzen", ergänzte der Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff.