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08. Dezember 2009 14:20 Uhr

Die Lahrer Beat Band I.F.E. United gibt ein Reunion-Konzert

Spencer Davis Group sagt Ihnen nichts? Julie Driscoll halten Sie für einen Long Drink? Wilson Pickett für für eine Birnensorte? Dann sollten Sie auf alle Fälle den nächsten Auftritt von I.F.E. United am 19. Dezember im Schlachthof nicht versäumen.

  1. Sie geben dem Affen Zucker. Die Band I.F.E. United – (von links) Wolfgang Lauer , Isolde Wawrin, Roland Zitzlaff, Horst Munz, Wolfgang Huck – ist am 19. Dezember im Schlachthof zu hören. Foto: christoph breithaupt

  2. „Alle lebten auf den Sonntagnachmittag hin“ Foto: bz

Denn die legendäre Lahrer Band aus den 60er Jahren spielt nur alle zehn Jahre zusammen. Für alle anderen ist der Abend ohnehin ein Muss. Wann sonst bekommt man so geballt die Hits aus dieser Zeit um die Ohren? Ganz unbescheiden verspricht Keyboarder Roland Zitzlaff: I.F.E. 2009 verdient das Prädikat "better than ever".

Mitte der 90er Jahre gab’s das letzte Mal ein viel bejubeltes Reunion-Konzert von I.F.E. – damals in der Friesenheimer Sternenberghalle. Seitdem haben die Musiker in unterschiedlichen Formationen weitergespielt. Aber wenn I.F.E. ruft, kommen sie alle wieder zusammen. Mit dabei ist auch der Kanadier Doug Grose, der damals kurzzeitig als Sänger mit eingestiegen war. Wer sonst noch dabei ist? Wolfgang Lauer (Bass), Isolde Wawrin (Vocals), Roland Zitzlaff (Keyboard), Horst Munz (Drums) und Wolfgang Huck (Guitar). Veranstalter des Konzerts sind die Badische Zeitung und die Rockwerkstatt.

Ein Blick zurück: Ende der 60er Jahre. Die Boxen im Innern des VW-Busses hämmern den Beat. Sechs junge Leute, alle noch keine 20 Jahre alt, lauschen der Musik wie verzaubert. Es ist ihr Stück, das da im Radio läuft.

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ZITZLAFF: "DA HABEN SICH DIE EREIGNISSE ÜBERSCHLAGEN"

"Wir hatten gerade erst angefangen, eigene Songs zu schreiben", erinnert sich Wolfgang Lauer. Er war damals Bassist bei I.F.E. United, die sich in wenigen Jahren zur Institution in Lahr aufgeschwungen hatte. Nicht nur dort: Immerhin waren sie bereits nach Köln zum Bundesentscheid beim Deutschen Folklorefestival eingeladen. "Wir kamen gerade von dort. Irgendeiner von uns hat einen Luxemburger Sender eingeschaltet und da spielten sie unser Lied." Ganz nebenbei: I.F.E. wurden Bundessieger, Sängerin Isolde Wawrin kam auf Platz zwei.

Roland Zitzlaff, damals Keyboarder der Band, kann die wenigsten Erinnerungen noch genau datieren: "Das war so eine bewegte Zeit damals, da haben sich die Ereignisse überschlagen." Die Hochjahre der Band aus Lahr waren von 1966 bis 1970. "Vier Jahre, die einem heute vorkommen, wie zwei Wochen", schwelgt Lauer. "Eine richtig verrückte Zeit." Mit den Beatles habe auch in Lahr alles angefangen, ist sich Zitzlaff sicher. "Wenn wir im Radio hörten, wie die vier Liverpooler ,I wanna hold your hand’ sangen, da sind wir mitgegangen und waren elektrisiert. Ich dachte: Sowas willst du auch machen!" Mit dem Gedanken war Zitzlaff nicht allein. So konkurrierten Anfang der 1960er Jahre gleich zwei Beat-Bands in Lahr um die begehrten Auftritte: die "Earls" und "The Four". "Alle lebten auf den Sonntagnachmittag hin", erinnert sich Zitzlaff. "Um drei Uhr pilgerten dann die jungen Leute von Lahr zum Tanzcafé Terras an der Feuerwehrstraße."

Damals spielte Roland Zitzlaff noch bei den "Earls". "Wir standen immer im Schatten der großen ,The Four’. Eines Tages kam dann aber meine Chance." Der Organist der Band fiel aus. Er hatte sich den Arm gebrochen. "The Four" meldeten sich bei den "Earls". Ob Zitzlaff kurzfristig einspringen könne. "Was hätte ich da lange zögern sollen?", sagt Zitzlaff heute. "Ich war stolz wie Oskar, dass die mich baten, bei ihnen mitzuspielen." Zwei Proben vor dem Auftritt reichten und der Auftritt von "The Four" mit dem einen "Earl" ging glatt über die Bühne. So glatt, dass eine neue Band aus der Taufe gehoben wurde. Als Sängerin holte man Isolde Wawrin ins Boot, später folgte ihr der Kanadier Doug Grose. Man einigte sich auf den Bandnamen I.F.E. United. Er sollte die Entwicklung der Gruppe widerspiegeln: I für "Isolde", F für "The Four" und E für "Earls". "Von da an haben wir abgeräumt", ist Zitzlaff noch heute begeistert.

"PROTEST GEGEN FREDDIE QUINN UND DAS KLEINBÜRGERTUM"

"Mit unserem Rhythmus protestierten wir gegen Freddie Quinn und das Kleinbürgertum unserer Eltern", sagt Roland Zitzlaff heute. Dabei mussten sie das Rad gar nicht neu erfinden. Im Gegenteil: "Je besser wir die Hits aus dem Radio nachspielten, desto begeisterter war das Publikum." Also habe man sich abends vor das Tonbandgerät gesetzt und Harmonien mitgeschrieben. "Wir hörten uns Passagen so lange an, bis wir das Stück zusammen hatten. Die Texte versuchten wir selbst herauszuhören." Das gelang nicht immer. Zum Glück gab’s ja das Musikhaus Schmittlin und seine Textheftchen. Instrumente und Noten kamen vom damaligen Offenburger Musikhaus Pfettscher. Manches gab es dort sogar auf Pump.

Relativ unspektakulär ging die Ära der Beat-Bands dann mit dem Aufkommen der ersten Diskotheken um 1970 herum zu Ende. Zitzlaff: "Plötzlich blieb das Publikum weg und die Veranstalter sagten, sie organisierten keine Live-Konzerte mehr. Disko war angesagt." Da brach mit einem Mal ein ganzer Markt weg. "Was für ein Sündenfall!", klagt Lauer. Dann kam eins zum anderen. Die Leute fingen an zu studieren, gingen weg aus Lahr.

Dass das Feuer noch immer brennt, zeigt die Band am 19. Dezember. Im Gepäck unter anderem River deep, mountain high von Ike & Tina Turner, Respect von Aretha Franklin, Somebody to love von den Jefferson Airplane, die Dylan- Komposition Wheels on fore von Juli dirscoll und, und, und...

Info: I.F.E. United spielen am Samstag, 19. Dezember, 20.30 Uhr, im Lahrer Schlachthof. Die Moderation hat Joachim Bauer. Karten im Vorverkauf bei der Badischen Zeitung, im Musikhaus Eichler und im Kulturbüro. Eintritt: 10 Euro, mit BZ-Card ermäßigt für 8 Euro. Der Reinerlös kommt der Weihnachtsaktion der Badischen Zeitung zugute.

Hörproben:

 
(MP3-Datei)

 
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Autor: Bastian Henning und Manfred Dürbeck