Mitgliederversammlung

Die Lahrer SPD-Basis befürwortet die Groko

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Do, 08. Februar 2018 um 17:54 Uhr

Lahr

Nach leidenschaftlicher Diskussion stimmte die Mehrheit für die Große Koalition.Das Stimmungsbild wurde kurz danach im ZDF-Heute-Journal gesendet.

Die Punktlandung war perfekt, die SPD-Mitgliederversammlung auf der Dammenmühle hätte nicht besser inszeniert werden können: Am gleichen Tag, als in Berlin die Koalitionsverhandlungen zu Ende gingen, hat sich die Lahrer SPD zusammengefunden, um mit großer Leidenschaft das Ergebnis zu diskutieren.

Mit 33 Genossinnen und Genossen waren am Mittwochabend mehr erschienen als sonst bei einer solchen Versammlung. Die aktuelle politische Situation hat das Interesse der SPD-Basis geweckt, erst wenige Stunden zuvor waren die Koalitionsverhandlungen beendet worden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises, Johannes Fechner, hatte extra die Fraktionssitzung in Berlin platzen lassen und war zur Basis nach Lahr geeilt.

In der "Dammenmühle" wartet ein Kamerateam des ZDF, um für die aktuelle Sendung des Heute-Journal die Stimmung der SPD-Basis einzufangen. Die Aufregung der Genossen ist zu spüren, nicht jeder will vor die Kamera, um seine Meinung zur Groko zu äußern. Der Lahrer SPD-Fraktionsvorsitzende Roland Hirsch macht den Anfang. Das Ergebnis hätte für die Sozialdemokraten nicht besser sein können, sagt er und zeigt Verständnis für den Verzicht von Martin Schulz auf das Amt des Parteivorsitzenden. Freude herrscht auch bei Mark Rinderspacher, dem Vorsitzenden des Lahrer SPD-Ortsvereins. Er verteilt eilig Parteibücher an Neumitglieder. Die Jusos – die die Große Koalition ablehnen – fehlen an diesem Abend allerdings, was in der Runde bedauert wird.

Wohin geht es mit der Sozialdemokratie? Und was bringt die Große Koalition? Das sind die Fragen, die die Parteibasis stellt. Johannes Fechner formuliert die Antwort: Raus aus dem Maschinenraum und rauf auf das Sonnendeck, wo sich meist Angela Merkel und die CDU aufhielten. Auf 177 Seiten ist der Koalitionsvertrag fixiert.

100 Kronleuchter sind besser als ein Leuchtturm

"Ich lese jetzt alle Seiten vor", sagt Fechner scherzend, er selbst hat noch nicht alles gelesen. Vieles vom Inhalt trage aber eindeutig die Handschrift der SPD, betont der Abgeordnete, der von Verhandlungen "bis zur Erschöpfung" berichtet. Es sei kein Leuchtturmprojekt für die SPD, so Fechner, aber: "100 Kronleuchter leuchten allemal besser als ein Leuchtturm."

Für den früheren SPD-Landtagsabgeordneten Walter Caroli ist das Ergebnis "sensationell", in der Regierung lasse sich gut gestalten, sagt er. Dorothea Hertenstein ist enttäuscht über die ablehnende Haltung der Jusos. Hermann Kleinschmidt besänftigt: "Eine große Volkspartei muss den jugendlichen Widerstand ertragen. Die SPD kann jetzt zeigen, dass sie Lust hat, zu gestalten".

Davon will SPD-Mitglied Stefanie Kremling-Deinert nichts wissen. "Auch wenn ich mich unbeliebt mache, ich bin gegen die Groko." Vor laufender Kamera wird munter weiterdiskutiert. Noch ist die Große Koalition aber nicht beschlossene Sache, am 4. März wird das Ergebnis der SPD-Mitgliederbefragung bekannt gegeben. Johannes Fechner drängt an diesem Abend aber schon auf ein erstes Stimmungsbild. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: 29 der anwesenden Mitglieder stimmen für die Große Koalition, einer ist dagegen, drei enthalten sich.

Dann macht das ZDF-Team das Scheinwerferlicht aus. "Soll ich der SPD leuchten?", fragt mit einem Schmunzeln der Kameramann, der sofort seinen Beitrag an das Heute-Journal schickt. Die Antwort von Johannes Fechner kommt prompt: "Wir finden auch im Dunkeln den Weg".

Das Heute-Journal mit dem Beitrag aus Lahr steht in der ZDF-Mediathek unter http://mehr.bz/0702heute (Beitrag ab Minute 13.50)