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19. Mai 2017 19:00 Uhr

Nähkurs an der VHS Lahr

Die Lust am Nähen und Kreativsein

Lieber selbermachen als kaufen. Duie Badische Zeitung hat einen Nähkurs für Anfänger und Fortgeschrittene der Volkshochschule Lahr besucht.

  1. Die Nähkursleiterin Ursula Maaß (rechts) gibt der Teilnehmerin Irmgard Göppert-Wolf Tipps. Seit 40 Jahren leitet sie Nähkurse in der Volkshochschule. Foto: Christoph Breithaupt

LAHR. Es ist Donnerstagabend und in den Gängen der Otto-Hahn-Realschule herrscht gähnende Leere. Nur aus Raum 124, dem Hauswirtschaftsraum, dringt Stimmengemurmel. Wer die Tür öffnet, trifft auf eine kleine Gruppe von sieben Frauen aller Altersklassen, die Stoffe abstecken, Schnittmuster aufzeichnen und über Nähanleitungen brüten. Jede von ihnen hat sich für den Kurs ihr ganz persönliches Projekt vorgenommen, eines aber eint sie alle: Der Spaß an der Handarbeit, am Ausprobieren und die Lust daran, etwas Neues nach den eigenen Vorstellungen zu erschaffen.

"Mir geht es beim Nähen nicht so sehr um Mode, sondern um das Kreativsein. Man kann sich Kleider schneidern, die man sonst nirgends findet", beschreibt Hanna Kettnacker ihre Motivation. Die 26-Jährige aus Lahr ist zum ersten Mal beim Nähkurs dabei, hat aber schon Erfahrung im Schneidern. Ihr Projekt ist eine Bluse mit vielen Einzelteilen. Sie erscheint aufwändig. "Ich habe schon einige Sachen für mich selbst geschneidert und natürlich ist auch immer mal wieder etwas schief gegangen, das gehört dazu. Beim Kurs habe ich mich angemeldet, um Gleichgesinnte kennen zu lernen und um dabei zu bleiben. Allein daheim macht man abends nach der Arbeit zu oft dann doch nichts mehr. Hier ist es aber ein fester Termin in der Gruppe. Das macht Spaß und motiviert."

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Das Arbeiten in der Gruppe schätzen auch die anderen Teilnehmerinnen. Immer wieder unterstützen sie einander. Irmgard Wolf brütet über einer englischen Anleitung und sucht Rat bei ihren Kolleginnen. "Ich möchte eine Hose für meine Enkelin nähen, die Anleitung dafür hat mir meine Tochter gegeben. So ganz schlau bin ich aber daraus noch nicht geworden." Nach kurzen Beratungen ist die Sprachbarriere überwunden und Irmgard Wolf macht sich ans Zuschneiden. Die 64-jährige Pensionärin aus Lahr ist wie zwei weitere Teilnehmerinnen schon zum dritten Mal dabei. "Ja, wir kennen uns schon. Es ist einfach nett hier. Zuhause bleibe ich ja doch nicht dran, wenn ich etwas anfange."

"Nur weil man älter wird, heißt das nicht, dass die

Freude an der Mode aufhört."

Die 55-jährige Antje Merten
aus Ettenheim
Auch die Tipps und Kniffe, die Kursleiterin Ursula Maaß immer wieder gibt, sind gefragt. Seit 40 Jahren leitet sie Nähkurse für die Volkshochschule, nie ist sie um eine Lösung verlegen. Sie berät beim Zeichnen auf Pauspapier und erklärt worauf es beim Ärmelannähen ankommt, damit keine unerwünschten Falten entstehen. Auch Antje Merten aus Ettenheim schätzt den großen Erfahrungsschatz der Kursleiterin: "Sie hat ein großes, fundiertes Wissen und ist sehr unkompliziert in ihrer Art. Ich komme immer zu ihr in den Kurs." Die 55-Jährige macht aus einem Schal, der ihr so nicht mehr gefällt eine Tunika. "Ich verändere gern Kleidungsstücke und arbeite am liebsten mit besonderen Stoffen", erzählt sie, "nur weil man älter wird, heißt das ja nicht, dass die Freude an der Mode aufhört." Sie schätzt am Kurs besonders das Lernen voneinander und empfindet gerade die unterschiedlichen Altersklassen der Teilnehmerinnen als große Bereicherung.

Inzwischen sind die Ersten mit dem Zuschneiden fertig, Nähmaschinen werden angeschmissen. Jede arbeitet für sich, es herrscht eine ruhige Geschäftigkeit. Alle Frauen arbeiten konzentriert und doch entspannt. Ob das immer so ist, Frauen unter sich? Ursula Maaß überlegt: "Nein, letztes Mal hatten wir auch einen jungen Mann dabei. Der hat sich das Jackett für seine Abschlussfeier selbst genäht." Sie macht eine Pause. Dann lächelt sie und schaut verschmitzt in die Runde. "Aber meistens, ja, meistens sind wir Frauen hier unter uns."

Autor: Hannah Fedricks Zelaya