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10. August 2010
Die naturnahe Pflege eines Golfplatzes
BZ-Besucher machten sich im Gereutertal ein Bild.
LAHR. Volker Christ, der Greenkeeper des Golfclubs Ortenau (GCO), sprach kurz vor Ende des zweistündigen Blickes hinter die Kulissen des 31 Jahre alten Golfclubs ganz gelassen einen wesentlichen Satz aus: "Wir haben nicht den Golfplatz an die Maschinen angepasst." Der 44-Jährige, der seit 1982 beim GCO arbeitet, erläuterte, "wir brauchen passende Maschinen für unseren Platz, da beim Platzbau nur unwesentlich in die Natur eingegriffen wurde."
Nicht nur in dieser Aussage wurde deutlich: Die 55 Hektar ehemaliger Felder im Landschaftsschutzgebiet Gereuter Tal, die vom ältesten Golfclub der Region bewirtschaftet werden, haben ihre Besonderheiten. Dafür gibt es keine Maschinen von der Stange, dafür unzählbare Kilometer Drainagerohre, die immer wieder den Launen der Wasseradern Einhalt gebieten müssen. Intime Kenntnisse des Tales sind mit eine Voraussetzung für eine naturverträgliche Bewirtschaftung. Dies zeigt sich unter anderem an den Biotopen: für Golfer Hindernisse, für Flora und Fauna Rückzugsraum und Überlebenssicherung.
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John Walton, Volker Christ, Anton Himmelsbach, Winfried Himmelsbach und Bahattin Ergün kennen hingegen kaum die Sorgen der Hobbygärtner, die beim BZ-Besuch schon früh fragten, was gegen den Klee zu tun sei, wie mit Ameisen, Regenwürmern umgegangen werde. Der regelmäßige Schnitt des Grases, das nur auf den ersten Blick wie eine Monokultur aussehe, sei die Lösung des Problems. Vier bis fünf unterschiedliche Grassorten ergeben das einheitlich erscheinende grün des Grüns, das auf 4,5 Millimeter Schnitthöhe gehalten wird. Trotz der intensiven Pflege haben die Grüns 17 bis 24 Krankheiten im Laufe eines Jahres zu überstehen.
Nachdem Greenkeeper John Walton mit einem 9-Blatt Spindelmäher das Grün gemäht hatte, wurde der optisch unscheinbare Unterschied mit der Hand deutlich wahrnehmbar. Um die sensibelsten Fläche auf einem Golfplatz perfekt zu halten, braucht ein Mähdurchgang dreieinhalb bis viereinhalb Stunden. Es wird täglich gemäht. Aber damit ist nur ein kleiner Teil der Anlage gepflegt. Zwölf unterschiedliche Mäher stehen im Gereuter Tal. Imposant sind die zwei Fairwaymäher – jeder kostet rund 80 000 Euro – die eine Schnittbreite von 340 Zentimetern haben. Trotz dieser Dimensionen bracht es acht Stunden Zeit und 60 Liter Diesel, um das Gras auf den Spielbahnen einmal auf 20 Millimeter Höhe zu stutzen. In der Vegetationsphase geschieht dies bis zu dreimal pro Woche.
Die korrekte Bewässerung war ein weiteres zentrales Thema des BZ-Besuchs. 48 Kubikmeter Wasser werden pro Nacht für die Beregnung der 20 Grüns mit 9 bar Druck durch das unterirdische Leitungssystem gejagt. Durch faustgroße Rohre auf der alten Anlage, durch ein Drittel größer dimensionierte Leitungen auf den seit 2003 in Betrieb genommenen neuen Bahnen.
Während dort ein Computer alles überwacht, ist im alten Pumpenhaus beim Riehlehof noch Handarbeit angesagt. Im Lichtkegel des Autos überprüft Volker Christ stichprobenartig nächtens, ob das Wasser sprüht, wie es soll. Der naturnahe Betrieb des Platzes hat auch seine Tücken. Hier wird Oberflächenwasser gesammelt.
Nach schweren Regenfällen ist der Gereuter Talbach mit Sedimenten aus dem Steinbruch angereichert, rot gefärbt. Die können trotz aller Filter auch einmal Ventile verstopfen. Das Oberflächenwasser hat auch einen Vorteil. Es ist wärmer als Wasser aus Tiefbrunnen. Gerade im Sommer ist der Temperaturschock so für den Rasen nicht so groß, der übrigens auch einmal in der Mittagshitze kurz beregnet wird. Zur Abkühlung.
Autor: Wolfram Köhli


