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09. Februar 2012
Die Neunte für Klavier zwischen Reiz und Limitierung
Dennis Proshayev und Nadja Mokhtaki interpretierten in der Reihe "Weltklassik am Klavier" Beethovens 9. Sinfonie zu vier Händen.
LAHR/OFFENBURG. Es ist ein merkwürdiges Werk, diese Transkription von Beethovens Neunter für ein Klavier und zwei Pianisten von Franz Liszt. Am Wochenende in Lahr und Offenburg bei den jüngsten Konzerten der Reihe "Weltklassik" stand es im Zentrum. Merkwürdig deshalb, weil sich der klangliche Charakter des vierten Satzes mit seinen Chören völlig verändert in der Klavierbearbeitung.
Die Kontrabässe, die den Satz zunächst charakterisieren, die wilden Tuttiblitze, welche die Melodie zerreißen – das funktioniert auf dem Pianoforte bestens. Dennis Proshayev, Klavierprofessor aus Weimar und schon mehrfach in der Reihe zu hören, schleudert die Blitze, Nadja Mokhtaki liefert die sanglichen Bässe, und sie phrasiert auch die Bariton-Einleitung, ehe der Chor einsteigt. Das ist bis dahin stimmig. Dann kommt die Passage mit dem Chor-Tutti, eben das jubelnde "Freude, schöner Götterfunken". Und das klingt auf dem Klavier halt nur nach Rumms-Rumms, Rumms-Rumms. Zwar wird jede Achtel-Note zugleich von acht bis zehn Fingern angeschlagen, im Forte versteht sich, aber Kehlen und Orchestermusiker entfalten halt die Klangkraft anders als ein Bösendorfer und vier Hände.
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In der Folge spielt Beethoven mit dem Klang, mit unterschiedlichen Arten des Ausdrucks: bald verhalten, bald innig, bald fordernd, bald erregt, bald mit Pathos. Mit Chor, Solisten und Orchester ist das prägnant. In dieser Liszt’schen Fassung wirkt das manchmal nahezu parodistisch. So hört sich die rasche freudig erregte Passage kurz vor dem Schluss eher wie ein Strauß-Galopp an, der in die Parodie eines Verdi-Opernschlusses übergeht.
Auch Satz eins hat seinen Reiz und seine Limitierung. Die irrlichternden Orchesterrufe, dieses "Da geistert etwas Neues durch die Luft und will Wirklichkeit werden" – das vermittelt im Klavier eine Ahnung vom originalen Werk. Der Rest ist Rhythmus. Immer wieder: Tutti-Schläge, kraftvoll befeuernde Passagen, die in ahnungsvolle Wendungen münden. Weil das Klavier einen Ton nicht lange halten kann, wird hier vor allem der Rhythmus von Beethovens Neunter offengelegt – und das ist durchaus interessant. Zumal das prachtvoll gespielt ist, virtuos, expressiv, explosiv. Liszt scheint um die Problematik gewusst zu haben, weshalb er diese 1851 entstandene Transkription später für zwei Klaviere umänderte. Freunde des Virtuosentums an den Tasten kamen auch bei der alten Fassung auf ihre Kosten.
Etwas merkwürdig war auch der Titel des Programms: "Piano: Best of Beethoven – Freude schöner Götterfunken!" Da gab es keinen "Mondschein", keine Appassionata, keine Waldstein-Sonate. Die Liste wäre fortsetzbar. Und den "Gotterfunken" gab es via Liszt. Nötig wäre solche Angeberei nicht gewesen, denn auch Teil eins des Abends, wiewohl nicht "Best of Beethoven", bot mit der Sonate Nr. 4 ein ausgezeichnetes Werk, virtuos, lebendig und mit Sinn gespielt von Proshayev, der allerdings im Adagio-Satz allzu viel Bedeutung suchte.
Autor: rob
