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06. Februar 2009 14:24 Uhr
Methadon-Abgabe künftig auch in Kehl?
Die Schwerpunktpraxis Offenburg will erweitern
Die Schwerpunktpraxis Offenburg zur Abgabe von Ersatzmitteln wie Methadon für Drogenabhängige hat Erweiterungspläne. Der Ortenaukreis und der Inhaber der Praxis, der Psychiater Dirk Menzel, wollen prüfen, ob die Eröffnung einer Außenstelle in Kehl realisierbar ist.
Landrat Frank Scherer wird eine Bedarfsanalyse erstellen lassen und dazu auch die niedergelassenen Ärzte befragen.Menzel hat die Offenburger Schwerpunkt Praxis Anfang 2008 übernommen und die Patientenzahl von 100 auf 180 gesteigert. Möglich sei dies durch geänderte Öffnungszeiten, Personaleinstellungen und eine enge Kooperation mit Apotheken in Lahr, Kehl und Oberkirch. Eine weitere Steigerung ist laut Menzel nicht mehr verkraftbar, weshalb er einen Patientenstopp verfügt habe. Die Belastung für das Personal werde sonst zu groß. Schließlich gehe es darum, der Versorgung der drogenkranken Patienten mit Ersatzstoffen 365 Tage im Jahr abzudecken. Andererseits sei ein hoher Bedarf da. Menzel spricht von Anfragen aus allen Teilen der Ortenau.
Es zeige sich, dass der Ortenaukreis noch nicht hinreichend versorgt sei. Menzel geht von 800 bis 1000 Menschen in der Ortenau aus, die substitionsbedürftig sind, also einen Ersatzstoff für ihre Droge – meist Heroin – benötigen. Er habe viele Anfragen aus Kehl und Lahr. In Lahr gebe es zwar Substitution, doch hätten die Ärzte dort Wartelisten. Auch das Kinzigtal sei unterversorgt. Für den Patienten bedeute ein Versorgung durch seine Schwerpunktpraxis, dass er täglich nach Offenburg kommen müsse, um den Ersatzstoff zu holen. Er habe an einer Außenstelle in Kehl Interesse. Den momentanen Bedarf dort schätzt er auf 60 Personen.
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Laut Offenburgs Sozialbürgermeister Christoph Jopen sei auch die Stadt Kehl für eine Außenstelle von Menzels Praxis offen. Auch die Polizei würde eine solche Außenstelle befürworten. Jopen weist darauf hin, das eine zweite Schwerpunktpraxis in der Ortenau vermutlich keine Chance auf eine Genehmigung habe. Offen ist noch die Frage, ob Menzel für seine Praxis einen Zuschuss vom Kreis braucht. Aufgrund der gestiegenen Patientenzahlen sei dies nicht notwendig. Da jedoch im Topf der Gesundheitsversorgung 80 Millionen Euro fehlen, rechnet der Psychiater mit Honorarkürzungen. Menzel: "Diese werden vermutlich die Extra-Leistungen betreffen, worunter auch meine Praxis fiele." Der Sozialausschuss signalisierte, notfalls Geld bereit zu stellen, und stimmte auch einer Stellenerweiterung für den Kontaktladen Offenburg um eine halbe Fachkraftstelle zu. Laut Menzel ist fast die Hälfte der von ihm mit Methadon versorgten Drogenkranken im ersten Arbeitsmarkt tätig.
Autor: hsl
