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10. August 2012 16:34 Uhr

Beteiligung an Erneuerbaren Energien

E-Werk gründet Bürger-Energiegenossenschaft

Mit der Gründung einer "Bürger-Energiegenossenschaft" will das E-Werk Mittelbaden einen großen Schritt in Richtung erneuerbare Energien gehen – und ihre Kunden in die Energiewende einbinden. Davon profitieren sollen beide Seiten.

  1. EWM-Vorstand Helmut Nitschke (Bildmitte), Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang G. Müller und Natalia Winschu vom E-Werk Foto: Heidi Foessel

LAHR. EWM-Vorstand Helmut Nitschke sprach bei der Präsentation gestern von einem "Meilenstein". Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller, derzeit Aufsichtsratsvorsitzender des E-Werks lobte die Möglichkeit, Klimaschutz vor Ort zu unterstützen und dabei bürgerschaftliches Engagement zu zeigen.

Der Energiegenossenschaft als Mitglieder beitreten können alle Bürgerinnen und Bürger der Ortenau, aber auch Kommunen, Unternehmer und Vereine. Wer sich beteiligen will, kann einen oder mehrere Geschäftsanteile (à 500 Euro) bis maximal 10 000 Euro zeichnen. Erklärtes Ziel des Projekts ist es, die Energiewende vor Ort durch ökologische und ökonomische Projekte voranzutreiben. "Die professionelle Begleitung durchs E-Werk stellt sicher, dass hier Projekte angegangen werden, die sich auch rechnen", sagte Müller und fügte an: "Genossenschaften sind keine karitativen Veranstaltungen."

In welche Projekte die Genossenschaft darüber entscheiden die Mitglieder in gemeinsamer freier Verantwortung. Denkbar ist die ganze Palette an erneuerbarer Energie: von Photovoltaik-Anlagen auf Dächern oder Freiflächen über Bürgerwindräder an geeigneten Standorten und Biogasanlagen in ländlich geprägten Gebieten bis hin zu Wasserkraftanlagen mit Fischtreppen an kleinen und mittleren Flüssen. Je nach Entscheidung sind die Mitglieder – vertreten über einen ehrenamtlich agierenden vierköpfigen Vorstand und einen zwölfköpfigen Aufsichtsrat – freilich auch verantwortlich für die Höhe der erwartbaren Rendite. Natalia Winschu, beim E-Werk Ansprechpartnerin für die neue Bürgergenossenschaft, bezifferte die Rendite auf eine Größenordnung zwischen drei und sieben Prozent.

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Wolfgang G. Müller sieht das Projekt als Fortsetzung der verstärkten Kommunalisierung des Stromversorgungsunternehmens EWM, die mit der Arrondierung des Geschäftsgebiets in der nördlichen Ortenau durch das Energiewerk Ortenau bereits einen kräftigen Schub erhalten hat.

Nitschke machte in der Präsentation gestern aber auch deutlich, dass beim E-Werk die Idee nicht neu ist, Bürgerinnen und Bürger am Engagement in regenerative Energien zu beteiligen – und zitierte Konfuzius (siehe Aufgeschnappt). Das Versorgungsunternehmen war Mitbegründer des ersten Solarstromparks in der Ortenau, begründete einen Ökologie- und Innovationsfonds, hob mit der Volksbank Lahr einen Umweltsparbrief aus der Taufe und unterstützt lokale Bürger-Energiegenossenschaften wie etwa in Kehl.

Die Rechtsform der Genossenschaft biete einen Schutz vor Spekulation, betonte Nitschke. Gezeichnete Mittel würden erst bei der Umsetzung eines Projekts eingezogen. Wer aussteigen will, hat einen Anspruch auf Rückzahlung seines Geschäftsguthabens. Die Mitgliedschaft kann mit einer Frist von zwei Jahren zum Jahresende gekündigt werden. Um das Projekt starten zu können, muss ein Projekt in einer Größenordnung von 100 Kilowatt gestemmt werden – dies entspricht etwa gezeichneten Anteile in Höhe von 200 000 Euro. Dass die erreicht werden, daran hat Helmut Nitschke keine Zweifel. In vier Informationsveranstaltungen (siehe Infobox) will man die Bürger über das Vorhaben aufklären, auf den 4. Oktober ist in Lahr die Gründungsversammlung terminiert.

Autor: dü


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