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19. Juni 2017

Ein Abend der Mehrgenerationen-Hits

Das Open-Air-Konzert mit Hannah Wilhelm, Berni Weiss und Musikerkollegen auf dem Schlachthof-Areal kommt bestens an.

  1. Vom Swing der frühen 1950er Jahre bis hin zu aktuellem Disco Pop präsentierten Hannah & Friedens eine große Bandbreite. Foto: Heidi Fössel

LAHR. Außerordentlich regen Zuspruch hat am Samstagabend die vierte Ausgabe des Open-Air-Konzerts mit Hannah Wilhelm, Berni Weiss und ihren Musikerkollegen Taner Demiralay, Stefan Maier, Wolfgang Schaudt, Adrian Schaub und Nick Wilhelm auf dem Areal des Schlachthofs erfahren. Die Bandbreite der Musik reichte dabei vom Swing der frühen 1950er Jahre bis hin zu aktuellem Disco Pop.

Es war ein Abend, der dazu angetan war, das Pfingst-Urlaubsfeeling zu verlängern: stimmungsvolles Licht auf Backsteinfassaden, leises Abendwind-Rascheln, im Glas funkelnde Cocktails – da ließ es sich doch gut bis kurz nach Mitternacht aushalten. Denn was da auf der Bühne geboten wurde, war eine kurzweilige Vielfalt von musikalischen Leckerbissen, in Szene gesetzt von sieben Musikern, die allesamt ihr Handwerk verstehen. Nicht nur die Höflichkeit gebietet es, die Dame als erste zu nennen: Hannah Wilhelm, die – obwohl sehr jung an Jahren – mit einer Stimme aufwarten kann, die ihresgleichen sucht: geschmeidig, leicht, stark in Umfang und Ausdruck und vor allem in vielen Genres zu Hause. So legt sie den ersten und den letzten Song wie einen alles verbindenden Ring um ihr Repertoire: ein Swing-Klassiker aus der Feder von Duke Ellington, der bereits in den 1930er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschrieben wurde, der aber auch heute noch als Eröffnungssong taugt, um Publikum in Stimmung zu bringen: "It don’t mean a thing, if it ain’t got that swing".

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Wohlbekanntes Stück der Musikgeschichte

Hineingeführt und begleitet wird Hannah von Berni Weiss an der Gitarre und Wolfgang Schaudt am Saxophon. Der Schluss-Song ist ein wohlbekanntes Stück Musikgeschichte, das Hannah Wilhelm den Zuhörern in perfektem Wechsel von gänsehautträchtiger Zartheit und enormer Kraft wie ein gesungenes Abendgebet mit auf den Nachhauseweg gibt: "Amazing Grace", erstmals erschienen 1831 in einem britischen Kirchengesangbuch. Dazwischen liegen jede Menge Titel, die den unterschiedlichen Talenten der Mitwirkenden Raum zur Entfaltung geben. So zum Beispiel der lässig abgeklärten Spielweise, die Berni Weiss auf seiner Gitarre an den Tag legt. Nur in seltenen Fällen stellt er sich als Solist ins Rampenlicht, sondern hält sich lieber dezent zurück – das macht den Meister aus.

Auch die zweite Gitarre ist mit Stefan Maier optimal besetzt: hier ein paar schön weinende Licks, dort eine fließende Slide-Passage oder herrlich saftiger Blues beim "Hoochie Coochie Man" in der Version von Eric Clapton – das hat im Zusammenspiel mit Taner Demiralay an den Drums so richtig geknackt. Interessant war die Stimme von Nick Wilhelm. Ansonsten eher bemüht, als sichtlich stolzer, liebevoller Vater seiner Tochter die Hauptrolle auf der Bühne zu überlassen, tritt er hier nach einem ersten zaghaften Versuch mit einem Bill-Withers-Song wirklich mutig aus ihrem Schatten heraus und zeigt, was an Stimmkraft und Wildheit in ihm steckt.

Noch so ein Tiger im Katerpelz ist Pianist Adrian Schaub. Mit charmanten Umgangsformen und bescheidener Zurückhaltung trotz der mannigfaltigen Funktionen, die er rund um das Konzert innehat, könnte man ihn sich gut als Barpianist auf einem Kreuzfahrtschiff vorstellen – Marke softer Pianomann für romantische Sommernächte. Doch auch er kann ganz anders und das Andere steckt bei ihm in der Basshand: ausgefuchst lässt er da manches Mal friedlich perlende Läufe in den Höhen erklingen, gibt dann aber auf den tiefen Tasten einen Hammer-Rhythmus bei, dass es nur so wirbelt.

Besonders deutlich wird das in dem Teil des Abends, als er und Hannah Wilhelm sich der aktuellen Musikliteratur zuwenden, zum Beispiel einer dynamischen Version von Michael Jacksons "Man in The Mirror". Fazit: ein entspannter Abend voller Mehrgenerationen-Hits.

Autor: Ulrike Le Bras