Ein Fest für Auge und Ohr

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 16. Juli 2018

Lahr

Bei der Aufführung der Orff’schen Carmina Burana ist es vor und auf der Bühne eng gewesen.

LAHR. Carl Orffs "Carmina Burana" ist ein Paradestück für Open-Air-Aufführungen. Das ebenso eingängige wie monumentale Werk ist beliebt. So beliebt, dass viele der Zuhörer, die sich am frühen Samstagabend an der E-Werk-Bühne eingefunden hatten, leise mitsingen konnten beim ein oder anderen Orff’schen Klassiker. Am Ende gab es großen Applaus für alle Akteure.

Vor der Bühne war es sehr eng, kein freier Platz mehr, und auch die Stehplätze – zumindest die im Schatten – dicht besetzt. Auf der Bühne war kaum mehr Platz. Schließlich mussten dort nicht nur die Kantorei der Stiftskirche, die Jacobuskantorei und der Chor des Clara-Schumann-Gymnasiums untergebracht werden, sondern (gespielt wurde die von Orff autorisierte Fassung von Wilhelm Killmayer) auch zwei Flügel (Carl-Martin Buttgereit, Marie-Luise Klewer) und das Schlagzeugensemble der Musikhochschule Freiburg. Und davor brauchten noch die Tänzerinnen des TV Lahr Platz für ihre Darbietungen, mit denen sie einige der Lieder schwungvoll untermalten.

Ein Fest für Auge und Ohr also – aber eines mit eingeschränktem Genuss, denn die Aussteuerung dieses Monumentalauftritts kam an ihre Grenzen. Die lauten hohen Lagen – von Chor oder Schlagwerk gleichermaßen – kamen schrill bis scheppernd aus den Lautsprechern, was den Musikgenuss zeitweilig empfindlich störte. Insgesamt aber war der frenetische Schlussapplaus nach dem gut einstündigen Konzert hoch verdient, denn Kirchenmusikdirektor Hermann Feist und Christian Wenzel hatten das Ensemble als musikalische Leiter hervorragend im Griff. Die Chorsängerinnen und -sänger waren hoch motiviert und bestens aufgelegt dabei, die Solisten von ausgesuchter Qualität. Tenor Joaquín Asiáin ist gar spezialisiert auf die Rolle des "gebratenen Schwans" aus dem "Wirtshaus"-Teil der aus dem Mittelalter überlieferten Texte, die von Carl Orff in einer Mischung aus Mittelalter und Moderne vertont wurden. Dass Asiáin nicht nur die extrem hohen Töne hervorragend trifft, sondern auch ein wenig schauspielert, kommt der Aufführung sehr zugute. Genauso handhabt es Bariton Frederik Baldus, der den Hauptteil der Solostimmen mit Bravour zu Gehör bringt.

Sehr passend opernhaft geht er es an, sein Stimmumfang und die Klarheit der Intonation sind beeindruckend. Sopranistin Lini Gong überzeugte am stärksten beim romantischen Liebeslied "In trutina", das sie mit viel Gefühl vortrug. Dass sich in ihre letzten Töne das Martinshorn eines auf der B 3 vorbeifahrenden Krankenwagens mischte, sorgte für unfreiwillige Komik.

Die Kombination aus dramatisch aufgeladenen, hoch theatralischen Monumentalszenen wie dem "O fortuna", rhythmisch vertrackten und zuweilen zungenbrecherischen Stücken wie dem Männerchor-Part "In taberna" oder das an Minnesang erinnernde "Chume, chum" – Chöre und Begleitensemble meisterten alles auf hohem Niveau. Großer Applaus zum Schluss für alle Beteiligten, sehr zu Recht.