Ermutigung zu mehr Beteiligung

Manfred Dürbeck

Von Manfred Dürbeck

Mi, 12. September 2018

Lahr

Jakob Crone begleitet und organisiert in den kommenden drei Jahren das Projekt "Lahrer Stadtgulden".

LAHR. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Jakob Crone seine Arbeit in der Stiftsschaffnei am Urteilsplatz aufgenommen. Der 32-Jährige will in den kommenden drei Jahren dafür sorgen, dass das Projekt "Lahrer Stadtgulden" zu einem Erfolgsmodell der Bürgerbeteiligung wird. Der Gemeinderat hatte im November vergangenen Jahres einstimmig das Projekt aufs Gleis geschoben. 2019 haben die Lahrerinnen und Lahrer ab 14 Jahren erstmals die Möglichkeit, unmittelbar über die Realisierung von Projekten mit abzustimmen.

Lahr ist für Crone alles andere als unbekannt, das Stadtgulden-Projekt ebenfalls nicht. Im Rahmen seines Studiums der Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz hatte er ein fünfmonatiges Praktikum im Büro des Ersten Bürgermeisters Guido Schöneboom absolviert. Mit diesem zusammen war er in Eberswalde, wo man mit dem "Stimmtaler" erste Erfahrungen in Sachen Bürgerbudget gemacht hatte. Kein Zufall, dass er seine Masterarbeit thematisch nicht weit entfernt anlegte: Bürgerbeteiligung bei Infrastrukturprojekten speziell beim Ausbau der Rheintalbahn hatte Crone untersucht. Dass dabei die offensichtlichen Fehler von Politik und Verwaltung beim Stuttgart 21-Projekt Auslöser für die Themenfindung war, stellt er nicht in Abrede: "Man hätte die Bürger früher in Entscheidungen einbinden müssen, hätte klarer kommunizieren müssen, wer was entscheidet."

Im November 2017 stellte der Lahrer Gemeinderat mit seiner Zustimmung zum Projekt auch die erforderlichen Mittel bereit. Der Weg war frei für eine auf drei Jahre befristete Stelle, die die Idee einer Bürgerbeteiligung via Stadtgulden umsetzen sollte. Private Gründe hatten Crone inzwischen nach Freiburg geführt, wo er die Stellenausschreibung las. Dass er den Zuschlag erhielt, ist dann alles andere als verwunderlich. "Es hat einfach gepasst", sagt der 32-Jährige. Am Montag vergangener Woche hat er seinen Arbeitsplatz im Stiftsschaffneigebäude eingenommen. Es gab bereits eine erste Abstimmung mit einer Werbeagentur über die Gestaltung der Website, den Entwurf des Signets und Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit. Seine Erwartungen? "Ich bin gespannt, welche Projektideen von den Bürgern vorgeschlagen werden."

"Meine zentrale Aufgabe sehe ich erst einmal darin, den Rahmen so zu gestalten, dass die Mitwirkung der Bürger so einfach wie möglich ist", sagt Crone. "In den kommenden Wochen will er auf Menschen und Vereine zugehen und für das Projekt werben. Parallel will er Städte kontaktieren, in denen ähnliche Modelle der Bürgerbeteiligung bereits praktiziert werden und vergleichen, wie diese organisatorisch strukturiert sind.

Sein Wunsch an die Bürger: "Mit offenen Augen durch die Stadt gehen, registrieren, wo es Potenzial für Verbesserungen gibt und uns die Beobachtungen dann von Februar bis Juni mitteilen, damit sie im Rahmen des Stadtguldenprojekts vielleicht umgesetzt werden können – vorausgesetzt sie finden eine Mehrheit."

Kontakt und Anfragen zum Lahrer Stadtgulden an jakob.crone@lahr.de