Freundeskreis Flüchtlinge kritisiert die neuen Wohngebühren

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Mi, 16. Januar 2019

Lahr

Einige Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften müssen im neuen Jahr deutlich mehr zahlen / Günter Endres: "Wir werden das juristisch prüfen lassen".

LAHR. Der Freundeskreis Flüchtlinge kritisiert die Erhöhung von Wohngebühren in Gemeinschaftsunterkünften. Geflüchtete, die mehr als 917 Euro netto im Monat verdienen, müssen von diesem Jahr an 386 Euro statt bisher 245 Euro im Monat zahlen. Die Flüchtlingshelfer verweisen auf die schwierige Wohnungssuche. Das Landratsamt verweist auf die Rechtslage und die Kostendeckung.

Für Günter Endres steht die Erhöhung in keinem Verhältnis. "Man muss doch froh sein, wenn die Leute ihr Leben selbst gestalten und ihr Geld selbst verdienen", sagt der Sprecher des Freundeskreises Flüchtlinge Lahr. "Dass sie dann so viel Geld wieder abgeben müssen, ist nicht in Ordnung." Das Landratsamt habe argumentiert, dass die neue Regelung nur einen kleinen Teil der Geflüchteten betreffe. Endres widerspricht: "Da hängen viele Einzelschicksale dran." Etwa 180 Geflüchtete sind in Lahr noch in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. "Mehr als die Hälfte ist in Arbeit." Viele hätten eine Anstellung bei Zalando oder DHL gefunden und wären voraussichtlich von der Neuregelung betroffen. Wie viele es genau sind, kann Endres nicht sagen.

Außer Frage steht für ihn, dass die Wohnungssuche eine Herausforderung darstellt. "Die Stadt gibt sich hier viel Mühe. Oft gibt es aber viele Interessenten für eine Wohnung", sagt Endres. Viele Menschen wollten möglichst in Lahr bleiben, der Zentralität wegen. Dass in diesem Jahr mehr als 100 geflüchtete in Anschlussunterbringung vermittelt werden müssen, mache die Sache nicht einfacher.

Das weiß auch Michael Loritz, Dezernent im Landratsamt. Er bittet um Verständnis: "Wir müssen kostendeckend arbeiten." Der Landesrechnungshof habe die alten Gebühren beanstandet. Bisher habe der Ortenaukreis teils erhebliche Zuschüsse geleistet. Aus Sicht des Landratsamts ist die Erhöhung zumutbar. Über die neuen Gebühren sei per Aushang in den Flüchtlingsheimen informiert worden. "Unsere Integrationsmanager weisen seit Herbst darauf hin."

Der Freundeskreis will das so nicht hinnehmen. "Wir werden das juristisch prüfen lassen", sagt Endres. Er wünscht sich eine detaillierte Auflistung der Berechnung der Gebühren. Die Flüchtlingshelfer wollen auch bei politischen Vertretern anklopfen, um die Erhöhung zu verhindern. Sollte dies nicht möglich sein, wäre aus Endres’ Sicht zumindest ein Nachbessern bei der Infrastruktur in der Unterkunft in der Geroldsecker Vorstadt wünschenswert. Er spricht von Mängeln bei der Sauberkeit. Im gesamten Ortenaukreis gebe es aber nur vier Hausmeister für die Gemeinschaftsunterkünfte. "Die Gebäude in der Geroldsecker Vorstadt sind grundlegend saniert", entgegnet Loritz. Die Unterkunft sauberzuhalten, sei Sache der Bewohner.