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02. März 2016

Gegen ständige staatliche Gängelung

Matthias Kappis ist Ingenieur und Geschäftsführer und tritt zum zweiten Mal für die Liberalen bei der Landtagswahl an.

  1. Matthias Kappis Foto: Privat

  2. Matthias Kappis Foto: Privat

LAHR. Politiker haben Positionen, aber auch Privatleben. Um die Landtagskandidaten von der persönlichen Seite kennen zu lernen, trifft sich die BZ mit ihnen an einem ihrer Lieblingsorte. Heute: Matthias Kappis (49), Kandidat der FDP. Treffpunkt ist das Büro von Kappis in der Europastraße. Eine gute Adresse für einen Liberalen wie Kappis, denn Offenheit mag er.

Das mit dem Lieblingsplatz, das klappt bei dem FDP-Kandidaten nicht wirklich. Er hat in diesem Sinne keinen, außer, dass er sich gerne mit seinen Kindern Ella (9 Jahre) und Jeremias (10) abgibt und für die auch mal kocht, wie er sagt. Er legt Wert auf gutes Essen, bei dem regionale Produkte verwendet werden. Er ist im guten Sinne Europäer mit Offenheit für anderes, denn er fühlt sich gleichermaßen auf der Skipiste wie beim Wandern im Elsass wohl, er mag Meer genauso wie die Berge.

Seit 22 Jahren ist er selbständig, bei seinen Unternehmen arbeiten etwa 20 Mitarbeiter, das gibt Unabhängigkeit, auch wenn Kappis als geschäftsführender Gesellschafter vor allem in der Auftragsakquise bei Kommunen tätig ist. Er hat eine Mitarbeitermannschaft, auf die er sich verlassen kann. Seine menschliche Grundeinstellung, die ihn in die Politik gebracht hat: "Ich wünsche uns allen ein eigenbestimmtes Leben in Freiheit und mit möglichst wenigen Vorschriften." Er mag staatliche Gängelung nicht. Da ist ihm Andrea Nahles, die Bundesarbeitsministerin ein rotes Tuch. "Alles, was von der kommt, ist eine Katastrophe", meint er. Wenn er nur an den Mindestlohn denke mit dem unglaublichen dokumentarischen Aufwand, dann habe er den Eindruck, dass man die Betriebe eher bekämpfen wolle. "Die soll doch den Betrieben Luft zum Atmen lassen".

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Wer gerne gut isst, dazu abends ein Glas Rotwein trinkt, der zählt meist zu den etwas ungeduldigeren Menschen. Wer sich ärgern, sich aufregen kann, der nimmt Anteil und will etwas ändern. "Eine Mietpreisbremse ist doch Unfug. Wer mehr Wohnungen will, muss über günstige Darlehen oder durch steuerliche Anreize dafür sorgen, dass Wohnungen gebaut werden", kritisiert er. Oder: "Ich bin kein Gegner der Gemeinschaftsschule, aber ich habe etwas dagegen, wenn die finanziell bevorzugt werden. Gymnasien dürfen keinesfalls abgeschafft werden", wettert er. Man könne doch nicht alle fünf Jahre die Bildungspolitik neu aufstellen. Und ein Flächenland wie Baden-Württemberg brauche eine gute Verkehrsinfrastruktur, da reichen doch keine Radwege, moniert er deutlich.

2003 ist er zur FDP gestoßen. Davor, sagt er, sei er strategischer Wechselwähler zwischen FDP und CDU gewesen. "Ich wollte mich einmischen, deshalb bin ich in eine Partei gegangen". Wer meckert, muss auch etwas tun, meint er, und eben versuchen, etwas zu ändern. Er habe sich in der FDP schnell wohl gefühlt. Wohl wissend, dass die Zahl der Engagierten oder der Parteimitglieder nicht besonders groß ist. Da ist eigenes Zutun erforderlich. Doch das ficht Kappis nicht an.

"Gymnasien dürfen

keinesfalls abgeschafft

werden"

Matthias Kappis
Politischer Liberalismus ist eine Lebenseinstellung, die nach Mehrheiten suchen muss. Kappis weiß, dass für die Liberalen die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Und trotzdem muss man Flagge zeigen. Am 13. März tritt er zum zweiten Mal an, um für die Liberalen ein Landtagsmandat zu erobern.

Eine große Aufgabe, denn bei der Wahl 2011 hatte er im Wahlkreis ein persönliches Ergebnis von 4,1 Prozent erreicht, im Land lagen die Liberalen bei 5,3 Prozent. Immerhin liegen die Liberalen derzeit in den Umfragen bei 7,1 Prozent, so dass wenigstens der Wiedereinzug in den Landtag nicht gefährdet scheint. Derzeit besteht die Fraktion aus sieben Mitgliedern. Im jetzigen Wahlkampf muss Kappis die Plakate, die für ihn werben, selber aufhängen. Diese Aufgabe hat er sich mit Jörg Uffelmann, seinem Ersatzbewerber geteilt, und in Gutach gibt es noch eine stärkere liberale Bastion. 300 Plakate sind es und 75 Themenplakate. Das macht schon deutlich, dass man nicht zu viel Geld in den Wahlkampf stecken kann. "Andere haben ein viel größeres Budget", stellt er sachlich fest. "Mich kostet es erstmals Zeit", meint er, und die dürfe man nicht rechnen. Was das Geld angeht: Schulden habe man nicht machen wollen, auch weil es viele Wahlen gebe.

Ein Vereinsmeier sei er nicht, sagt Matthias Kappis. Heißt: Eine Wählerbastion ist nicht unbedingt gegeben. Aber damit lebt Kappis. In der Hoffnung auf ein achtbares Ergebnis.

Autor: Bruno Kohlmeyer