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15. September 2011

Grüne bremsen Flugplatzträume aus

Vertreter der Landtagsfraktion haben sich über Möglichkeiten und Chancen einer Nutzung des Areals einen Eindruck verschafft.

  1. Informationsaustausch vor Ort: (von links) Wolfgang Raufelder und Sandra Boser von der Grünen-Landtagsfraktion, Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller, MdL Andreas Schwarz und Landrat Frank Scherer Foto: CHR. BREITHAUPT

LAHR. Logistikzentrum, Forschungsstandort oder doch eher Fracht- und Passagierflughafen? Beim Besuch von Vertretern der Grünen-Landtagsfraktion auf dem Lahrer Flugplatz standen gestern am Ende die verschiedenen Wunschvorstellungen zur Entwicklung des Areals doch eher konträr gegeneinander. Erklärtes Ziel der Delegation war es, Informationen vor Ort einzuholen, um die verkehrs- und wirtschaftspolitischen Chancen des Standorts selbst in Augenschein zu nehmen.

Dass es unterschiedliche Auffassung zur Nutzung des Flugplatzareals gibt, daraus wollte Oberbürgermeister Müller beim abschließenden Pressegespräch keinen Hehl machen. Während die Mehrheit der Gemeinderäte in Lahr und Friesenheim und natürlich auch die IGZ Raum Lahr nach wie vor an einer direkten fliegerischen Nutzung interessiert ist (und diese auch bei den laufenden Verkaufsverhandlungen der Bima so festgeschrieben haben), machten die Vertreter der Grünen ihre kritische Distanz zum Thema Flugverkehr deutlich.

"Wir wollen umweltorientierte Verkehrsträger stärken", sagte Andreas Schwarz, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. "Wenn wir die hochgesteckten Klimaschutzziele erreichen wollen, müssen wir andere Mobilitätsformen, etwa die Schiene nutzen." Da böte der Ausbau des Netzes durch das 3. und 4. Gleis Möglichkeiten. Dass es im Gegensatz zur alten Landesregierung von Grün-Rot keine Fördermittel für Flughäfen geben wird, darauf wies sein Kollege Wolfgang Raufelder, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion hin: "Flugverkehr hat für uns keine Priorität." Schwarz unterstrich die Notwendigkeit, Ökologie und Ökonomie zusammenzuführen. In Lahr seien auf dem Flugplatz aber auch ohne fliegerische Nutzung Entwicklungsmöglichkeiten gegeben.

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Wie diese aussehen könnten, das skizzierte Professor Rolf-Jürgen Ahlers, der Vorsitzende des Forums Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg. Im Auftrag Lahrs und Friesenheims und der IGZ hatte er eine Studie erstellt, deren Vorstellung gestern beim Besuch der Grünen Premiere hatte. Ahlers sieht eine ganze Reihe von Möglichkeiten, bei denen die Beibehaltung der Fluglizenzen mit flugaffinen Nutzungen zukunftsträchtig kombiniert werden könnte. Als Beispiele nannte er die alternative Treibstoffentwicklung, das Abwracken und das Recyceln alter Flugzeuge, der Aufbau eines europäischen Zentrums für Rettungsfliegerei und Feuerbekämpfung aus der Luft in Lahr, der Umbau von Flugzeugen in fliegende Krankenhäuser – oder allgemein: Lahr als Studienzentrum für Luftverkehrstechnik, die an die Universitäten am Oberrhein angebunden wäre.

Dass damit der von den Grünen vor Ort (und den Flugbetriebsgegnern) schon länger geforderte Plan B für die Nutzung ein gutes Stück näher gerückt ist, wollte Oberbürgermeister Müller nicht so sehen: "Uns geht es nach wie vor um einen Mix aus Cargo und Passagierflug." Der Besuch habe dem Austausch über mögliche Nutzungen gegolten, vor allem aber der Präsentation des Standorts: "Vom Plan B sind wir noch ein Stück weit entfernt." In diese Kerbe hieb auch Landrat Frank Scherer: "Lahr hat die Möglichkeit für Starts und Landungen und damit einen hervorragenden Standort-Mehrwert, der nur genutzt werden muss."

Claus Vollmer, der Vorsitzende der Lahrer Gemeinderatsfraktion der Grünen, blieb skeptisch: "Der Besuch diente dazu, sich rational zu informieren und irrationale Vorschläge zu hinterfragen." Ahlers’ in seinem Gutachten formulierten Vorschläge fußten auf einem aktiven Flughafenbetreiber und einem funktionierenden Frachtflug. "Beides gibt es nicht."

Autor: Manfred Dürbeck