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09. April 2009

Gut gegen Gicht, lecker auf dem Brot

Ursula Weiher weiß alles über Kräuter: Sie unterstützen den Stoffwechsel, stärken das Immunsystem und entfalten ihre Heilkräfte

  1. Ursula Weiher (links) zeigt, wo die Kräuter wachsen und was man mit ihnen machen kann. Foto: Maria Dinger

LAHR. Kaum erwacht der Frühling, treiben die Wildkräuter aus. Die Natur schenkt sie dem Menschen, der muss sie nur noch kennenlernen. Wo sie wachsen und wie sie aussehen, das erfährt man von Ursula Weiher, sie ist Expertin für heimische Kräuter.

Gleich zu Beginn der ersten Kräuterwanderung der Saison gibt es zunächst einmal Appetithäppchen, für jeden ein Löffelchen voll vom selbst gemachten Bärlauch-Pesto mitsamt Rezept: Bärlauch zu Brei zerkleinert, Öl , Joghurt, geriebene Walnüsse, ein wenig Sahne und Salz.

Die Teilnehmer erfahren, dass die meisten Wildkräuter die reinsten Vitaminspritzen sind – sie haben die 10- bis 30-fache Vitaminmenge im Vergleich zu Salaten und Gemüse, das es auf dem Markt gibt. Außerdem wirken sie anregend für alle inneren Organe, unterstützen den Stoffwechsel, stärken das Immunsystem und bei bestimmten Erkrankungen entfalten sie ihre Heilkräfte.

Unterwegs entlang der Feldwege sind sie alle zu finden: die zarten Blättchen des Giersch, ein Mittel gegen Gicht. Gekocht, oder wie Salat verzehrt, können sie Schmerzen lindern, sagt Ursula Weiher; sie weiß das von einer Bekannten, der ein regelmäßiger Verzehr geholfen hat. Viele Kräuter schmecken zudem einfach nur gut.

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Da wäre das bittere Schaumkraut mit seinen kleinen weißen Blüten. Es schmeckt sehr würzig, ähnlich wie Kresse. Auch der leicht nussige Geschmack der Vogelmiere eignet sich vorzüglich für den Salat oder aufs Butterbrot. Die gelb gelackten Blüten von Scharbockskraut und Gänseblümchen machen sich wunderbar -– nicht nur zur Verzierung. "Mit Blüten belegte Brötchen für Empfänge im Rathaus", eine schöne Idee eines Teilnehmers – er wandte sich dabei augenzwinkernd an Lahrs Bürgermeisterin Brigitte Kaufmann, die der Führung mit großem Interesse folgt.

Ganz nebenbei erfährt der Kräuterfan noch einiges aus der Mythologie. Woher kommt eigentlich der Gründonnerstag? In der christlichen Mythologie leitet sich das Grün von Greinen (= Weinen) ab. Lange zuvor aber verehrten die Germanen ihren Gott Donar. Es war der Gott, dessen Hammer (Donnerkeil) als Blitz in die Erde einschlug, um sie zu befruchten. Um ihn zu ehren, haben unsere Vorfahren am Donnerstag nur Grünes gegessen. Es gab einen Brauch, eine Suppe aus neunerlei Kräutern zu essen. Neun als heilige Zahl (drei mal drei) symbolisierte das Göttliche und garantierte als positiven Nebeneffekt eine geballte Ladung wichtiger Vitamine und Mineralstoffe.

Und wer kennt sie nicht, die Bettsaicherle. Auf französisch: Pissenlit, auf deutsch der Löwenzahn, der Leber, Galle und Niere anregt. Bestens geeignet für den Salat sind die jungen Blättchen. Sauerampfer, Ehrenpreis, die jungen Blättchen der Schafgarbe, Gundermann, Knoblauchsrauke, Bärenklau, Labkraut und Giersch – alle lassen sich in Öl und Salz bis zu einem Jahr konservieren, frisch werden sie als Salat gegessen oder kurz gegart wie Spinat; wer will, kann sie auch als Suppe verzehren.

Ein Holunderstrauch mitten im Weg ist wieder Anlass, um an die germanische Göttin Hulda oder Holda, bekannt auch als Frau Holle zu erinnern; sie steht für Gesundheit, Ehesegen und Fruchtbarkeit. Nicht nur die Blüten und Beeren des Holunders, auch die jungen Triebe sind essbar. Wenn der Holunder blüht im Mai führt Ursula Weiher wieder mit dem Schwarzwaldverein durch die Flur, dann auf den Heuberg bei Ettenheim.

Autor: Maria Dinger