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08. November 2011
Hinterzimmer der Komposition
Gesa Lücker zaubert am Klavier.
LAHR. Die "Glöckchenetüde" von Franz Lizst war der Teilchenbeschleuniger, der am Samstag im Lahrer Pflugsaal das berühmte Campanella-Thema von Nicolo Paganini in seine Feuer stiebenden virtuosen Einzelteile zerlegte. Dass zwischen dem pianistisch gerade noch Möglichen, im Grenzbereich jeder Klaviermechanik viel, viel Musik im brausenden, schwungvollen Thema zu hören war, verdankte man der brillanten Gesa Lücker.
Die Professorin (Köln) konzertierte auf den Tag genau zum fünften Jahrestag der Reihe Weltklassik am Klavier im Pflugsaal. Schon bei Mozarts Sonate c-Moll KV 457 vertrat Gesa Lücker eine kräftige Architektur, die aber ein Ohr an die kleinen Räume und Hinterzimmer der Musik legte. Ihr Blick, der in Zäsuren und überraschenden Wendungen über den Flügel hinweg, fragend und suchend von einer spielerischen, sehr offenen Herangehens-weise zeugte, ruhte auch auf einem wunderbar einfühlsamem Adagio. Ein Fallenlassen in ein sehr freies und fühlendes Tempo, ohne auseinander zu fallen.
Diesem Weg blieb sie auch bei Liszts "Ave verum de Mozart", einer Transkription aus einem Chorsatz Mozarts und den "Les Jeux d éau à la Villa d’Este" treu. So, wie sie in der Moderation die spirituelle Seite von Liszts Kompositionen hervorhob, bildeten die fließenden Arpeggien im Glanz der tonmalerischen Komposition, quasi im Wassernebel eine Botschaft ab, wie es der Abbé Liszt in einem Bibelwort zur Partitur vermerkt hatte.
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Das doppelbödige, hintergründige und übermütige Zirkustreiben, in dem Robert Schuhmann nicht nur seine damalige Verlobte Ernestine von Fricken sondern auch Clara Wieck, Chopin, Paganini, Tänzer, Harlekins und sich selbst in verschiedenen Persönlichkeiten, Eusebius und Florestan auftreten lässt, hatte bei Gesa Lücker ganz den Gestus eines spielerischen Geniestreichs. Sie spielte Schumanns Carnaval op. 9 kräftig, temperamentvoll und doch durchzogen von Geheimnissen (wie auch der Tonfolge A S C H, dem Heimatort von Ernestine von Fricken). Bei diesem Carnaval mit Tiefe, Melancholie und Selbstironie gelang Gesa Lücker ein Glanzstück, eine Charakterschau durch den besonderen Blickwinkel Schumanns. Große Begeisterung im Publikum. Ihre Virtuosität ließ Gesa Lücker als Zugabe ein brüchiges Kleinod aus Schumanns Waldszenen wählen. Im geheimnisvollen Licht: "Der Vogel als Prophet".
Autor: spö
