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12. Dezember 2008

"Kaum einer will Verantwortung übernehmen"

Die Werte in der Wirtschaft

  1. Alexander Niemetz moderierte das Gespräch mit Vertretern aus Kirche und Wirtschaft. Foto: Erika Sieberts

RUST (eri). "Wenn Krisen kommen wird nach Werten gerufen", sagte der frühere Moderator des Heute-Journal, Alexander Niemetz beim Gespräch mit Kirche und Wirtschaft am Dienstagabend im Europa-Park. Die Volksbank Lahr hatte in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Freiburg eingeladen zum Thema "Werte in der Wirtschaft" und als Gesprächspartner den Jesuitenpater Benno Kuppler aus München und den Vorstand der European Management Akademie AG Freiburg, Hans-Peter Kempkes, auf die Bühne gebeten.

Niemetz versuchte, seinen Gesprächspartnern Handlungsanweisungen und Vorschläge zu entlocken, wie die anwesenden Unternehmer tugendhaft wirken könnten. "Es gibt nur eine Methode, ein Unternehmen verantwortungsvoll zu führen, und die verlangt Offenheit und Selbstvertrauen des Chefs, damit dieser auch vertrauensbildend wirken kann", sagte Kempkes, der an der AKAD-Fachhochschule Stuttgart lehrt. Ähnlich antwortete Pater Kuppler als Vertreter der Kirche: "Gehe achtsam mit dir und anderen um und achte Gott", war seine Antwort.

Dass unternehmerisches Handeln nicht einfach ist, zeigte die Diskussion. Da ging es um Tugenden und Werte, um Verantwortung und Moral. "Hätten wir damit die Bankenkrise vermieden?", fragte Alexander Niemetz. Ein klares "Ja" von Kempkes. Die Gier nach Geld sei falsch, ebenso das Verhalten, sein Gegenüber nur nach dessen Verdienst zu beurteilen. Oft seien Worte oder Gesten sinnvoller, als Geld zu geben, fügte Pater Kuppler hinzu.

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Kuppler verteidigte die einfachen Arbeiten als durchaus wertvoll und sinnstiftend. Auch Bandarbeiter und Kassiererinnen könnten ihre Arbeit mit Engagement und Verantwortung erledigen und seien froh, in Arbeit zu sein. "Ein guter Indianer ist mir lieber als ein unfähiger Häuptling", sagte der Kirchenmann. Und das Publikum belohnte ihn mit Applaus.

Niemetz versuchte zu provozieren. Ob die Gier nicht einfach zu groß sei in unserer globalisierten Welt?, fragte er. "Wird Gier das Wort des Jahres?" Gier habe es zu allen Zeiten gegeben, so Hans-Peter Kempkes. Zocken sei die Regel: "Ich wette mit Ihnen, und Sie wetten mit einem Dritten, um einen möglichen Verlust zu mildern. Die Differenz ist Ihr Gewinn." So sei das auch bei der Finanzkrise gewesen, bei der "wir mit einem blauen Auge davon gekommen sind", sagte der Wirtschaftswissenschaftler.

Wie es da mit der Verantwortung von Politikern stehe, die in den Aufsichtsräten säßen, wollte Niemetz wissen. "Ich sehe kaum jemanden, der Verantwortung übernimmt", sagte Kuppler. "Sie müssen haftbar gemacht werden", riet der Vertreter der Wirtschaft. "Hat eigentlich schon jemand bemerkt, dass die Bankenpleiten sich immer am Freitagnachmittag ereignen, am Samstag und Sonntag dann Hilfspakete geschnürt werden, und am Montag alles so weiter geht wie zuvor?"

Autor: eri