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10. August 2015

Veranstaltung

"Kunst und Genuss" im Stadtpark: Lauer Sommerabend für Genießer

"Kunst und Genuss" im Lahrer Stadtpark: ein niveauvoller Markt aus Farben, Tönen und lukullischen Genüssen.

  1. Angenehmer Fluchtpunkt nach der brütenden Sommerhitze: Kunst und Genuss im Stadtpark Foto: W. KÜNSTLE

  2. Erfrischung auch für die Jüngsten Foto: Wolfgang Künstle

LAHR. Was tun in Lahr, wenn die tropische Hitze auch bis zur Abenddämmerung nicht verschwinden will? Das Terrassenbad bis Mitternacht besetzen? Die Agentur Business & Future und das Amt für Kultur hatten eine bessere Alternative: An zwei Abenden haben Gäste den Stadtpark von einer ganz anderen Seite kennenlernen dürfen: als Ort für Kunst und (lukullischen) Genuss.

Ein sanftes Lüftchen fächelt den Besuchern am Freitag- und Samstagabend zwischen den rauschenden Baumwipfeln angenehme Luft zu.Wer an diesen Abenden nicht aufpasst, der verliert sich zwischen Skulpturen, mitreißender Musik und gekonnt vorgetragener Literatur. Oder er spaziert durch die Orangerie und taucht den Blick in die exotischen Farbwelten der bildenden Kunst. Da ist es ratsam, zunächst mit dem Genuss anzufangen. Und zwar auf der "Piazza" vor dem Konzertpavillon. Hier lässt es sich trefflich stärken für eine Erkundungstour – bevor die etwas lauteren Töne aus Pop und Rock von den Schülern des Jugend-Musik-Werks erschallen. Dies übrigens erstaunlich gekonnt, hatten doch einige junge Musiker noch wenig Erfahrung mit Soundcheck und Publikum.

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Wer die leiseren Töne liebt, schlendert hinüber in die Weinstube. Dort haben fünf Dichter des Autorennetzwerks Ortenau/Elsass einen Autorentreff organisiert. Passend zur Weinregion trägt etwa Klaus Huber seinen "Küferspruch" vor: "Was ich Euch gestaltet/birgt köstlichen Wein". Der Autor hat sich zu einer langen Ballade inspirieren lassen. Sie stellt das Handwerk und die kulturelle Bedeutung des Küferns fast genauso gekonnt dar, wie einst Schillers "Glocke" das Glockengießen. Peter Winter erzählt in seinem Prosastück "Glück und Unglück" vom literarischen Ich, das unerwartet seinen Todesengeln begegnet. Rosemarie Volz‘ Gedichte bringen die Liebe zu ihrer Heimat Schwarzwald zum Ausdruck. "Schwarzwaldblumen blühen herb und wild". Wer hier aufgewachsen ist, wird ihr beipflichten. Doch auch die Dichter kommen nicht ohne Musik aus – auch wenn sie die leiseren Töne bevorzugen.

Der elsässische Liedermacher Serge Rieger füllt die Pausen mit nachdenklich-heiteren Chansons in seinem heimischen Dialekt. Musikalisch merkt man ihm seine Liebe zur Folkmusik an. Seine Gitarre und seine weithin tragende, Stimme reichen aus, auch die zu überzeugen, die der alemannischen Sprachen nicht mächtig sind. Jene, die verstehen, berühren die Texte um so tiefer.

Szenenwechsel: Weg von den Tönen, hin zur bildenden Kunst bewegt sich, wer sich zur Orangerie aufmacht. Im letzten Abendlicht leuchten die Farben der ausgestellten Werke umso besser. Gabriele Melzer stellt ihre Serie "Traumzeit" vor. Strukturen aus Eisenoxyd schaffen einen Kontrast zu hellblauen und ockerfarbenen Akrylfarbflächen. Bärbel Zender zeigt, dass sie Aquarellmalerei beherrscht. Ohne vorzuskizzieren, hat sie mit viel Druck und sehr trockenem Pinsel ein imaginäres Männerporträt auf Torchon-Papier gebracht. Ihre Acrylarbeiten gruppieren sich rund um den Koi-Teich im Nebenraum der Orangerie.

Im Abendlicht leuchten die Farben

Auf der Leinwand blühen erfundene tropische Pflanzen ebenso wie abstrakte Farbkompositionen. Maren Spraul zitiert mit ihren Kartonagewerken Kunst- wie Literaturgenres. Ihr Profil eines Punks zitiert ein Modeemblem der 80er-Jahre. Und doch mehr als das. Statt an der Oberfläche zu bleiben, blickt der Betrachter in tiefere Schichten. Als die Windlichter am Rundweg angezündet werden, ist es Zeit, all diese Eindrücke Revue passieren zu lassen. Beim Flanieren zwischen Kunsthandwerk und lukullischen Genüssen. Ein gelungenes Fest. Für alle Sinne.

Autor: Babette Staiger