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11. März 2011

Leserbriefe

  1. Stuttgart 21 wird nach wie vor heiß diskutiert. Foto: Heidi Fössel

STUTTGART 21
"Keine Vorteile für Reisende aus Südbaden"
Zum Artikel "Hilfe für Lahrer Bündnis" vom 7. März erreichte uns folgende Zuschrift:
Mir ist schleierhaft, wie es zu der Bezeichnung "Bahngegner" kommt. Es stimmt eher das Gegenteil: Wir sind Bahnfreunde und -kunden und wir verstehen uns als Bahnretter: Wir wollen eine Bürger-Bahn und keine privatisierte und profitorientierte Börsenbahn. Außerdem möchte ich den Bericht noch ergänzen:

Stuttgart 21 bringt auch für die Region Lahr viele Nachteile. Mit Stuttgart 21 sollen über 650 Millionen Euro Nahverkehrsmittel (eventuell sogar verfassungswidrig) zweckentfremdet werden, anstatt das Geld in den Regional- und Nahverkehr zu investieren. Die Folge: Immer mehr Züge sind überfüllt und kommen verspätet. Verbindungen werden ausgedünnt statt verbessert. Und wie man jüngst an dem schlimmen Unfall in Sachsen-Anhalt mit zehn Toten sehen konnte, wird auch bei der Sicherheit zu viel gespart. Schon heute könnten auch im Bereich der Rheintalbahn weder Mängel im Nahverkehr beseitigt noch innovative Nahverkehrskonzepte zeitnah umgesetzt werden. Durch die Vernachlässigung der Bahn-Infrastruktur in den letzten Jahren hat sich beispielsweise die Fahrzeit Stuttgart - München seit 1995 um 20 Minuten (!) verlängert. Dies soll jetzt durch das Projekt S21 wieder ausgeglichen werden. Stattdessen sollte doch besser zum Beispiel die versäumte Wartung nachgeholt und marode Gleise, Weichen und Züge erneuert werden.

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Die Trasse am Oberrhein ist das Nadelöhr der Zulaufstrecke zur Neuen Eisenbahn-Alpentransversale mit Lötschberg- und dem neuen Gotthard-Basistunnel (NEAT) in der Schweiz. Die Schweizer kommen mit dem Ausbau sehr gut voran, aber Deutsche Bahn und Berlin hinken weit hinterher. (...) Von einer rechtzeitigen Fertigstellung ist die Rheintalbahn-Strecke meilenweit entfernt. (...)

Für Reisende aus Südbaden brächte ein Tiefbahnhof in Stuttgart keinerlei Vorteile. Mit Stuttgart 21 wird auch der zentrale Bahnknoten Baden-Württembergs zum Nadelöhr – und zur Verspätungsfalle im süddeutschen Schienennetz. Die Infrastruktur des Tiefbahnhofs ist zu knapp bemessen und es können dort nicht mehr Züge als im heutigen Kopfbahnhof (laut neuesten Studien jetzt noch der pünktlichste Bahnhof Deutschlands!) verkehren. Beim Umstieg in Stuttgart steigt außerdem das Risiko, den Anschlusszug zu verpassen. Eine vernichtende Bilanz für ein Milliardenprojekt! (...)

Autor: Vera Boehmer, Lahr