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28. Juni 2011

Melancholie auf mexikanisch

Die Produzentengalerie L’Art pour Lahr bietet dem Fotografen Alejandro Gutiérrez eine Plattform.

  1. Foto: PR

  2. Fotokunst von Alejandro Gutiérrez reiht Motive des Verfalls seriell in Gruppen zu je drei Kontaktabzügen. Foto: PR

  3. Alejandro Gutiérrez Foto: PR

  4. Foto: PR

LAHR. Mit der Ausstellung einer Serie von Schwarz-Weiß-Fotografien unter dem Titel "Deconstruccion urbana" des mexikanischen Fotografen und Kunstpädagogen Alejandro Gutiérrez präsentiert die Galerie L'art pour Lahr in ihren Räumen in der Obertorstraße ihren ersten nichteuropäischen Künstler.

Für den sympathischen jungen Künstler aus Mexico-City muss es ein bisschen wie ein verspätetes Geschenk gewesen sein: Genau elf Tage nachdem er seinen 30. Geburtstag gefeiert hat, kamen am Freitag Abend zur Vernissage seiner Foto-Ausstellung in der Galerie L’Art pour Lahr trotz des relativ geringen Werbeaufwands im Vorfeld eine beachtliche Anzahl interessierter Besucher – darunter auch erfreulich viele Jugendliche. Damit dürfte der etwas größere logistische Aufwand aufgewogen sein, den eine Präsentation von Kunstwerken fern des heimatlichen Ateliers immer mit sich bringt.

Die Arbeiten von

Alejandro Gutiérrez

sind ein Abgesang auf

das analoge Zeitalter.

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Das Lampenfieber und die bange Frage, wie das Publikum in Lahr wohl auf seine Fotografien, auf seine Person reagieren würde, die eigentlich unbegründete Angst vor der Sprachbarriere – all das war schon kurz nach der Eröffnung der Ausstellung kein Thema mehr: mit einem für Mexikaner typischen freundlichen Lachen und unkomplizierter Offenheit ging Gutiérrez auf die Besucher zu, übernahm selbst den Part der angenehm kurzen Begrüßungsrede, erzählte danach im persönlichen Einzelgespräch in recht passablem Deutsch über die von ihm angewendeten Fotografie-Techniken, zu denen unter anderem die Cyanotype-Technik oder die Palladium-Technik gehören. Nebenbei verriet er, dass die Kamera, mit der die Aufnahmen entstanden sind, keineswegs ein hochwertiges High-Tech-Gerät gewesen sei und unterstrich damit, was Fotografie zur Kunstform macht: das aufmerksame Auge des Fotografen.

Gutiérrez hat diese Fähigkeit des aufmerksamen Hinsehens in besonderem Maße entwickelt. Ruhig lässt er seinen Blick verharren auf dem, was ihn in seinem Alltag in der urbanen Umgebung umgibt. Bewusst schaut er dabei nicht auf die hochglanzpolierte touristische Seite von Mexico-City, sondern führt den Betrachter in verschwiegene Winkel, zu den Motiven, die seiner Ausstellung den Namen gaben: Deconstruccion urbana – im Verfall begriffenes städtisches Gemäuer. Doch bei Gutiérrez wird diese fotografische Bestandsaufnahme nicht zu einer schonungslosen Abrechnung, zur Anklage mit dem erhobenen Zeigefinger – ganz im Gegenteil. Er findet Spuren des Verfalls, die er durch Nahsicht der Strukturen abstrahiert und ästhetisiert. Das Schwarz-Weiß seiner Fotografien trägt zur Verfremdung und Abstraktion der Strukturen bei. Genauso wie das Serielle seiner Bilder, die stets drei Motive auf Kontaktabzügen zusammenfassen. Dass er diese ästhetische Dekonstruktion der Stadt mit dem Retro-Medium der Fotografie auf Rollenfilmmaterial festhält, verleiht seinen Arbeiten eine zusätzliche melancholische Note. Sie werden so zu einem Abgesang auf das analoge Zeitalter.

Gutiérrez hat sich mit viel künstlerischem und technischem Geschick, vor allem aber mit einem liebevollen Blick auf Details daran gemacht, die Schönheiten festzuhalten, die sich demjenigen erschließen, der bereit ist, eine Beziehung zu seinem Wohnumfeld aufzubauen, der auch bereit ist, den Verlauf, das Vergehen der Zeit als etwas Natürliches, Positives anzusehen. Das verleiht seinen Bildern etwas Weiches, Zauberhaftes, Geheimnisvolles.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 25. Juli in der Galerie L'Art pour Lahr in der Obertorstraße 4. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr

Autor: Ulrike Le Bras