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13. September 2010

Mundart mit Esprit und Charme

Überhaupt kein schlechter Anfang für die neue Mundart-Reihe im Lahrer Stiftsschaffneikeller.

  1. Und Schutzpatron Johann-Peter Hebel wacht als Projektion über das Gelingen des Abends. Foto: Wolfgang Künstle

LAHR. Da haben sich die jungen Musiker von "Basseltang un’ Lichtspöh’" einiges vorgenommen. Nicht nur, dass das sechsköpfige Ensemble mit seiner "Fiktiven Folklore für Freunde ländlicher Natur und Sitten" alemannische Gedichte von Johann Peter Hebel in modernen, jazzigen Vertonungen in die Jetzt-Zeit holte. Noch ein weiterer, vielleicht schwierigerer Brückenschlag wurde am Samstagabend beim ersten "forum alemannikum" im Lahrer Stiftsschaffneikeller versucht, nämlich der zu den arrivierten Mundart-Liedermachern und Dichtern der Region.

Der Offenburger Gero Herr leitete als "niederalemannischer Alt-68er Hebel-Fan" durchs Programm, mit wissenswerten Anmerkungen über den Jubilar Hebel und mit eigenen Liedern, wie dem Sinatra-Hit "My way", aus dem Herr sein Lebensmotto "Ich mach, was ich will" ableitet, oder dem "idealistischen Schissdreck ,Die Gedanken sind frei’", dem er die materialistische Variante "Kannsch denke was de witt" gegenüberstellt.

Martin Schütt aus Freistett hatte Werner Wussler (Keyboard und Quetsch) und Pierre Zeidler (Klarinette und Saxophon) zur Verstärkung mitgebracht. Mit sonorer Stimme sang und erzählte er eigene Geschichten wie eine alemannische Liebeserklärung, versuchte sich aber auch mit zu viel Pathos an einer Europahymne und an Dietrich Bonhoeffers "Von guten Mächten". Sein "Räpp" des Badner-Liedes dagegen machte Spaß, auch wenn Schütt am Schluss fast überdrehte.

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Ruhepol des Abends war Wendelinus Wurth

Ruhepol des Abends war Wendelinus Wurth, der sechs seiner "Dorfgeschichten" las. Darin schafft er es, die bodenständige Idylle des Landlebens in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geradezu fühlbar zu machen. Das verträumte Kind Wendelinus, das beim "Kreesegipfel" zwar wagemutig bis ganz nach oben in den Kirschbaum klettert, dort aber statt eifrig zu pflücken auch mal poetischen Gedanken nachhängt, konnten die Zuhörer fast vor sich sehen.

Und dann "Basseltang' und Lichtspöh'", die jungen Wilden der Alemannischen Szene in Lahr. Ein wenig sperrig der Name der Band, der sich vom verballhornten französischen "passe-temps" (Zeitvertreib) und den Lichtspänen herleitet, die in Hebels Gedicht "Das Hexlein" vorkommen. Thomas Kornmaier, fingerflinker Kontrabassist, erklärte den Bezug der jungen Truppe zu den alten Texten: Er hatte in Hebels "Allgemeiner Betrachtung über das Weltgebäude" Werte formuliert gefunden, "die unserer Generation dringendst ans Herz zu legen sind". Mit musikalischem Esprit und Können setzen die sechs ihr Vorhaben um. Einflüsse von Dixie, Folk, Blues und Swing, von Eislerscher Freude an Rhythmus und gemäßigter Dissonanz, verbindet "Basseltang un Lichtspöh" zu einem ganz eigenen Sound. Sängerin Rebekka Ziegler, einzige Frau auf der Bühne an diesem Abend, bot Mundart charmant und frisch dar, wie auch die ganze Truppe sich locker, aber nicht oberflächlich ans Thema Heimat machte. Bis fast halb zwölf vertrieben "Basseltang" und Gäste dem Publikum die Zeit. Kein schlechter Anfang für eine neue Mundart-Reihe.

Autor: ej