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13. März 2010
"Nur Bildung kann helfen"
Die Beschneidung von Mädchen war Thema der "Liberalen Frauen" zum internationalen Frauentag.
LAHR. Aus Anlass des internationalen Frauentages hatte die Bezirksvereinigung Südbaden-Bodensee der "Liberalen Frauen" am Dienstagabend ins Hotel Schwanen eingeladen, um mit der Journalistin Ursula Biermann und der FDP-Bundestagsabgeordneten Sibylle Laurischk über das Thema "Beschneidung von Mädchen – nur ein afrikanisches Thema?" zu diskutieren.
Mitorganisatoren waren die beiden Vereine "Netzwerk Rafael" und "Materra", die sich gegen weibliche Genitalverstümmelung und für die gesundheitliche Selbstbestimmung von Frauen einsetzen. Ursula Biermann, freie Wissenschaftsjournalistin für die ARD und den Deutschlandfunk, eröffnete den Abend mit ihrem Film über die Beschneidung von Mädchen und jungen Frauen in Tansania. Obwohl auch in Tansania seit 1998 verboten, gibt es dort wie auch in vielen anderen afrikanischen Staaten weiterhin Beschneidungen. Die Nicht-Regierungs-Organisation NAFGEM (Network Against Female Genital Mutilation) setzt seit Jahren auf offensive Aufklärungsarbeit bei Kindern, Frauen und Männern und auf die Umschulung der Beschneiderinnen zu Hebammen.Werbung
Die Beschneidung von Frauen ist – obwohl immer wieder alte Traditionen, Hygiene oder religiöse Vorschriften als Begründung herhalten müssen – eine Methode, um die weibliche Sexualität zu kontrollieren. Durch die teilweise oder vollständige Entfernung von Klitoris und Schamlippen und das Zunähen der Scheide wird – anders als bei der Beschneidung von Männern – den Frauen jegliche sexuelle Empfindung genommen. Dazu kommt die hohe Sterblichkeit bei diesem als Initiationsritual praktizierten Eingriff. Fünf bis zehn Prozent der Mädchen sterben, weitere 20 Prozent sterben an den Spätfolgen – zum Beispiel an Geburtskomplikationen, die auf die Beschneidung zurückzuführen sind.
Sibylle Laurischk erläuterte die rechtliche Lage in Deutschland. Zwei Gesetzesinitiativen aus Bundestag und Bundesrat versuchten, die weibliche Beschneidung als Straftatbestand ausdrücklich im Gesetz zu verankern. Doch wichtiger als die Frage, ob die weibliche Beschneidung im Strafgesetzbuch unter "schwere Körperverletzung" oder "Misshandlung Schutzbefohlener" auftaucht, sei eine Aufklärung von Kinderärzten, Gynäkologen und Lehrern. Denn auch in Deutschland leben nach Schätzungen von "Terre des Femmes" 21 000 Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt sind. Gerade auch Mütter, die nicht in ihrem Heimatland leben, stehen oft unter großem psychischen Druck, ihre Töchter beschneiden zu lassen.
Im anschließenden Gespräch wurde diskutiert, ob restriktive Methoden – zum Beispiel der in Frankreich vorgeschriebene Pflichtbesuch beim Frauenarzt vor und nach einem Familienbesuch in Afrika – nicht eher zu mehr Verheimlichung als zur Lösung des Problems beitragen würde. "Es mag noch dauern, aber wir sind überzeugt, dass das aufhört", meinte Ursula Biermann, und forderte "Bildung. Das ist das einzige, was hilft".
Autor: Juliana Eiland-Jung
