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05. Dezember 2011

"Ode an das Elztal"

Gitarrenabend der Extraklasse bei der Lahrer Live-Schicht.

  1. Gitarrenmagier: Andy Wolk (links) und Manuel Torres Foto: Breithaupt

LAHR. Auch wenn es zunächst nicht danach ausgesehen hat: zum Konzert des "portugiesischen Bluesmakers" Manuel Torres und seines Duo-Partners Andy Wolk haben sich letztendlich doch noch eine ganze Menge Lahrer Live-Schicht-Freunde auf den Weg gemacht.

Gut, dass der erste Eindruck bisweilen trügt, der einen im Fall des Gitarren-Duos Manuel Torres und Andy Wolk auf die total falsche Fährte gelockt hätte: zwei humorlos dreinblickende, zugeknöpft wirkende Typen – das ist das Bild, das einem auf der Vorankündigung ins Auge sprang. Ein Blick auf die Homepage ließ den Gedanken aufkommen, beim Konzertbesuch zwei Extra-Päckchen Taschentücher einzustecken, denn die CD’s, die Manuel Torres allein oder im Verbund mit anderen Musikern seit 2004 aufgenommen hat, tragen fast durchweg sinistre Titel: das fängt schon mal mit "Misery" an und führt über "Blue" und die Aufforderung, "Careful" zu sein bis hin zur "Black Earth" – schwarze Erde. Die Befürchtung lag also nahe, dass es da ein ganz schönes Heulen und Zähneklappen geben würde, Blues-Feeling hoch zehn oder so.

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Steht man diesem Bluesmaker mit den portugiesischen Wurzeln dann gegenüber, ist man mehr als positiv überrascht, einen sympathischen, fröhlichen Typen vor sich zu haben, der keinerlei Berührungsängste kennt und unkompliziert auf sein Publikum zugeht. Das selbe gilt für seinen Bühnenpartner Andy Wolk: offen, freundlich, gesprächsbereit kommt er daher, weit davon entfernt sich mit dem geheimnisvollen Nimbus eines Gitarren-Magiers zu umgeben, der er ohne Zweifel ist. Denn sobald er in die Saiten einer der drei "Ovations" greift, die er an diesem Abend mitgebracht hat (davon eine mit Doppel-Hals), bleibt dem Zuhörer buchstäblich die Luft weg: da ergießen sich quicklebendige Läufe sprudelnd in den Raum, wechseln sich ab mit ultrazartem Picking und hingehauchten Flageoletts um sich irgendwann wieder zu heftigsten Saiten-Gewittern zusammenzubrauen. Manuel Torres steht dem indes in nichts nach, entwickelt eine ungeahnte kraftvolle Dynamik, geht vom harten Anschlag über zum verträumten Saitenstreicheln, wie es gerade zu den ehrlichen, ausdrucksstarken Texten passt, die er über die verschiedensten Situationen seines bewegten Lebens geschrieben hat.

Das Spektrum reicht von politisch engagiertem Protest bis zur soften Liebes-Ballade, vom verzweifelten Kampf gegen die Leukämie-Erkrankung seines Kindes bis zu seiner Sehnsucht nach den so weit entfernt lebenden Eltern. Nicht zu vergessen, seine "Ode an das Elztal", "A piece of it", die glatt als modernes "Heimatlied" durchgehen könnte.

Den Blues kriegt das Publikum natürlich auch: in saftigen Stücken serviert, auch mal mit einer "Resonator"-Gitarre, die einen zünftig scheppernden Banjo-Sound fabriziert. Dazu gibt es ab und zu Flamenco-Spritzer, ein paar Häppchen portugiesischen Fado oder irischen Folk und jede Menge aus dem Bauch heraus gejammte Improvisationen. Kurzum: Gitarrenmusik der Spitzenklasse, die man sich bei der nächsten Gelegenheit nochmal gönnen sollte.

Autor: Ulrike Le Bras