Passende Lesung zur EM

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Do, 14. Juni 2012

Lahr

Jugendbuchautor Ulli Schubert begeistert Viertklässler aus Meißenheim und Sulz.

LAHR. Dass Kinder mit dem Thema Fußball zum Lesen gebracht werden können, das bezweifelte der Kinder- und Jugendbuchautor Ulli Schubert vor seinen beiden Lesungen am Dienstagmorgen in der Stadtbücherei. Da mag er Recht haben. Es liegt nämlich nicht am Thema, sondern an der Vermittlung – und da hat Schubert einen echten Volltreffer bei den Viertklässlern aus Meißenheim und Sulz gelandet.

Der Mann, der sich als "uralt" (genauer: 53 Jahre) vorstellt, sieht aus und hört sich auch ein wenig so an wie Joe Cocker. Kein bebrillter Intellektueller, kein Lehrertyp, kein Poet aus Wolkenkuckucksheim, sondern ein ehemaliger Lastwagenfahrer, Hafenarbeiter, Schlafwagenschaffner, Erzieher und Sportreporter. Seit 1989 ist Ulli Schubert freier Schriftsteller, hat insgesamt 73 Bücher geschrieben, davon rund ein Drittel Kinderbücher über Fußball, dazu viele Krimis, sogar mit richtigen Mordfällen, aber auch – den Jungs im Publikum entgleitet ein verständnisloses "iih", die Mädels strahlen – Bücher über die Liebe. Dass sich Fußball und Liebe nicht ausschließen müssen, und dass auch die Jungen solche Geschichten, handfest und witzig erzählt, durchaus zu schätzen wissen, beweist Schubert gleich im Anschluss. Denn seine mit "Lesung" nur sehr unzulänglich beschriebene Art, den ersten Band der vierteiligen Serie "Fußballschule am Meer" vorzustellen, begeistert die Kinder restlos.

Aus Hamburg ist Schubert angereist, eine Woche lang unterwegs hier im Süden, wo das Wetter ausnahmsweise mal deutlich schlechter ist als im hohen Norden. Rund 200 Lesungen macht Schubert in "Fußballjahren", also immer, wenn alle zwei Jahre Europa- oder Weltmeisterschaft ist. Freimütig erzählt er von seiner Arbeit, für die sich Amelie aus Meißenheim, voller Vorfreude auf das Treffen mit dem Autor in Lahr, schon per E-Mail und im Gästebuch von Ulli Schuberts Homepage interessiert hat. "Ist es schwer, Autor zu werden?" hatte sie dort gefragt, und Schubert gibt eine kluge und auch für Kinder gut verständliche Antwort: "Alles, was einem Spaß macht, kann man lernen. Und das muss man dann auch tun." Auch für ein Kinderbuch wie die "Fußballschule am Meer" sind Recherchen nötig, wenn die Geschichte glaubhaft sein soll. So erzählt Schubert davon, wie er sich die Bestandteile seines erfundenen Dorfes aus dem richtigen Leben an der Nordseeküste zusammengesammelt hat. Bei der Lesung erfahren die Kinder aber noch viel mehr aus der Werkstatt des Erzählers – zum Beispiel, dass alles, was Schubert sich ausdenkt, eine bestimmte Funktion für die Geschichte hat.

So erklärt der Autor, dass ein Held wie sein Fußballer-Nachwuchstalent Finn einen Gegenspieler braucht, damit die Geschichte funktioniert, und dass er Finns Vater deshalb so überaus streng gezeichnet hat, damit es glaubhafter wird, dass Finn im Fußballinternat auch nicht den kleinsten Anflug von Heimweh bekommt. Und dann liest Schubert, locker, die Kinder einbeziehend, und so mitreißend, dass alle unbedingt weiterlesen wollen. Gäbe es eine Meisterschaft im Vorlesen – Ulli Schubert wäre ein heißer Kandidat für den Titel.