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17. Januar 2011
Blue Notes
Pebble Stones: Eine Große Lust am Erzählen, Dichten und Fabulieren
Die Pebble Stones haben in der Lahrer Musikkneipe Blue Notes ein Programm randvoll mit guter, handgemachter Musik geboten.
LAHR. Nur wenige Wochen nach seiner Eröffnung hat es der Jazz & Rock-Club Blue Notes geschafft, sich als neue Lahrer Kultur-Location zu etablieren. Am vergangenen Freitagabend sorgte dort das Konzert der Gruppe Pebble Stones mit ihrem entspannten Mix aus Folk und Rock für ein volles Haus.
Lampenfieber ist eine weit verbreitete Künstler-Krankheit und kommt mit den unterschiedlichsten Symptomen daher. Verschafften sich Percussionist Martin Bilger, Bassist Uwe Boschert, Lead-Gitarrist Klaus Wörner und Geiger Jörg Hansert durch mehrfache Smalltalk-Runden und freundschaftliches Schulterklopfen Ablenkung, so äußerte sich das bekannte Muffensausen bei Garry Shaw, dem schwarz behuteten Kopf der Offenburger Band Pebble Stones in einer unerklärlichen Müdigkeit. "Ich bin sooo müde, ich will nach Hause," lamentierte er theatralisch kurz vor Konzertbeginn. Aber hier wurde nicht E. T. gespielt, sondern Musik und deshalb war’s dann nix mit verfrühtem Heimgehen. Zum Glück für die Zuhörer, die dadurch in den Genuss eines randvoll mit guter, handgemachter Musik gefüllten Programms kamen. 90 Prozent der Songs stammen aus der Feder des sympathischen Schotten Garry, der seinem berühmten Namensvetter in puncto Lust am Erzählen, Dichten und Fabulieren in nichts nachsteht.
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"Poetic Hunger" hat die Band nicht nur eines der ersten Stücke des Abends, sondern auch ihre 2007 erschienene CD genannt – als Ausdruck für den Hunger nach der Poesie des Alltags, die zwar oft verschüttet scheint, sich aber doch finden lässt, wenn man wie Garry mit wachen Augen und Ohren durch die Welt geht. Und das Ganze in eingängige Texte verwandeln kann wie er. Dabei kommen dann Songs heraus wie der "Carpet Ride", das von seinem leicht daherschwebenden Rhythmus lebt. Und von Garrys Stimme, die den Eindruck vermittelt, hier singe einer mit sich selber ein Duett: mal kräftig tief, dann aber auch in einer sanften, gefühlvollen Kopfstimme – was man diesem Bär von einem Mann nicht zutraut.
Neben den etwas langsameren, verträumteren Stücken wie "Teasing" oder dem fast psychedelisch wabernden "Blood of love" taucht die Band aber immer wieder aus der Slide-Gitarren-Trance auf und legt richtig fetzig los. So beispielsweise beim Stück "Tick Tack", das so wunderbar leichtfüßig-hüpfend daherkommt, dass man unwillkürlich an Kieselsteine denken muss, die über eine Wasseroberfläche springen. Und das, obwohl Garry den Song ankündigt als Beschreibung der Situation nach dem morgendlichen Weckerklingeln. Der Mann muss überzeugter Frühaufsteher sein. Den rasanten Drive bringt oft Jörg Hansert mit seinen Geigenläufen ins Spiel, die sich zwar nie dominant in den Vordergrund schieben, aber doch Rhythmus und Tempo in Richtung ausgelassen-irischer Folk-Tanzmusik lenken.
Im zweiten Set geben die fünf Pebble Stones dann noch einen Tick mehr Gas, was manche der anwesenden Damen sichtlich in den Fußsohlen kitzelte. Schade, dass sich dann letztlich keine getraut hat, den ersten Schritt aufs Parkett zu legen. Dafür war aber die Hemmschwelle in der noch ungewohnten Location mit ihrem neu durchgemischten Publikum dann wohl doch zu hoch. Vielleicht kann ja hier das lobenswert um eine freundliche Atmosphäre bemühte Serviceteam bis zum nächsten Konzert mit der Einrichtung einer heimeligen Tanzfläche etwas nachhelfen.
Autor: Ulrike Le Bras
