Plädoyer für zwei Säulen

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Fr, 27. April 2018

Lahr

SPD-Diskussion zur Schulpolitik: Gefragt sind neue Strukturen in der sich wandelnden Gesellschaft.

LAHR. Die Zukunft der Schule liegt für den früheren Kultusminister und heutigen SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Andreas Stoch, keinesfalls im dreigliedrigen Schulsystem. Am Mittwoch hielt Stoch bei einem Diskussionsabend ein flammendes Plädoyer für das Zweisäulen-Modell, in dem die Gemeinschaftsschule neben dem Gymnasium einen besonderen Stellenwert haben sollte.

Im Fokus der Diskussion, an der sich auch die Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle und der SPD-Kreisvorsitzende Karl-Rainer Kopf beteiligten, stand die Zukunft der Schule. Diese sieht für Andreas Stoch vor dem Hintergrund der schwarz-grünen Regierung im Lande wenig rosig aus. "Man hätte mich machen lassen sollen", sagt er im Rückblick auf seine Zeit als Kultusminister in den Jahren 2013 bis 2016. Seine Leidenschaft für die Gemeinschaftsschule wurde an diesem Abend deutlich, obgleich Stoch am Bestand der Gymnasien nicht rütteln wollte.

Die Entwicklung der Gemeinschaftsschule sei zu früh zurückgeschraubt worden. Die Kritik des Sozialdemokraten zielte auf die schwarz-grüne Politik, die die Grundschule stiefmütterlich behandle, obwohl sie die wichtigste Einrichtung in der Entwicklung eines jungen Menschen sei. "Alles passiert auf dem Rücken der Lehrkräfte", sagte Stoch. Er forderte Verbesserungen bei der Lehrerausbildung und kritisierte die Abschaffung der Grundschulempfehlung: "Die Übergangszahlen haben sich dramatisch verändert."

Es sei falsch zu meinen, so der 49-Jährige, dass die Lösung des pädagogischen Problems einer zukunftsorientierten Schule im dreigegliederten Schulsystem liege. Unruhe sei in die Bildungslandschaft gekommen, sagte der SPD-Politiker und nannte den Lehrerstellenabbau, Spardiktate und falsche Planungszahlen. Statt mehr Gymnasiallehrer an Grundschulen zu schicken, wie jetzt gefordert, sollten seiner Meinung nach mehr Gymnasiallehrer in die Gemeinschaftsschulen gehen, um für bessere Bildungsstrukturen zu sorgen.

Andreas Stoch wurde auf seinen ungebremsten Ritt durch die Bildungslandschaft mit zahlreichen Beiträgen von Lehrern konfrontiert, die aus der Praxis berichteten und teilweise ganz andere Erfahrungen im Schulalltag gemacht hatten.

Der Wegfall der Grundschulempfehlung habe katastrophale Folgen, sagte eine Grundschullehrerin. Eine Kollegin an einer Werkrealschule forderte eine strengere Führung, um die Schüler in Schach zu halten. Eine Realschullehrerin sah große Probleme mit der Differenzierung. Sie vermisste fehlende Zielvorgaben für das Grund- und mittlere Bildungsniveau, forderte mehr Geld, Lehrer und Sozialpädagogen und meinte zur Situation an der Realschule: "Wir verhungern am langen Arm."

Ein Gegensteuern versprachen die SPD-Politiker in der Diskussionsrunde. Ihr Appell an die knapp zwei Dutzend Lehrer, Gewerkschafter, Schulleiter und Parteivertreter lautete: "Offen sein für neue Strukturen in der Schule der Zukunft." Zu der gehöre auch die Ganztagsschule, so Andreas Stoch abschließend. Sie sei bis heute nur ein Schulversuch und immer noch nicht im Schulgesetz verankert.