Lahr

Platzverweise und Festnahmen am Rand des Fasentumzugs in Lahr

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Mo, 21. Januar 2019 um 19:06 Uhr

Lahr

Der Lahrer Fasentumzug ist ohne Probleme verlaufen. Im Umfeld musste die Polizei aber eingreifen: Große Gruppen von Jugendlichen seien angereist. Die hatten mit Brauchtum nichts am Hut, dafür mit Alkohol.

Die Narren sind am Sonntag friedlich durch die Innenstadt gezogen. Rund um den Umzug allerdings hatte die Polizei einiges zu tun: Auffällig große Gruppen von Jugendlichen seien von auswärts angereist, sagte Revierleiter Felix Neulinger. Viele hätten mit Brauchtum nichts am Hut, dafür umso mehr mit Alkohol. Die Polizei reagierte mit verstärkten Kontrollen im Vorfeld. Sie berichtet von 14 Ermittlungsverfahren und acht Platzverweisen.

Für einige Jugendliche war der Umzug beendet, bevor er begonnen hatte. "Es gab schon im Vorfeld Platzverweise", sagt der Lahrer Revierleiter Felix Neulinger der BZ. Ein Phänomen, das sich im Vorjahr angedeutet hatte, sei nun deutlich zu Tage getreten: "Ganze Horden von Jugendlichen reisen an, größtenteils unverkleidet, stark alkoholisiert", sagt Neulinger. "Da gab es ein Konfliktpotenzial." Diese Leute hätten mit Brauchtum nichts am Hut, wollten sich nur betrinken und teilweise gezielt für Ärger sorgen.

Einige legten größere Strecken zurück, sie kämen von der Schweizer Grenze oder aus dem Karlsruher Raum. Zur Mittagszeit seien etwa 1000 Jugendliche im Zug aus südlicher Richtung am Bahnhof angekommen. Insgesamt rechnet Neulinger mit bis zu 2000 großteils stark betrunkenen jungen Leuten von außerhalb. "In diesem Ausmaß ist das neu", sagt Neulinger. So massiv kenne er das weder von Umzügen noch von Straßenfesten.

Die Polizei setzt auf Vorkontrollen

Die Polizei hält mit Vorkontrollen dagegen. Zwischen Bahnhof und Innenstadt waren die Beamten am Sonntag verstärkt im Einsatz. "Die Leute decken sich ja nicht im Narrendorf ein, die bringen Hochprozentiges mit". Teils wurde Alkohol konfisziert, vereinzelt Drogen oder Messer sichergestellt. Unterstützung erhielten die Lahrer vom Polizeipräsidium Einsatz. "Unser Konzept ging auf, wir hatten die Lage komplett im Griff", bilanziert Neulinger, der die gute Zusammenarbeit mit den 30 Ordnern des Veranstalters hervorhebt. Der Umzug mit 3500 Hästrägern und rund 10.000 Besuchern verlief störungsfrei. "Da gab es keine Beeinträchtigung, Angriffe auf Hästräger oder Ähnliches." Streitigkeiten seien schon im Ansatz unterbunden worden.


Wenn die Polizei einschreiten musste, hatte dies immer denselben Grund: übermäßiger Alkoholkonsum von Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren. Acht alkoholisierte Jugendliche erhielten Platzverweise. Fünf zeigten sich uneinsichtig und wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen. Insgesamt berichtet die Polizei von 14 Ermittlungsverfahren. "Einfache Körperverletzungen und gegenseitige Beleidigungen, Verstöße gegen das Betäubungsmittel und Jugendschutzgesetz sowie Diebstähle werden in den nächsten Tagen aufgearbeitet", heißt es.

Eine ganze Reihe Ordnungswidrigkeiten wurden bei der Stadt angezeigt. Neulinger berichtet vor allem von Müll und Glasscherben auf den Straßen. An ihrem Konzept will die Polizei festhalten. Störenfriede müssten im nächsten Jahr gar nicht erst anreisen. "Wer auffällig geworden ist, erhält ein gebührenpflichtiges Aufenthaltsverbot für nächstes Jahr."

Oberzunftmeister sieht die Probleme auch andernorts

Das ist ganz im Sinne von Franz Leipner. "Da waren sehr viele junge Leute, die der Umzug gar nicht interessiert hat", sagt der Oberzunftmeister der Lahrer Laubenhexen. Sie waren Veranstalter. "Viele rannten ständig hin und her, das war sehr unruhig." Im Vergleich zu früher hat er deutlich mehr Menschen entlang der Umzugsstrecke beobachtet – trotz Schneefalls. Am Ende zählten die Zuschauer, die den Eintritt bezahlen, der entlang der Strecke eingesammelt wird. "Da gab es keinen Unterschied zu Vorjahren." Die Zunft könne kaum etwas dagegen tun, dass Jugendliche von auswärts mit viel Alkohol im Gepäck anreisten. "Aber die können einiges kaputtmachen", sagt Leipner. "Brauchtum interessiert die nicht."

Dies sei aber kein Lahrer Phänomen, auch andernorts hat Leipner Ähnliches beobachtet. Das ändert nichts daran, dass er mit dem Verlauf des Umzugs am Sonntag zufrieden ist. Nur aufs Tempo wollen die Laubenhexen in Zukunft drücken: "Nächstes Mal wollen wir schauen, dass wir in eineinhalb oder zwei Stunden mit dem Umzug durch sind."