Mannheim

Prozessauftakt gegen Ex-Dekan aus Lahr – Anwalt: "Er ist nicht frei von Sünde"

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Di, 11. September 2018 um 13:30 Uhr

Lahr

Vor dem Landgericht Mannheim hat der Betrugsprozess gegen einen früheren Lahrer Dekan begonnen. Der katholische Priester hat erste Erklärungen abgegeben - ebenso sein Anwalt.

Vor dem Landgericht Mannheim hat am heutigen Dienstag der Prozess gegen den ehemaligen Lahrer Dekan E. begonnen. Kurz nach 9 Uhr wurde E., der seit Dezember 2017 in Untersuchungshaft sitzt, in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. E. wird Betrug in 88 Fällen, Untreue und Urkundenfälschung vorgeworfen. Der Gesamtschaden beträgt mehr als 200.000 Euro. Nach der Verlesung der Anklage äußerte sich E. zur Person und seinen Verhältnissen.

Beratertätigkeit seit 2001 – Was wusste das Erzbistum?

E., der in Freiburg Theologie und Philosophie studiert hat, war 1995 zum Priester geweiht worden. Bis 2000 war er in Ludwigshafen tätig, danach für die Erzdiözese Freiburg, von 2004 an in Lahr, zuletzt als Dekan und Leiter einer Seelsorgeeinheit. In Ludwigshafen hatte E., der damals einem Jesuitenorden angehörte, ein Zentrum für soziales Management aufgebaut.

Dies war der Beginn seiner Beratungstätigkeit, die er später fortsetzte – von 2001 an freiberuflich mit einer eigenen Beratungsfirma. E. soll auch Anteile an einer Firma in Estland besessen haben. Laut E. habe das Erzbistum von seiner Beratertätigkeit gewusst, er habe dies zur Voraussetzung für seine Anstellung gemacht. Die Stimmen aus Freiburg klingen indes anders.

"Er war Dekan aus Leidenschaft, hatte einen guten Ruf in der Gemeinde." Rechtsanwalt Edgar Gärtner


E. soll über Jahre hinweg rund 4000 Euro netto aus seiner Tätigkeit für die Erzdiözese verdient haben, zusätzlich 4000 Euro aus seinen Beratertätigkeiten. Er könne nicht mit Geld umgehen, räumte E. vor Gericht ein. Wie es dazu kommen konnte, dass er sein Konto überzogen hat, blieb unklar. E. Hat nach eigener Aussage keine größeren Anschaffungen getätigt. Er habe vielmehr Freunde unterstützt, die Geld benötigt haben.

Anwalt rechnet nicht mit Freispruch

E.s Anwalt Edgar Gärtner beschreibt seinen Mandanten im Gespräch mit Journalisten als bemerkenswerten und hochintelligenten Mann. "Er war Dekan aus Leidenschaft, hatte einen guten Ruf in der Gemeinde." Als moderner Seelsorger habe er nicht in das konservative Bild mancher Geistlicher gepasst.

Auf der anderen Seite habe er im privatwirtschaftlichen Bereich gearbeitet. "Zwei Herzen schlagen in seiner Brust." E. werde sich den Vorwürfen stellen, auch wenn diese zutreffend sein sollten. Mit einem Freispruch werde die Verhandlung nicht enden. "Er ist nicht frei von Sünde", sagte Gärtner gegenüber Journalisten.

Die Verhandlung wird am Nachmittag fortgesetzt. Es sind 20 Verhandlungstage vorgesehen.

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