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18. Februar 2012

Rekordumsatz bei Nestler-Wellpappe

Des Familienunternehmen im Lahrer Westen erreichte 2011 70 Millionen Euro Umsatz / 2012 werden sechs Millionen investiert.

  1. Martin Schöne ist seit Juni 2009 Geschäftsführer des Lahrer Wellpappenherstellers und -verarbeiters Nestler. Foto: heidi fössel

LAHR. Die Firma Nestler Wellpappe GmbH & Co. KG wird 2012 sechs Millionen Euro investieren. Dies betrifft im wesentlichen die Erneuerung eines Teils des Maschinenparks. Für Geschäftsführer Martin Schöne ist diese Investition ein Bekenntnis zum Standort Lahr, der weiter entwickelt wird. Mit einem Jahresumsatz von 70 Millionen Euro (nach 65 Millionen im Vorjahr) war 2011 ein "sehr gutes Geschäftsjahr mit dem höchsten Umsatz in der Geschichte des Unternehmen".

Und dies, so Schöne, in einer durchaus schwierigen Wettbewerbssituation. Martin Schöne leitet das Unternehmen, das zur Palm-Gruppe in Aalen gehört, seit Juni 2009. Insgesamt 400 Mitarbeiter sind bei Nestler an der Tullastraße in Sachen Wellpappenherstellung und Verarbeitung tätig, 300 von ihnen in der Produktion. Unter ihnen 30 Fahrer, die mit 28 eigenen Lastwagen (Euro 5) dafür sorgen, dass die 1500 Kunden in der Rheinschiene bis in die Schweiz und ins Elsass mit dem gleichermaßen leichten wie stabilen Verpackungsmaterial versorgt werden. Wobei das leicht gesagt ist, denn die Jahresproduktion von 2011 mit 134 Millionen Quadratmetern erreichte immerhin ein Gewicht von fast 70 000 Tonnen.

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Das Papier zur Wellpappe besteht zu 80 Prozent aus Altpapier

Angeschafft wird in diesem Jahr eine neue Inliner-Maschine, die fertige Verpackungen aus Wellpappe herstellt, die schon verschlossen und verklebt sind. Sie schafft 20 000 Verpackungen in der Stunden. Dazu kommt eine Faltklebemaschine, die gestanzte Formate verschließen kann und ebenfalls 20 000 Verpackungen pro Stunde bewältigt. Dabei handelt es sich nach Angaben von Martin Schöne um einen Prototyp, der unzulängliche Erzeugnisse sofort ausgeschleust. "Es handelt sich um die erste Anlage weltweit", so der promovierte Chemiker, der seit 16 Jahren als Geschäftsführer in der Papierindustrie daheim ist. Hinzu kommt eine neue Leimaufbereitungsmaschine, die erhebliche Einsparungen sowohl beim Rohstoff Weizenstärke als auch beim Stromverbrauch bewirkt. Für Nestler bedeutet dies, so Schöne, dass man jährlich rund 110 Tonnen weniger Stärkemittel benötigt (minus zehn Prozent) und dass man 1,4 Millionen Kilowattstunden Strom einspart. Immerhin fährt man in der Produktion einen Dreischichtbetrieb. Fazit des 45-jährigen Schöne: "Wir sind umweltfreundlich unterwegs, bei uns treffen sich Ökonomie und Umweltschutz."

Schöne bezieht dies grundsätzlich einmal auf den Grundstoff Papier, der zu 80 Prozent aus recycelten Papieren besteht, die vom Mutterkonzern angeliefert werden. Diese Papiere werden dann in einer Maschine zu Wellpappe umgeformt. Die Maschine erzeugt aus glattem Papier eine Wellenbahn, die in einem Arbeitsvorgang mit Papierbahnen unten und oben beklebt wird, so dass jede normale Wellpappe aus drei Lagen besteht. Je nach Erfordernis kann auch fünflagige Wellpappe hergestellt werden.

Verpackungen aus Wellpappe können Massenartikel sein wie Weinkartons (individuell bedruckt) oder Obststeigen. Ansonsten ist die Lebensmittelindustrie Abnehmer, der Anlagenbau, viele exportierende Betriebe, die Verpackungen als Versandschutz benötigen oder auch Zulieferer der Automobilindustrie. Zunehmend an Bedeutung im Kundenkreis gewinnen Firmen, die im Internethandel aktiv sind. Ob Buchverpackung, Kleiderbox, CD- oder DVD-Verpackung – die Produkte sollen heil beim Endabnehmer ankommen. Erheblichen Anteil haben auch Verkaufsverpackungen, mit denen zum Beispiel die Sanitärindustrie ihre Erzeugnisse direkt an den Endkunden bringen möchte.

In den ehemaligen Roth-Händle-Hallen befindet sich das Logistikzentrum

Im Übrigen wird auch die Welt der Wellpappe immer bunter. Die vergleichsweise leichte Wellpappe findet sich heute aber auch in komplizierten und stabilen Steckverbindungen etwa bei Displays, die vielfältig bedruckt werden. Sie sind stumme Verkäufer, die für viele Markenartikler von Bedeutung sind. Dekorative Wellpappenständer dienen als Blickfang.

Ende 2007 hat Nestler-Wellpappe die benachbarten Lagerhallen der Badischen Tabakmanufaktur Roth-Händle gekauft. Eingerichtet wurde ein Logistikzentrum, in dem 20 000 Paletten mit Fertigprodukten sitzen, die auf Abruf ausgeliefert werden. Die Verbindung zu den Kunden ist so eng, dass man bei Nestler weiß, wann der Kunde eine Nachlieferung braucht – Bestellungen sind nicht mehr nötig.

Unter den 400 Mitarbeitern sind 16 Auszubildende mit dem Schwerpunkt Technik. Diese Zahl soll auf 25 steigen. Ausbildungsmöglichkeiten gibt es auch zum Bachelor of Engineering (Fachrichtung Verpackungstechnik), ein neuer Studiengang an der Hochschule Karlsruhe.

NESTLER WELLPAPPE

wurde 1871 als Brauerei in Dinglingen gegründet. Von Adolf Nestler. Die Brauerei wurde 1923 geschlossen und die Wellpappenfabrik von Robert Nestler gegründet. 1976 wurde im Industriegebiet Lahr-West ein erstes Produktionswerk gegründet, 2001/2002 gab es den letzten Bauabschnitt und den Umzug der gesamten Produktion und Verwaltung ins Industriegebiet. 1999 wurde das Lahrer Familienunternehmen von dem in Aalen-Neukochen ansässigen Familienunternehmen Palm gekauft. Die Palm Verpackungsgruppe mit 18 Standorten in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz beschäftigt nach eigenen Angaben 3000 Mitarbeiter und erzielte vergangenes Jahr einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Chef im Haus ist in vierter Generation Wolfgang Palm.  

Autor: bko

Autor: Bruno Kohlmeyer