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27. Januar 2009 13:31 Uhr

Robobabys – Jungs nehmen es lockerer

Wer ist der beste Babysitter? Wieviel Aufmerksamkeit braucht ein Baby in der Nacht? Wer wechselt die Windeln am besten? Fragen, die Lahrer Schüler mit einem Robobaby für sich geklärt haben. Ein Fazit des Projekts.

  1. Ups, da ging was in die Hose. Foto: Heidi Foessel

Die Tatsache, dass allein im vergangenem Jahr 14 schwangere Mädchen unter 16 Jahren in die Schwangerschaftsberatung der Lahrer Caritas bei Marianne Lindenfelser gekommen waren, beweist den Handlungsbedarf in Sachen Aufklärung und Lebensplanung.

In Kooperation mit der Friedrichschule in Lahr wurde deshalb in den letzten beiden Wochen das Projekt "Babybedenkzeit" durchgeführt, bei dem 22 Jugendliche jeweils für ein Wochenende ein Roboterbaby betreuten. Im Februar ist ein ähnliches Projekt in der Gutenbergschule geplant.

Am Montagnachmittag war die Abschlussbesprechung mit allen beteiligen Schülern, den Lehrerinnen Ursula Windmüller und Cornelia Obergföll, Schwangerschaftsberaterin Lindenfelser und Studentin Nadine Lange, die das Projekt im Rahmen ihres Studiums an der evangelischen Fachhochschule Freiburg begleitet. Auch zwei der Robobabys waren dabei, blieben aber die meiste Zeit abgeschaltet. Sie hätten sonst das Pressegespräch durchaus nachhaltig stören können, wie Babys das eben manchmal tun, wenn sie Hunger haben, oder die Windeln gewechselt werden müssen.
"Die Mädchen sind emotionaler rangegangen als die Jungs" Cornelia Obergföll

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Die Baby-Puppen sind kleine programmierbare Computer in einem lebensechten Puppenkörper. Sie können auf unterschiedliche Art weinen, und es wird registriert, ob sich die Betreuungsperson richtig um das Baby kümmert. Wie lang es dauert zum Beispiel, bis jemand kommt, oder auch ob das Weinen oder Wimmern richtig gedeutet wird. Auch wenn der Kopf des Babys beim Hochheben nicht gehalten wird, schlägt das später bei der Beurteilung negativ zu Buche. Doch es geht nicht darum, einen Baby-Pflegekurs zu ersetzen, sondern darum, realistische Erfahrungen zu machen – auch damit, wie man selbst reagiert, wenn einen das "Baby" in der Nacht zum x-ten Mal weckt.

Marianne Lindenfelser dankte den teilnehmenden Schülern und Schülerinnen, die alle die 9. Klasse mit dem Fächerschwerpunkt Hauswirtschaft belegen, dass sie den Mut hatten, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Ehrlich und durchaus beeindruckt berichteten dann die zwischen 14 bis 16-jährigen Jugendlichen von ihren Erfahrungen. Deria ist sich sicher, dass sie so früh kein Kind möchte. Der 14-jährige Sahin hatte sich schon gedacht, dass es nicht so einfach wird, und ist sichtlich stolz darauf, dass die Jungs der Gruppe die besten Babysitter waren. Allerdings hatte er die Puppe auch als Puppe behandelt und – zum Beispiel beim Windeln wechseln – den Computer ein wenig beschummelt. Dennoch: "Alle haben sich gut um die Babys gekümmert, einige sogar sehr gut, lobten die Lehrerinnen.

Überraschend war für die Jugendlichen, wie echt es sich anfühlt, mit dieser Puppe umzugehen. Aber es hat auch Überforderungsgefühle gegeben, die dann per Telefonat mit der Lehrerin abgeklärt werden mussten. In einigen Familien haben sogar die Eltern als Großeltern mitgespielt – doch einfach abgeben, das ging in diesem Fall nicht. Ein Erkennungschip sorgt dafür, dass das Baby Vater oder Mutter erkennt.

"Die Mädchen sind emotionaler rangegangen als die Jungs", erzählt Cornelia Obergföll, die Jungs haben es lockerer genommen, aber mindestens genauso gut gemacht, ergänzt Ursula Windmüller. Dass die Themen "Lebensplanung, Freundschaft, Umgang mit einem Kind, Verantwortung und Misshandlung" nicht nur theoretisch, sondern praktisch erfahrbar geworden wären, werten beide Lehrerinnen als großen Vorteil des Projekts.

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Autor: Juliana Eiland-Jung