Rock, Blues und Jazz vor Heiligabend

Ulrike Le Bras und Emma Nentwig

Von Ulrike Le Bras & Emma Nentwig

Do, 27. Dezember 2018

Lahr

Konzerte mit Groove Tunes und Matt Woosey im Schlachthof und The Moods und Miller’s Blues Orchestra im Mauerwerk.

LAHR. Zu ihrem traditionellen Vorweihnachtskonzert hat die Rockwerkstatt am Sonntagabend in den Schlachthof eingeladen. Zu hören waren die Groove Tunes, die in diesem Jahr als Gäste die Sängerin Melissa Zucano und den Singer-Songwriter Matt Woosey mit auf die Bühne gebracht haben. Klassentreffen-Atmosphäre herrschte derweil im Mauerwerk, wo The Moods mit dem Miller’s Blues Orchestra eine Mischung aus Jazz und Blues spielte.

Grooviger Schlachthof

Die "Before X-Mas" Konzerte im Schlachthof sind ein bisschen wie Weihnachten in der Familie. Jedes Jahr kommen in etwa die selben Leute, mal mehr, mal weniger, man kennt sich, bewegt sich im vertrauten Rahmen. Bevor es losgeht, plaudert man hier und dort ein bisschen, gönnt sich das eine oder andere Gläschen und freut sich darauf, dass bald die musikalischen Päckchen ausgepackt werden. Zur Steigerung der Vorfreude steht schon eine Auswahl an Gitarren und das Drumset auf der Bühne bereit – zwar ohne Schleifchen oder Glitzerpapier, aber trotzdem hübsch anzusehen.

Ganz wie bei Muttern daheim, kann man sich natürlich schon vor dem Auspacken denken, was in den Päckchen drin ist, denn Frank Domnik, Slim Iwannek und Jean-Luc Siegler stehen ja nicht zum ersten Mal als Groove Tunes im Schlachthof an der Rampe, sondern legen schon seit Jahren sorgfältig handgestrickte Versionen von Krachern der Rock- und Popgeschichte unter den Baum. Was das Ganze trotzdem spannend macht: Scheinbar Bekanntes bekommt unter den Händen dieser routinierten Musiker doch immer wieder einen interessanten individuellen Touch. So beginnen sie zum Beispiel ihr Konzert mit einer dynamischen unplugged-Version des James Bond Titelsongs "Skyfall" und haben den Saal in der Tasche mit einer von Domniks typisch trocken nebenbei eingestreuten Bemerkungen: "Das war Slims Idee: das Konzert mit einem Song zu beginnen, der mit dem Satz ’This is the end’ anfängt".

Auch dem altbekannten "Watchtower" von Bob Dylan geben sie mit klasse Soloparts von Sieglers bundlosem Bass und Iwanneks Hand-Percussion einen ganz neuen Drive, machen den in der Version von Jimi Hendrix mit erdig-dreckigem Bombast daherkommenden Titel zum salonfähigen Swing, bei dem das Publikum gerne singend und tanzend mittut. Großes Soundkino im lässigen Rhythmus machen sie aus der Kultmelodie "After Dark" des Films "From Dusk Till Dawn" – das macht schon im ersten Set einfach Laune. Mit Schmackes geht es weiter in die zweite Runde. Ein paar bewährte Kracher von Pink Floyd, The Police, Deep Purple und dann kommt Melissa Zucano wieder ins Spiel, dieses Mal mit Songs, die ihre Stimmlage und ihr Temperament besser zum Ausdruck bringen, als zum Beispiel der Tracy-Chapman-Titel im ersten Set: das leicht daher galoppierende "Black Horse", dem Slim am Drumset witzige Akzente auf den Cowbells beigibt, danach der Tophit ihrer Namensverwandten, Melissa Etheridge "Like the way I do".

Auch der zweite Gast, Matt Woosey, zeigt sich, obwohl gesundheitlich angeschlagen, von seiner starken Seite: zwei schöne Eigenkompositionen und zwei herrlich erdige Blues-Rock Stücke von The Doors – das geht in die Beine, in den Bauch, lässt das Herz der Alt-Sechziger-Fans höher schlagen. Dass sie auch jazzig-funkig können, das zeigen alle zusammen im schön aus einem Guss fließenden Finale mit dem "Long Train Running", der ja dann irgendwie auch den Bezug zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, herstellt: "Without Love, where would you be now?"

Jazziges Mauerwerk

Im Mauerwerk hat am Sonntag die Lahrer Band The Moods mit dem Miller’s Blues Orchestra eine Mischung aus Jazz und Blues gespielt. Mit feiner Technik und viel Leidenschaft überzeugten die Musiker vor rund 200 Zuschauern. Den Anfang machte The Moods um die Sängerin Linda Tang. Die siebenköpfige Band sorgte mit bluesigen Covers von Hits zu Beginn der 2000er-Jahre gleich von Anfang an für gute Stimmung. Denn für viele Besucher waren das – wie für die Band selbst – die Hits ihrer Jugend. Die ersten Grüße des Abends von Posaunist Lukas Wernet gingen denn auch an seine ehemaligen Klassenkameraden von der 5a am Max-Planck-Gymnasium, die zahlreich erschienen waren und den Abend auch zu einem Klassentreffen machten.

Dazu betonte Sängerin Tang auch die Besonderheit des Veranstaltungsortes. Schließlich war das Mauerwerk früher mal das Universal Dog und "Hier", so Tang, "wurde für die meisten das erste Mal geküsst und eigentlich alles zum ersten Mal gemacht." Dass es keine neuen Stücke gab, hatte noch einen anderen Grund, erklärte Lukas Wernet: "Zum einen lief in unserer vierjährigen schöpferischen Pause nicht viel und zum anderen ist Weihnachten eine Tradition und man macht alles wie immer." Damals, vor vier Jahren, stand auch Miller’s Blues Orchestra mit The Moods auf der Bühne, auch mit schwarzem Anzug, Hut und Sonnenbrille. Auch diese elf Musiker schafften es, das Publikum mit Pop-Covern von Jazz und Blues zu begeistern. Beide Bands waren nicht nur musikalisch auf einer Wellenlänge. Es wurde ausgelassen gefeiert bis tief in die Nacht.