Rückblick auf ein halbes Jahrhundert

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 01. Oktober 2018

Lahr

Staatssekretär lobt das Jugendwerk Ortenau als Leichtturm der Umweltbildung / Gewünscht wird eine langfristige Finanzierung.

LAHR. 50 Jahre Jugendwerk Ortenau sind am Sonntag auf dem Langenhard gefeiert worden. Nach Grußworten, Ehrungen, Rückblicken und der Finissage des Holzbildhauersymposiums nutzten die Lahrer die Möglichkeit, das Gelände um Freizeit- und Tagungshaus zu besuchen.

Kinder (und Erwachsene) könnten auf dem Langenhard ihr "Naturdefizitsyndrom" kurieren, fand Staatssekretär André Baumann vom baden-württembergischen Ministerium für Umwelt, Klima, Energiewirtschaft, der das Jugendwerk Ortenau als "Leuchtturm in der Jugendarbeit und Umweltbildung in Baden-Württemberg" bezeichnete. Auch die anderen Redner waren voll des Lobes für das vielfältige und langjährige Engagement des Jugendwerks. MdL Sandra Boser (Grüne) betonte auch im Namen des SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner die Bedeutung des "Langenhard" in der Region als Ort für politische, soziale und Umweltbildung.

Bürgermeister Guido Schöneboom bezeichnete das Jugendwerk als "unabdingbaren Kooperationspartner der Stadt" und zeigte großen Respekt dafür, dass die Verantwortlichen des Vereins "Herz, Verstand, Knowhow und gute Kontakte" genutzt und viel Arbeit ehrenamtlich und uneigennützig investiert haben.

Günter Evermann, seit 2011 Vorsitzender des Jugendwerks und zuvor langjähriger Geschäftsführer, ließ die Geschichte des Jugendwerks und des Freizeithofes Revue passieren. Zum Jubiläum war auch der Gründungsvorsitzende des Jugendwerks, der damalige Oberlandwirtschaftsrat Albert Moritz, gekommen. 1968 war der "Verein zur Förderung des Stadt- und Kreisjugendrings Lahr" gegründet worden, mit Kreisrat Hermann Mächtel als Vorsitzendem, Kreisrat Theodor Binger als Stellvertreter und dem Vorsitzenden des Stadt- und Kreisjugendrings Werner Erb als drittem Vorsitzenden. "Ohne Werner Erb und seine Frau Hilde gäbe es womöglich kein Jugendwerk und keinen Langenhard", betonte Günter Evermann. Er hat die Tradition des Engagements als Gemeinschaftsaufgabe mit seiner Frau Elvira weitergeführt. Nach 30 Jahren in der Jugendwerk-Verwaltung wurde sie in den Ruhestand verabschiedet. "Die Familien Erb und Evermann sind zwei Glücksfälle für das Jugendwerk", betonte Uwe Baumann, der durch das Programm zum Jubiläum führte. Auch er taucht an vielen Stellen in der Festschrift des Jubiläums auf, war er doch als Bildungsreferent Anstoßgeber für viele Initiativen, die auf dem Langenhard ihren Anfang genommen hatten.

Wie folgenreich die Gründung des Jugendwerks Ortenaukreis sein würde, hatten sich die Gründungsmitglieder wohl kaum vorstellen können – wie arbeitsreich aber womöglich auch nicht. Günter Evermann schilderte die Aufs und Abs, die stetigen Bemühungen um bauliche Erhaltung und personelle Versorgung. Dass es trotz vieler Herausforderungen allen Grund zu feiern gibt, war am Sonntag überall zu spüren.

Die vor 28 Jahren als "Umweltstation" gegründete "Ökologiestation" mit Aktivitäten in der ganzen Region ist eines der Aushängeschilder des Jugendwerks. Mit dem Ferienhaus Falkau (seit 2006) und dem Abenteuerspielplatz (seit 2016) hat das Jugendwerk noch mehr Verantwortung übernommen. Zum Jubiläum gratulierte unter anderem die Bigband W unter Leitung von Hanjo Gißler, die vor 30 Jahren von Carlo Bäder bei einem Jazzworkshop auf dem Langenhard gegründet worden war. Weitere mittlerweile selbständige Gründungen, die auf dem Langenhard ihren Anfang nahmen, sind der Circus Magic und die circus- und theaterpädagogische Ausbildung für Spielleiter/innen von Bruno Zühlke. Für die Zukunft hat Evermann noch einige Wünsche offen. Mehr Mitglieder, die den Verein dauerhaft unterstützen, eine langfristige Teilfinanzierung vom Land für die Bildungsreferentenstelle, und von der Stadt eine langfristige Zusage zur Grundfinanzierung der hauptamtlichen Mitarbeiter des Abenteuerspielplatzes.

Ehrungen: 50 Jahre: Albert Moritz, Roland Rohde, Carl Langenbach; 40 Jahre: Walter Caroli, Gerhard Wälde; 37 Jahre: Rudolf Röderer; 35 Jahre: Uwe Baumann; 32 Jahre: Günter Evermann; 30 Jahre: Rainer Kary, Heiner Kirsch

Jugendwerk Ortenau e.V., Erster Vorsitzender Günter Evermann, Zweiter Vorsitzender Rainer Kary, Dritter Vorsitzender Dieter Singler. 91 Mitglieder, darunter elf Städte und Gemeinden, 13 Jugendverbände, 23 Vereine und 51 Privatpersonen. Mitgliedsbeiträge (jährlich) Privatpersonen 25, Familien 30, Vereine 65 Euro.