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26. Oktober 2011
Sieben Frauen und der biblische Berg
Birgit König, Leiterin der Stadtbücherei, berichtet über die Besteigung des Ararat / Vortrag in der Friesenheimer Sternenberghalle.
LAHR. Eine siebenköpfige Frauengruppe auf Bergtour – nichts Besonderes, trifft man im Schwarzwald öfter mal. Auf dem biblischen Berg Ararat im Dreiländereck von Türkei, Iran und Armenien, der erst seit 2001 zur Besteigung freigegeben ist, ist so eine Gruppe, zu der auch die Leiterin der Lahrer Stadtbücherei, Birgit König, gehörte, dagegen eine echte Seltenheit.
Und es bringt einige zusätzliche Probleme mit sich, wenn in einem islamischen Gebiet Frauengruppen unterwegs sind, die – bis auf eine Ausnahme – von männlichen Trägern und Bergführern begleitet werden. Birgit König berichtete bei ihrem Lichtbildervortrag im Musikprobenraum in der Friesenheimer Sternenberghalle am vergangenen Mittwoch von der einwöchigen Tour, die sie im August dieses Jahres unternommen hatte.Schon vor drei Jahren hatten sich zehn Frauen bei einer unter dem Titel "Frauenpower" angekündigten Besteigung des Kilimandscharo kennen gelernt. Mit acht Mitreisenden hielt der Kontakt, man traf sich mehrfach im Jahr zum Wandern oder auch einfach aus Geselligkeit. Doch dann reifte der Entschluss, dass man gemeinsam ein neues, großes Ziel angehen wollte.
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Das besondere Verhältnis unter den Frauen macht für Birgit König den Unterschied zu anderen Bergsteigergruppen aus. "Bei uns kann Jede mit Jeder. Wir verstehen uns alle so gut, dass wir mit Jeder das Zelt teilen würden." Eine besondere Bindung ist über die Jahre zwischen den aus ganz Deutschland stammenden Frauen gewachsen. Die Altersspanne reicht von 40 bis über 60 Jahre. Die 63-jährige Maria ist die älteste. "Mutter Maria" nennen die anderen Frauen sie manchmal scherzhaft, weil sie der Ruhepol der Gruppe ist – aber keineswegs die Unsportlichste. Am Berg, das beweisen auch Birgit Königs schöne Aufnahmen von der Besteigung des Ararat, ist ohnehin manches anders. Claudia ist zwar die jüngste der Gruppe und trainiert mehrfach in der Woche im Fitnesscenter, doch die dünne Höhenluft macht ihr am meisten zu schaffen.
Birgit König treibt das ganze Jahr über Ausdauersport. "Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich nach einer Alpenüberquerung mit dem Fahrrad in diesem Sommer ausreichend fit bin." Auf den letzten Metern des sehr steilen Anstiegs brauchte es dennoch eine Ermunterung und einen Früchteriegel aus dem Rucksack von "Mutter Maria", um durchzuhalten.
Die Frauengruppe war auf dem Basislager in 3200 Metern Höhe und vor allem auf dem Höhenlager auf 4200 Metern nicht auf Rosen gebettet. Eng, teilweise schräg und sehr steinig sind die Plätze, kalt ist es und auch die Toilettensituation war nichts für empfindliche Gemüter. Fünf Tage lang war aus Rücksicht auf die islamischen Traditionen das Waschen – wenn man das so nennen kann – nur im Zelt mit Feuchttüchern möglich. Doch die Frauengruppe hatte gewusst, worauf sie sich einlässt, und genoss nicht nur die beeindruckende, wenn auch karge Natur, sondern auch den Kontakt zu den Menschen, die in diesem unwirtlichen Gebiet leben und arbeiten.
Vier halbnomadische Kurdenfamilien aus der Region leben davon, dass sie die Bergsteiger begleiten und das Gepäck mit Pferden transportieren. Die Bergführer leben zum Teil nur während der Saison am Ararat und betreuen in einem regen Pendelverkehr die zahlreichen Bergsteigergruppen.
Das Gemeinschaftserlebnis, eine solch schwierige Tour geschafft zu haben, sich gegenseitig zu motivieren und sich dann auch gemeinsam freuen zu können, das zählt für Birgit König mehr als die rein sportliche Seite. Das übermütige Steigeisenballett beim gleichwohl mühsamen Abstieg, das gemeinsame Abendessen und die Stadtbesichtigung in Istanbul sind ebenfalls Erinnerungen, an denen König die fast 30 Zuhörer teilhaben ließ. So begeistert, wie Birgit König von ihren Reiseerfahrungen berichtete, wundert es nicht, dass die nächste Powerfrauen-Bergtour schon geplant ist.
Autor: Juliana Eiland-Jung
