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21. Dezember 2012

Live-Schicht in Lahr

Stromarmes Finale grande

Henning Lehmann und Freunde sagen beim Abschied von der Reihe Live-Schicht ein lautes Servus.

  1. Henning Lehmann (links) verhalf dem Publikum der Live-Schicht-Dernière zur Entdeckung des Sängers und Gitarristen T. Bo Gawer aus Ettenheim. Foto: Christoph Breithaupt

LAHR. Aus die Maus. Am Mittwoch gab es die allerletzte Live-Schicht im Lahrer Schlachthof, natürlich vor großem Publikum. Und es war vielleicht die schönste überhaupt. Henning Lehmann wollte zum Abschluss einen akustischen Abend haben. Uli Bohnert und seine Gitarre eröffneten, mit Songs von "Ruby Tuesday" von den Stones bis zu "Days Like This" von Van Morrison, alles mit Countryfeeling interpretiert.

Bohnerts Stimme hat ein bisschen Ähnlichkeit mit der von Don Williams. Sehr schön war seine Fassung des Smokie-Hits "If You Think You Know How To Love Me", der mit Country-Bariton ganz unschnulzig klingt.

Die einzige Band des Abends war "Sonic Circus" um Bassmann Jochen Ress und Gitarrenhexer Tommy Sauter. Die Band klingt ungesteckert fast noch besser als voll elektrisch. Sauters Riffs auf der Akustischen packen, seine Soli auch. Drummer Markus Karotsch macht Druck mit einem Mini-Drumkit. Ress spielte mit E-Bass, was sich aber supergut in den Unplugged-Sound einfügte. Tastenmann Joachim Kieltsch bediente auch hier die Tasten – am Akkordeon. Flächiger Akkordeonklang, unter die Akustische gezogen, flockender Bass-Schlagzeug-Groove, und dreistimmiger Harmoniegesang – so klingen Americana aus Lahr-Friesenheim! Und die vier sind Showleute! Mitklatschen, mitsingen – das passiert völlig unaufdringlich fröhlich. Vielleicht überlegt sich das Quartett mal einen kompletten Auftritt in dieser Art, auch wenn die Unplugged-Welle mittlerweile verebbt ist.

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Programmmacher Henning Lehmann: "Es war eine superschöne Zeit."

Natürlich ging auch Henning Lehmann als Macher der Reihe auf die Bühne, und er hat den einen oder anderen Song im Gepäck, den man von einem Singer-Songwriter-Auftritt nicht unbedingt erwartet. Etwa "Love The One You’re With" von Stephen Stills. Es ist schon klasse, wie Hennig das macht: Viril, sprühend, die Akustische knallt nach vorn, der Gesang ist kraftvoll und fordernd. Später am Abend überredete er seinen Duo-Partner Axel Deyda zu einigen Duetten. "Deyda & Lehmann haben einige Pläne", berichtet Henning Lehmann. Deshalb habe er sich vor einiger Zeit schon entschlossen, die Live-Schicht nicht weiterzuführen: "Es ist sehr zeitintensiv, und ich möchte mich auf anderes konzentrieren." 58 Liveschichtkonzerte habe er seit September 2011 veranstaltet. Sein persönliches Highlight sei der Auftritt von Carlos Dalelane aus Berlin gewesen. "Hier aus der Region und vom Besuch her waren es Atze-Datze, Rockin’ Carbonara und meine Allstar Band." Der Blick zurück sei ohne Groll: "Es war eine superschöne Zeit!" Wie es weitergeht? "Nicht als Live-Schicht, soweit mir bekannt ist." Der neue Pächter wolle allerdings auch Live-Musik anbieten.

Lehmann präsentierte auch einen bislang kaum bekannten Künstler, T. Bo Gawer aus Ettenheim, ein Mann mit einer Stimme, die an Tom Waits erinnert. Mit ihm und mit Axel Deyda setzte er den Schlusspunkt hinter die Live-Schicht. Als Trio boten sie ganz zum Schluss Leonard Cohens "Bird On The Wire." Viel Beifall und Jubel beim Publikum – und leises Bedauern. Immerhin hatte die Live-Schicht in 16 Monaten über 4000 Gäste. Lahr wird etwas fehlen.

Autor: Robert Ullmann