Theurer: "Europa im Blick, die Heimat im Herzen"

wob

Von wob

Mo, 19. Mai 2014

Lahr

Der FDP-Spitzenkandidat im Land für die Europawahl bei den Liberalen in Lahr / EU nicht nur im Krisenmodus wahrnehmen.

LAHR (wob). "Wenn es die Europäische Union nicht gäbe, müssten wir sie erfinden", sagt der FDP-Europaabgeordnete Michael Theurer am Donnerstag bei der Eröffnung des Wahlkampfendspurts im "Löwen". 20 Liberale sind der Einladung des FDP-Stadtverbandes gefolgt, um mit dem FDP-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten der Landes-FDP über Europa zu diskutieren.

30 Minuten spricht der überzeugte Schwabe und bekennende Spätzlefan im "Löwen" über Europa und den Machtverlust der Liberalen, denen im Land ein eisiger Wind entgegen bläst, seit die FDP aus der Regierungsverantwortung in Bund und Land geflogen ist. Der Abgeordnete, der seit 2009 dem Europaparlament angehört und die freiheitlich-demokratischen Ideen der Bürger- und Mitmachpartei für 500 Millionen Menschen in 28 Mitgliedstaaten in Straßburg und Brüssel vertritt, ist Vorsitzender des Haushaltskontrollausschusses sowie Regional- und Kommunalpolitischer Sprecher der FDP im Europäischen Parlament. Theurer macht bei seinem Besuch den Lahrer Liberalen nichts vor. Er schenkt ihnen reinen Wein ein und beschreibt ohne Umschweife den Ernst der Lage: "Die Marke der FDP ist beschädigt", sagt der frühere Oberbürgermeister von Horb. Er will mit Unterstützung seiner Parteifreunde im Europaparlament das Vertrauen zurückgewinnen. Die Partei muss wieder als politische Kraft wahrgenommen werden, so seine Botschaft, letztlich komme es am 25. Mai auf jede Stimme an.

Zuversichtlich zeigt sich Theurer über die Entwicklung der FDP im Land: 320 neue Mitglieder in Baden-Württemberg seit dem Wahldebakel in Berlin und mehr als 3000 auf Bundesebene: "Wenn das nichts ist." Dann geht der Europaabgeordnete auf die politischen Gegner ein, die in der Großen Koalition ebenso sitzen wie in der AfD oder im europäischen Parlament. Nicht nur, dass die Alternative für Deutschland (AfD) seine Partei an Wählergunst überholt habe, erschreckt den 47-jährigen Liberalen, sondern die Tatsache, auf welch "dreiste Art" die AfD sich bemühe, im rechten Spektrum die Wähler zu umwerben. Als "unterirdisch grausam" bezeichnet Theurer die AfD-Methoden, nachdem er die Vorzüge liberaler Ideen dargelegt hat: "Freiheit, Fairness und Mittelstand" waren seine Schlagworte. Dass Europa weniger Bürokratie brauche, macht der Parlamentarier am EU-Verbot energieintensiver Staubsauger fest. "Ein Öko-Dirigismus führt in die falsche Richtung" sagt Theurer, der dafür plädiert, den Bürgern ihre Freiheiten zu lassen. Was Theurer von der Bildungspolitik hält, wollte FDP-Fraktionsvorsitzender Jörg Uffelmann wissen: Der Europakandidat plädierte für mehr Qualität statt Ideologie. Theurer mahnte, Europa nicht nur im Krisenmodus wahrzunehmen. Für den Landesvorsitzenden ist die EU ein Glücksfall, von der viele Staaten, Deutschland aber am meisten profitierten. Wer in ethnische, nationalistische Denkmuster verfalle, habe verloren, sagte Theurer auch an die Adresse der AfD. Zufrieden müssten die Menschen in Europa sein, dass es seit 1945 gelungen sei, die Schlachtfelder durch Verhandlungstische zu ersetzen. Theurer: "Offene Grenzen für die Bürger und für Waren und Dienstleistungen sind die größten Errungenschaften der europäischen Einigung und müssen erhalten bleiben."