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04. Juli 2008
Trost und Hilfe in schweren Stunden
Die Notfallbetreuung des DRK besteht seit zehn Jahren / Auch schon einmal drei Fälle pro Tag
LAHR. Der Arbeitskreis Notfallbetreuung Ortenau – Bereich Lahr – des Deutschen Roten Kreuzes feiert in dieser Woche sein zehnjähriges Bestehen. Bei ihren Einsätzen leisten die Notfallbetreuerinnen und Notfallbetreuer ehrenamtlich und unentgeldlich erste psychologische Hilfe sowie organisatorische Unterstützung.
"Wir dachten in den 90er Jahren schon länger darüber nach, unsere Mitarbeiter nach belastenden Einsätzen zu stützen", sagt Robert Ibig, Mitbegründer des Arbeitskreises und Leiter der DRK-Rettungswache in Lahr. "Als sich ein Feuerwehrmann nach einem schweren Busunglück bei Villingen-Schwenningen das Leben nahm, wussten wir, es muss etwas getan werden". So konnten sich die Helfer bald darauf anonym an Martin Jakubeit, Mitbegründer und Psychologe bei der Bereitschaftspolizei, wenden. Doch Robert Ibig, Martin Jakubeit und Polizeioberkommissar Claus Groh, der mittlerweile gestorben ist, stellten sich sogleich die Frage: Was macht beispielsweise eine alte Dame, die wie versteinert auf den eben verstorbenen Ehemann blickt und zunächst ganz auf sich allein gestellt ist? Also gründeten die drei 1998 in Lahr die erste Notfallbetreuung in der Ortenau mit 13 Mitarbeitern.
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Momentan stehen 23 ehrenamtliche Helfer bei Unfällen, bei schweren Krankheiten oder bei plötzlichen Todesfällen jenen Menschen in den ersten Stunden mit Rat und Tat zur Seite, die einen Angehörigen verloren haben oder Augenzeuge eines schweren Unfalls wurden. Denn wenn die Rettungskräfte nach dem Einsatz sofort wieder abziehen, bleiben Menschen zurück, die oft unter Schock und hoher seelischer Anspannung stehen. Dann gilt es, Hilfe zu leisten. Die kann darin bestehen, Angehörige zu informieren, Organisatorisches zu erledigen, mit den Betroffenen zu sprechen oder einfach da zu sein und Trost und Nähe zu geben. Die erste psychologische Hilfe ist keine Therapie, doch sie soll in den schweren Stunden danach Struktur und Halt geben. So gehen die Helfer zum Beispiel mit einer Mutter, die nicht begreifen kann, dass ihr Kind tot ist, in die Leichenhalle oder geben Kleinkindern, die das Geschehene noch nicht richtig begreifen, einen Teddy, an dem sie sich festhalten können. "Wir können die Trauer nicht schmälern und auch niemanden mehr lebendig machen", sagt Jakubeit. "Doch wir können einen Boden schaffen, auf dem die Trauer sein kann, damit die Leute nicht zusammenbrechen." Die Helfer werden für solche Einsätze geschult, laufend fortgebildet und es finden Nachbesprechungen statt, um das Erlebte zu verarbeiten.
"Es ist für mich besonders toll und beeindruckend, dass wir in den zehn Jahren jeden Einsatz besetzen konnten", sagt Ibig. Statistisch gesehen würden die Mitarbeiter zweimal pro Woche gebraucht. Doch in der Realität seien es auch schon mal drei Notfälle pro Tag gewesen. Die Helfer seien hierbei sehr engagiert und hätten für Einsätze auch schon den Arbeitsplatz nach Genehmigung verlassen. Eine große Motivation sei auch die Dankbarkeit und Anerkennung, die bisher nie ausblieb. Durch diese Rückmeldung von Angehörigen sehen die Notfallbetreuer, dass ihr Einsatz etwas bewirkt hat und sie helfen konnten, so Ibig. "Uns freut auch, dass es bei der Notfallbetreuung in Lahr eine so starke Kooperation und einen ständigen Dialog einzelner Institutionen gibt", sagt Jakubeit. Feuerwehr, Kirche, Klinikseelsorge, Polizei und DRK haben keinerlei Berührungsängste. "Sie arbeiten nicht nebeneinander her, sondern miteinander, womit das Bestmögliche für Helfer und Betroffene erreicht werden kann", so Jakubeit. Lahr sei ein gelungenes Modell. Die Vision der beiden ist, dass es ausreichend Kriseninterventionsdienste und qualifizierte Helfer für den ganzen Landkreis gibt. Info: Am Samstag, 5. Juli, feiert der Bereich Lahr um 18 Uhr sein zehnjähriges Bestehen in Räumen der Lahrer Bereitschaftspolizei.
Autor: Mareike Mayer
