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07. Oktober 2011
Um 74 Millimeter dreht sich die Welt
Menschen und Sport: Frank Maurer von der Boule-Connection Lahr hat früh seine Passion gefunden.
BOULE. "Ein Mann wie ein Baum spielt keine 650-Gramm-Kugel." Wie er das sagt, dreht er seine 690-Gramm-Kugel sinnierend in der Hand. Exakt 74 Millimeter Durchmesser hat die silbern glänzende Kugel und sichtlich Gebrauchspuren – handvermessen ist sie, extra für ihren Besitzer Frank Maurer. Der junge Mann sitzt im Schatten unter einer Platane und schaut gelassen dem Boulewettkampf zu. Frank Maurer ist ein Denker, in sich gekehrt und sehr konzentriert mit dem Blick für die kleinen Dinge. Und die seien beim Pétanque ausschlaggebend, erklärt er. Seine Stärke? "Das Wegschießen der gegnerischen Kugel – und das ist eine Frage des Trainings", betont der 20-Jährige.
Zielgenauigkeit und Effet geben gehörten ebenso dazu. Und ganz wichtig sei die Beobachtung des Gegners. Sagt’s und schaut genau hin. "Wer die Stärken und Schwächen seines Gegners kennt, legt Schweinchen und Kugel richtig vor", sagt Maurer. Er muss es wissen. Frank Maurer ist kein Hobby-Boulist, er spielt Pétanque und ist kein Geringerer als der amtierende deutsche Vizemeister im Präzisionsschießen. In Rastatt musste sich Frank Maurer, Mitglied der Boule-Connection Lahr-Ettenheim, kürzlich im "Tir de précision" seinem Vereinskameraden Niclas Zimmer, dem amtierenden Deutschen Meister, – beide spielen übrigens für den PC Burggarten Horb in der Bundesliga – geschlagen geben.
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Trainiert haben ihn in Ettenheim Matthias Junker, später Klaus Eschbach, der Präsident des Deutschen Boccia-, Boule- und Pétanque-Verbands (DBBPV). Auch mit seinem Vater habe er oft trainiert. "Jetzt ist er mein Betreuer, Organisator und Manager", sagt Maurer.
Seine nächste Reise geht nach Dänemark. Er wird im Oktober bei der Pétanque-EM als Mitglied des Juniorennationalkaders die deutschen Farben vertreten. Maurer wurde 2003 BW-Jugendmeister, ab 2004 dreimal Deutscher Meister und war 2007 bereits bei der Nachwuchs-WM in Japan mit dabei. Seine Referenzen lesen sich wie eine Karriere im Bilderbuch. Dabei ist der Rheinhausener ziemlich unspektakulär zum Boulesport gekommen – wo anders als in der Heimat der Boule-Sportart, bei einem Urlaub mit den Eltern in der Provence? Zehn Jahre alt war Frank Maurer damals. "Nach einer Ballonfahrt wurde erstmal Boule gespielt", erinnert er sich. Die Leidenschaft hielt sich noch in Grenzen. Zurück in der Heimat nahm sein Vater Theo Maurer Kontakt mit Uli Günderoth, dem Vorsitzenden der Boule-Connection Lahr-Ettenheim, auf. Mutter Martina und Vater Theo wollten unbedingt Boule spielen und nahmen ihren Spross einfach mit. Erste Turniere, erste Meisterschaften. Mit dem Erfolg kam die Leidenschaft für die kleine Kugel. Er habe er wie fast jeder Junge Fußball gespielt. Nach einem "saumäßigen Bruch des Mittelfußknochens" sei seine Fußballzeit zu Ende gewesen. "Außerdem kamen beim Boule sehr früh die großen Erfolge und das spornt an", sagt Frank Maurer. Ob er Fußball vermisse? "Eher nicht", so Maurer. "Beim Fußball seien neunzig Minuten körperliche Fitness auf dem Platz gefordert. Dem stünden beim Pétanque sieben Stunden geistige Anstrengung gegenüber. "Wenn man sieben Spiele am Tag gemacht hat, dann merkt man das."
2001 begann er als Boulist. Sein Durchbruch kam 2003 mit dem Titel des Baden-Württembergischer Meisters und über weitere Turniersiege wurde Frank Maurer kurz drauf für den Landeskader nominiert. Ab 2004 war dem talentierten Jugendspieler die Teilnahme bei der Deutschen Jugendmeisterschaft sicher. Drei Titel und später bei den Herren als "jüngster Finalteilnehmer zweimal Vizemeister", nennt Maurer seine persönlichen Fixpunkte. Wichtig sei für ihn auch die Teilnahme an der WM 2007 in Japan (9. Platz) und die Europameisterschaft in Holland 2008 (5. Platz) gewesen. Und was haben die Freunde zu einer so exotischen Sportart gesagt? "Als die gemerkt haben, welche Erfolge ich habe, wie ich in der Welt herumkomme, haben sie auch erkannt, dass dies kein Altmännersport ist."
Ein letzter Blick auf den Bouleplatz, einen auf die Kugeln in seiner Hand. Er klappt die Holzkiste zu. "Das Muster der Kugeln spielt übrigens keine Rolle. Wichtig sind Größe und Gewicht, damit die Boule optimal die Hand verlässt."
Autor: Bettina Schaller
