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16. April 2014 16:09 Uhr

Grüner Verkehrsminister,schwarzer Tunnelbauer

Ungewöhnliche Koalition für Güterverkehrszentrum in Lahr

Der grüne Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann und der schwarze Tunnelbauuntenehmer Martin Herrenknecht sind sich in einem Pnkt einig: der Unterstützung eines Güterverkehrszentrums auf dem Flugplatz Lahr.

  1. Martin Herrenknecht zeigt Winfried Hermann seine Tunnelbohrmaschinen. Foto: Herrenknecht

  2. Verkehrsminister Winfried Hermann (dritter von links) beim Besuch in Lahr mit Tunnelbauunternehmer Martin Herrenknecht, MdL Thomas Marwein, Andreas Schwarz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller und Markus Ibert von der IGZ . Foto: Christoph Breithaupt, Christoph Breithaupt

LAHR. An seiner Haltung zu Code 24 und der Trassenfrage hat Verkehrsminister Winfried Hermann bei seinem Besuch auf dem Lahrer Flugplatz-Areal keinen Zweifel gelassen: "Als Umschlagplatz für den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene gibt es in ganz Baden-Württemberg keinen geeigneteren Standort – vorausgesetzt es gelingt, die beiden Bahngleise an die Autobahn zu bringen."

Dies habe eine landesweite Studie zu Standortqualitäten ergeben. Im Koalitionsvertrag sei als zentrale Aufgabe festgeschrieben, dass das Land angesichts weiterer Zuwächse im Güterverkehr Mobilität und Transport klimafreundlicher organisieren müsse. Aus diesem Grund sei man auf der Suche nach Standorten, an denen die Verladung von Gütern auf die Schiene verkehrlich optimal bewerkstelligt werden könne – ohne dabei die Bevölkerung in Gemeinden durch neuen Verkehr zu belasten. "Lahr eignet sich dazu optimal. Es gibt den direkten Autobahnanschluss. Es gibt ausreichend Fläche für ein modulares Konzept, bei dem ganze Züge inklusive Container verladen werden können."Auch aus ökonomischer Sicht sei der Standort qualifiziert, weil hier Transport und Logistik verknüpft werden könnten: "Das macht die Wertschöpfung aus", so Minister Hermann. Eine Untersuchung habe zudem ergeben, dass der Ortenaukreis noch vor dem Großraum Stuttgart zu den 20 Regionen in Deutschland zähle, die das höchste Transportaufkommen haben. "Baden-Württemberg hat größtes Interesse, dass aus der Idee eines multimodalen Zentrums Realität wird. Hindernisse müssen wir gemeinsam überwinden."

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Und wenn die Autobahnparallele nicht kommen sollte? "Dann wäre eine ideale Umsetzung nicht möglich, die die Qualitäten des Standorts nutzt", sagt Winfried Hermann. Auch wenn derzeit noch offen sei, mit welcher Trasse die Bahn ins weitere Verfahren geht, er halte die Autobahnparallele klar für vorzugswürdig: "Sie ist aus meiner heutigen Sicht die einzig mögliche und beste Trasse."

Die Unterstützung der Grünen sicherte auch Andreas Schwarz, der verkehrspolitische Sprecher und stellvertretende Vorsitzende der Fraktion zu. Angesichts der prognostizierten Wachstumsraten im Güterverkehr führe kein Weg an einer Verlagerung auf die Schiene vorbei. Schwarz lobte Müller für die Hartnäckigkeit, mit der er das Projekt weiter vorangetrieben habe und bestärkte ihn, den Weg weiterzugehen und die Raumschaft mit einzubinden. Martin Herrenknecht muss er dabei nicht mehr überzeugen. Der Interims-Betreiber des Flugplatzes hatte sich früher schon klar zum Güterverkehrszentrum im Lahrer Westen bekannt und seine Position gestern noch einmal bekräftigt: "Wenn wir den Standort verbauen, verbauen wir uns die Zukunft."

"Eine einmalige Allianz aus schwarz, rot und grün"

Schmunzelnd diagnostizierte Winfried Hermann darob eine "einmalige Allianz aus schwarz, rot und grün". Die sei wichtig. Das Projekt brauche eine breite Unterstützung. Skeptisch bewertete er die Erfolgsaussichten einer Einbeziehung des Flugplatzes: "Der größte Teil des Güterumschlags auf dem Flughafen Stuttgart läuft über Lkws nach Frankfurt und München." Chancen gibt er allenfalls Spezialtransporten. "Der Flugplatz ist ein Zusatznutzen, zählt aber nicht zur Kernidee."

Auch beim Grünen-Bürgerempfang im Stiftsschaffneikeller am Dienstagabend hatte Hermann für das Güterverkehrszentrum geworben, dabei aber Widerspruch geerntet. Alexander Schröder, Bürgermeister von Meißenheim, kritisierte gegenüber der BZ die frühe Positionierung des Verkehrsministers für das Güterverkehrszentrum und damit für die Autobahnparallele: "Er hat sich damit alle Chancen genommen, eine Moderatoren-Rolle zu übernehmen. Wenn er sich so positioniert, dann muss ich an seiner Unparteilichkeit zweifeln" (über den Bürgerempfang werden wir noch berichten).

Autor: Manfred Dürbeck und Christian Kramberg