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27. Juni 2015

Nummernschilder

URTEILSPLATZ: Ein WOL-F bliebe Lahr

In globalisierten Zeiten, da alles ins Schwimmen kommt und frühere Gewissheiten ziemlich rar geworden sind, versucht sich der Zeitgenosse seiner Identität zumindest im Kleinen zu versichern. Dass das mit Gefahren verbunden ist, darauf hatte schon der gute alte Adorno hingewiesen. "Bei manchen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen", hatte er in Theoriezeiten in der ihm eigenen Überheblichkeit trocken notiert. Dabei wusste er noch gar nicht, was man mit Nummernschildern alles anrichten kann. Zum Beispiel: Identität stiften und verloren gegangenes Zusammengehörigkeitsgefühl wiederherstellen. Oder das, was man halt so dafür hält. Wer keinen eigenen Wagen hält, muss eben in die Röhre schauen. Zusammengehörigkeit hat ihren Preis. Das Leben ist hart.

Tja, das Nummernschild. Wer den Blödsinn begonnen hat, tut nichts mehr zur Sache. Fakt ist, dass aus Gründen des Regionalmarketings auf der nach oben offenen Skala der Identitätsstiftung der Kreistag des Ortenaukreises dem Drängen von Oberbürgermeistern nachgegeben hat, die mit der Kommunalreform Anfang der 1970er Jahre nicht nur die Kreissitze, sondern auch ihre Nummernschilder verloren hatten. Seitdem fahren Bühler (früher: BH), Lahrer (LR) und Wolfacher (WOL) mit OG umher, was übel meinende Zeitgenossen in "Ohne Gehirn" übersetzt hatten. Im Dezember 2013 machte eine deutliche Mehrheit im Kreistag den Weg frei für die Wiederbelebung der alten Kennzeichen. Während sich die Wolfacher für diese Möglichkeit nicht so recht erwärmen wollten, brach in Lahr ein echter Run auf LR aus. Die 10 000er-Marke ist längst überschritten. Und die Identität feiert fröhliche Urständ. Dabei böte der erste (dummerweise bei Lahr verschiedene) Landes-Wolf im Land den Lahrern die Möglichkeit, mit einem echten Alleinstellungsmerkmal auf dem Gefährt durch die Landschaft zu brettern. Wie wär’s mit WOL-F? Auch als Lahrer wäre das zulässig. Kleiner Tipp für den kleinen Kandidaten der Christdemokraten, der bislang damit vorlieb nehmen muss, mit Wolfsgeheul als Handy-Klingelton auf sich aufmerksam zu machen: Guido könnte nach einem kleinen Umzug in die Ortenau auch noch mit WOL-F auf Wählerstimmenfang gehen.

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Autor: Manfred Dürbeck