Vier Stimmen und ein Song

Robert Ullmann

Von Robert Ullmann

Fr, 18. Dezember 2009

Lahr

Mit Doug Grose ist I.F.E. United jetzt komplett und probt

LAHR. Im Proberaum wird kräftig geübt. Zum Beispiel Gesangssätze, vier- bis fünfstimmig, für den Auftritt im Schlachthof am Vorabend des vierten Advent. Allerdings werden zu diesem Anlass nicht Choräle gesungen. Es wird gerockt, gefolkt und gebluest. I.F.E. United befindet sich in den Schlussproben. Und ein Stündchen mit der Band im Proberaum zeigt: Da entsteht eine tolle Sache.

Zum Beispiel "Dedicated to the one I love", 1967 ein Hit für die Mamas & Papas. Das Stück hat komplexe Gesangsharmonien. "Wir waren die einzigen weit und breit, die so was im Programm hatten", sagt Bassmann und Leadsänger Wolfgang Ede Lauer stolz. In der Tat: Klampfen und drummen konnten damals in der Beat-Ära viele Bands in Deutschland. Jedoch die mehrstimmigen Vokalsätze der Ami-Gruppen hinzukriegen – das war eine andere Sache. Ede Lauer: "Wir wollten das. Wir wollten vierstimmig singen. Das war unser Ehrgeiz." Und der ist auch jetzt bei den Proben zu spüren. Instrumental sei man trotz der langen Zeit – die Gruppe löste sich 1969 auf und traf sich seitdem lediglich 1996 zu einem Reunion-Konzert wieder – recht rasch wieder drin gewesen. Die Stimmsätze aber werden regelrecht gepaukt.

Lauer und Keyboarder Roland Zitzlaff sind so etwas wie das Zentrum, sie haben immer wieder in Bands zusammen gespielt und gesungen. "Unsere Stimmen sind aufeinander eingesungen", sagt Zitzlaff. "Wir müssen nur noch die anderen drum herum gruppieren." Die anderen sind Isolde Wawrin, Künstlerin aus Altdorf, Gitarrist Wolfgang Huck, der mittlerweile in Bonn lebt, und der Kanadier Doug Grose. Huck und Grose sind eigens für das Konzert und die Proben nach Lahr angereist. "Wir haben Wolfgang eine Mail geschrieben, dass mit der Band was im Busch ist", erzählt Roland Zitzlaff. "Zwei Stunden später war die Antwort da: Ich bin dabei." Doug kam per Flugzeug aus Ottawa, landete am Mittwochmorgen in Frankfurt. Am selben Abend stand er im Proberaum, müde, aber voll dabei.

Ein Glück auch, dass die Original-Arrangements von I.F.E. United noch immer existieren. Zitzlaff zeigt eine sauber abgeheftete Sammlung mit Akkorden und den Anfangstönen der Vokalsätze. Einen Teil der Sachen habe er aufgehoben, den Rest hatte Ede Lauer. Das Programm am Samstag besteht zu 90 Prozent aus Songs, die die Band damals in ihren Konzerten spielte, plus ein paar neuere Titel, gestandener Rock, etwa von John Hiatt. Die I.F.E. United-Mischung besteht aus Folk- und Gospel wie "Sing Hallelujah" oder "Take that Hammer", aus Psychedelic-Knallern wie "Season of the Witch", aus Blues und Soul plus aus gehobenem Pop, zum Beispiel Barry Ryans "Eloise", das Doug singt, Carole Kings "Natural Woman" oder eben "Dedicated to the one I love". Ede Lauer war der erste Sänger der Band, seine raue Reibeisenstimme ist vermutlich heute noch markanter als damals. Dann brachte Isolde Warwin die "weibliche Note" ins Ensemble, mit den Hammond-lastigen Stücken von Julie Driscoll & Brian Auger oder mit Soulnummern von Aretha Franklin. Zuletzt stieß Doug zur Band. "Ein paar Sachen habe ich noch mit Isolde zusammen gesungen", erinnert er sich, "dann ging sie weg, studieren."

Doug Grose, Sohn eines Airforce-Offiziers, lebte nur rund zwei Jahre in Lahr, dann ging er nach Kanada zurück. Statt zu studieren trieb er sich erfolglos in Rockbands herum, bis er The Crayons gründete, die in der kanadischen Hauptstadt auch heute noch einen guten Ruf haben. Inzwischen betreibt er eine Firma für Webdesign, betreut unter anderem die Homepage der legendären Turtles, die er auch persönlich gut kennt. Zuletzt war er vor zwölf Jahren an der Schutter, aber er hat E-Mail-Kontakt mit Lauer, Zitzlaff und Drummer Horst Munz, von dem der Vorschlag zur aktuellen Wiedervereinigung kam. Und wie sieht es aus mit der Nervosität wegen Samstagabend? "Kein bisschen", erklärt Roland Zitzlaff launig, "und wenn, geben wir’s einfach nicht zu."

Info: I.F.E. United spielen morgen, Samstag, 20.30 Uhr, im Schlachthof. Die Moderation hat Joachim Bauer. Karten im Vorverkauf bei der BZ, im Musikhaus Eichler und im Kulturbüro. Eintritt: 10 Euro, mit BZ-Card ermäßigt für 8 Euro. Der Reinerlös kommt der Weihnachtsaktion der BZ zugute.

Weitere Berichte und Hörproben gibt es unter www.badische-zeitung.de