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21. Februar 2011
Voller Süße und innerer Ruh’
Noam Vazana aus Jerusalem begeistert Schlachthof-Publikum mit Stimme und Klavier.
LAHR. Sie stammt aus Israel, singt in Englisch, ist eine ausgezeichnete Pianistin und eine sehr starke Songschreiberin. Am Samstagabend bot Noam Vazana im gut besuchten Schlachthof einen Abend, der zu den besten in der Reihe "Songs’n’Singers" gehörte.
Ziemlich auffällig, eine Art Markenzeichen, ist die Posaune. Sie ist auf einen Ständer montiert, schwebt so über dem Flügel, das Mundstück nahe beim Mikrophon. Vazana untermalt auf ihr Instrumentalpassagen, mit langgezogenen Tönen. Ab und zu gibt es kleine Soli, einmal auch ein längeres Solo. Dabei bedient sie den Zug mit der rechten Hand, wobei die linke auf dem Klavier die Grundakkorde weiter spielt. Es ist trotzdem mehr, als ein optischer Aufreißer. Die junge Frau aus Jerusalem spielt keine schlechte Posaune, weicher, schöner Ton, ab und zu grollende "Growl"-Effekte – das bekannte Tiger-Brüllen der Old-Time-Jazz-Posaunisten.
Entscheidender für den ausgezeichneten Abend sind jedoch das Klavierspiel, der Gesang, die Songs. Vazana beginnt mit einer Art Schlaflied. Immer wieder kommt das Wort "Lullabye" darin vor. Es ist ein Lied voller Süße und innerer Ruhe. Und trotzdem aufregend. Da ist diese tastende Klaviereinleitung. Dann der Gesang, fast schon magisch, wispernd zunächst. Die Stimme taumelt in die Höhe, sie ist leicht, aber nicht verhaucht, in der Mittellage wird sie kehlig.
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Gern legt Naom Vazana ein bisschen raues Raspeln drauf. Sie singt von Vögeln, von Mondlicht, gibt der Wisperstimme in der Höhe plötzlich Kraft, wie bei einem leidenschaftlichen Ausbruch, mit drängenden Klavierakkorden, lässt sie mit dieser Leidenschaft in den Keller purzeln für ein paar rasch ausgestoßene Phrasen. Stimme und Klavier beruhigen sich, das Wispern kehrt zurück, die Leichtigkeit, der Mondnachtzauber. Das Publikum ist hingerissen.
Anderes ist stark rhythmisch. Vazana spielt dann einen Stakkato-Stil, stanzt die Akkorde und Läufe ins Klavier. Bei "Call you from Syria" gibt sie eine Scat-Einlage zu einem kraftvollen Klaviersolo. Trotz einer jazzigen Wendung da und dort haben ihre Songs mit der Musik von am Jazz orientieren Kolleginnen wie Diana Krall nichts gemein. Vazana nimmt bei den schnelleren Stücken gern eine auffällige Phrase, eine Ton-Figur, ein Klavier-Riff. Sie wiederholt das immerzu. Der Gleichlauf erschafft einen Sog, zerrt den Zuhörer in den Song hinein. Dann bricht sie das Riff ab – und hat als Kontrast für den Refrain eine ihrer berückenden, einprägsamen Melodien.
Manchmal macht sie das ganz lässig, sitzt mit übereinander geschlagenen Beinen am Klavier und tupft diese quirligen Stakkati in die Tasten. Die langsamen Stücke sind Klavierballaden, sehr stimmungsvoll und romantisch. "Churchbells all around" beginnt mit einem Glockenschlag-Thema, das den ganzen Song über immer wieder auftaucht. "Ich singe über Ex-Liebhaber und Politik", sagt sie scherzhaft.
Dann stimmt sie "David’s Lament" an, eine Ballade über einen Lover, der an ihr herum erzieht, anstatt sie zu nehmen, wie sie ist, und der jammert, als sie geht. Da verbindet sich Sprachwitz und leise Ironie mit Melancholie und Nachdenklichkeit. Eine Mischung, die diesen Solo-Abend faszinierend machte.
Autor: Robert Ullmann
