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12. August 2010

Vom Handgelenk zum Herzen

Bis zu 70 Prozent der Katheteruntersuchungen am Herzzentrum erfolgen über einen Zugang an der Hand.

  1. Der Hybrid-OP am Lahrer Herzzentrum ist zu einer wichtigen Säule bei Katheteruntersuchungen geworden. Auf dem Bild (von links) bei der Vorstellung des Geräts Kardiologie-Chefarzt Eberhard von Hodenberg, Leitender Chirurgie-Oberarzt Ulrich Rosendahl und Fachkrankenpfleger. Foto: bz-archiv heidi Fössel

  2. Wann immer möglich, versuchen die Kardiologen am Herzzentrum Katheteruntersuchungen über einen Zugang am Handgelenk vorzunehmen. Die Patienten empfinden dies als angenehmer. Foto: mediclin

LAHR. Im Herzzentrum Lahr/Baden, betrieben von der Mediclin AG, wurden im vergangenen Jahr deutlich mehr als 5000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Damit konnten die Zahlen des Vorjahres erneut erreicht werden. Nach Angaben von Professor Jürgen Ennker, dem Ärztlichen Direktor der Klinik, wurden 2009 bei 2547 Operationen insgesamt 1500 Operationen am offenen Herzen bewältigt. In der Kardiologie von Professor Eberhard von Hodenberg gab es 1750 Herzkatheteruntersuchungen.

Dazu kommen 450 Ballonerweiterungen mit Stenteinlage und über 500 elektrophysiologische Eingriffe. Nach Angaben der Klinik, die etwa 400 Mitarbeiter beschäftigt, wurde vergangenes Jahr ein "stabiler Umsatz von etwa 40 Millionen Euro erzielt".

Ennker, seit 16 Jahren ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie sagt, er gehe offen mit den Operationsergebnissen der herzchirurgischen Klinik um. Er kann auf die Erfahrung von etwa 26 000 Operationen am offenen Herzen in Lahr verweisen. "Wir legen die Zahlen auf den Tisch", betont er und bemängelt, dass andere Kliniken dies nicht tun: "Transparenz ist eine ethische Bringschuld eines jeden Akteurs im Gesundheitswesen", sagt er. Ein Ergebnis ist ihm dabei wichtig: "Wir operieren schwerer erkrankte Patienten erfolgreicher als andere Kliniken". Dazu gibt es Statistiken, die das untermauern. So liegt die Sterblichkeit bei der reinen Herzklappenchirurgie (ohne Bypassoperationen) im Herzzentrum Lahr bei 1,6 Prozent, im Bundesdurchschnitt (nach Auswertung der Deutschen Gesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie) bei 4,7 Prozent. Bei der isolierten Aortenklappenchirurgie liegt die Sterblichkeit im Lahrer Herzzentrum bei 1,1 Prozent, im bundesweiten Durchschnitt von knapp 80 Herzkliniken bei 2,9 Prozent. Lückenlos dokumentiert weist das Lahrer Herzzentrum nach, dass 98,2 Prozent seiner Patienten 30 Tage nach der Operation lebten, der bundesweite Schnitt liegt bei 73,6 Prozent. Bei 23 Prozent aller Patienten bundesweit machen die Kliniken keine Angaben mehr zur Situation der Patienten (unbekannt oder keine Angabe). Der Anteil der Patienten, die eine Herzoperation benötigen, nachdem sie zuvor schon Stents implantiert bekamen, liegt in Lahr bei 10,9 Prozent, bundesweit bei 4,7 Prozent und der Anteil von Zweiteingriffen liegt am Lahrer Herzzentrum bei 12 Prozent, bundesweit bei 8,7 Prozent. Damit unterstreicht Ennker die Situation, dass man medizinisch schwierige Operationen nicht scheue, wenn andere Kliniken den Patienten als nicht mehr operierbar ansehen. Mit Befriedigung berichtet Professor Eberhard von Hodenberg über die Arbeit in seiner kardiologischen Klinik. Im vergangenen Jahr durften er und einer seiner Oberärzte bei der Jahrestagung der amerikanischen Herz-Vereinigung in Orlando, dem seinen Angaben zufolge wichtigsten Kardiologischen Kongress der Welt mit mehr als 20 000 Teilnehmern, über die am Herzzentrum seit knapp zweieinhalb Jahren genutzte Zugangstechnik bei Katheteruntersuchungen berichten. Üblicherweise werden Katheteruntersuchungen über einen Eingriff am Oberschenkel, in der Leiste vorgenommen. Mittlerweile, so Hodenberg, werden am Herzzentrum bis zu 70 Prozent der Patienten über das Handgelenk untersucht. "Dieser Zugriff geht nicht bei jedem Patienten, die beiden Gefäße am Handgelenk müssen gut durchgängig sein. Aber das kann man vorher gut testen". Beim Zugriff über das Handgelenk sind Koronaruntersuchungen ebenso möglich, wie das Setzen von Stents, also den kleinen Metallgerüsten, die ein Verschließen der Arterie verhindern sollen. Patienten empfinden diesen Zugriff als angenehmer, Blutungskomplikationen seien seltener.

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Gemeinsam haben Kardiologen und Chirurgen vergangenes Jahr 75 künstliche Herzklappen über einen Katheterzugang implantiert. Dies geschieht bei Hochrisikopatienten, normalerweise werden Herzklappen mit Unterstützung der Herzlungenmaschine eingebracht. Für diese Kathetertechnik, für die man die Leistenarterie oder die Herzspitze nutzt, wird der im vergangenen Frühjahr in Betrieb genommene interdisziplinäre Hybrid-Operationssaal eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.mediclin.de Daten

Autor: Bruno Kohlmeyer