Von Rotkäppchen und dem schwarzen Wolf

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Fr, 20. Februar 2015

Ringsheim

Beim Heringsessen greift die SPD so manches Thema auf.

RINGSHEIM. Es ist politisch, theologisch, kontrovers und vielschichtig gewesen: Das Themenkonfetti des 38. SPD-Aschermittwochs im Gasthaus Hirschen in Ringsheim, das die Genossen der Kreisgruppe Süd regnen ließen, war bunt gemischt und weltpolitisch offen.

Und weil im kommenden Jahr Landtagswahlen sind, brachte Karl-Rainer Kopf auch gleich seinen schwarzen Konkurrenten mit zum traditionellen Heringsessen: Ein kleiner Wolf aus Stoff saß brav bei Tisch. "Was das Rotkäppchen mit dem bösen schwarzen Wolf gemacht hat, weiß jedes Kind", sagte Karl-Rainer Kopf, warf seinen Hut in den Ring und gab seine erneute Kandidatur als Landtagskandidat für den Wahlkreis Lahr-Wolfach bekannt.

Roland Hirsch, Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion in Lahr, wünschte Kopf ein Glückauf und meinte: "Der Wahlkampf wird eine harte Aufgabe für uns werden." Und es gab an diesem Abend auch die klare Ansage, wie die Anstrengungen ausgehen werden, nämlich eine rot-grüne Regierung in Stuttgart nach der Wahl.

SPD-Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner nutzte die Gelegenheit, um die Arbeit seiner Parteigenossen im Bund zu loben. Allen voran Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. "Wann schläft der Mann eigentlich?", so Fechner im Hinblick auf die diplomatischen Bemühungen im Ukrainekonflikt, er sparte auch nicht an Lob für die Kanzlerin. Fechner begrüßte, "dass Merkel eine klare Kante zieht und nicht wackelt."

Zu den bevorstehenden Wahlen in Baden-Württemberg meinte Fechner, dass die SPD keinen Bammel haben müsse. "Wir stellen neun von zehn Oberbürgermeistern im Land. In 14 Bundesländern sind wir in der Regierung."

SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle sprach über die aktuelle Bildungspolitik, die angestrebten Gemeinschaftsschulen, über die Aufwertung der Realschulen sowie die neuesten Errungenschaften in Sachen Pflege. Wichtig war ihr auch das Landesgleichstellungsgesetz mit den Rechten für behinderte Menschen. Ihre weiteren Themen waren die Flüchtlingsfrage und mehr Transparenz in der Kommunalpolitik. Dazu äußerte sich in den anschließenden Statements Georg Binkert von der IG Bohr. Er forderte, bei der aktuellen Trassendiskussion zur Rheintalbahn nicht nur die Statements von Bürgermeistern zu hören, sondern die Basis zu befragen. Passend zum Thema hatte Ambros Hog eine frisch gebrannte CD mit einem Lied zum Bahnausbau mitgebracht.

Wolfgang Miessmer, der alemannische Musikant und Barde nahm eine entsprechende Mitteilung von Elvira Drobinski-Weiß zum Anlass, die Genderfrage zu thematisieren. "Es wird genug gegendert", meinte er und nannte Abarten des Radikalfeminismus beim Namen – sehr zur Belustigung der Genossen.

Die weitere Aussprache drehte sich vor allem um aktuelle Themen wie den Ukrainekonflikt, die Flüchtlingsströme, die Pegida-Aufmärsche in Dresden, die Konflikte in der arabischen Welt und insbesondere die Bedrohung durch den IS. Was Walter Caroli beizusteuern hatte, fand die breite Zustimmung unter den Genossen: "Mischt euch unters Volk, lernt seine Gedanken kennen und vermeidet dauernde Beratung und Belehrung, seid barmherzig", meinte er.