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26. Februar 2010
"Wenn ich an der Linie stehe, will ich ein gutes Rennen zeigen"
BZ-Interview mit dem Triathlon-Weltmeister Daniel Unger aus Bad Saulgau über Training, Ziele und Motivation.
TRIATHLON. Daniel Unger, Weltmeister von 2007, war am Mittwochabend zu Gast in der Laufarena Ortenau in Lahr. Er hielt dort einen Vortrag zum Thema "Motivation im Leistungssport". Aus diesem Anlass hat sich BZ-Redakteur Uwe Schwerer mit dem 31-Jährigen aus dem oberschwäbischen Bad Saulgau unterhalten, der in der Bundesliga für das Hansgrohe-Team Schwarzwald startet.
BZ: Wie viel Prozent am Erfolg eines Athleten macht die Motivation aus?Unger: Man kann nur Erfolg haben, wenn man hundertprozentig motiviert ist. Man muss ein klares Ziel vor Augen haben. Wenn es Zweifel gibt, dann lässt man sofort nach im Training. Natürlich ist die Motivation nicht jeden Tag gleich, aber es muss immer klar wo’s hingeht.
BZ: Sie sind Profisportler, sie dürfen sich eigentlich ja gar nicht fragen, ’bin ich heute motiviert’? Beim Hobbysportler sieht das aber anders aus.
Unger: Für mich ist das wie ein Berufstag. Einer Anderer sitzt zum Beispiel im Büro und muss seinen Job dabei auch durchziehen. Genau so ist das mit dem Training bei mir. Ich bin Berufssportler und habe auch eine Verpflichtung gegenüber der Familie und den Sponsoren. Ein, zwei Mal im Monat habe ich auch mal einen Durchhänger, aber da muss ich dann eben durch. Man braucht einen starken Antrieb, man muss alles auf ein Ziel hinführen. Das kann bei einem Profi die Weltmeisterschaft sein, und bei einem Hobbysportler einfach der Wunsch, fit zu sein und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu verbessern.
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BZ: Fragen wir mal nach Ihrer ganz persönlichen Motivation. Was nehmen Sie sich in dieser Saison vor?
Unger: Mein langfristiges Ziel sind die Olympischen Spiele 2012 in London. Darauf ist alles ausgerichtet. Das ist mein große Motivation. 2010 ist ein wichtiges Zwischenjahr, in dem ich Punkte sammeln muss, um mich für Olympia zu qualifizieren. Dabei geht es sowohl um Punkte in der Nationenwertung, um Deutschland den dritten Startplatz zu sichern, als auch um Punkte für sich selber. Im Madrid findet im Juni des erste Rennen statt, das für diese Wertung zählt. Da geht es dann richtig los.
BZ: Triathlon ist sehr anstrengend. Zum Breitensport taugt das doch nicht.
Unger: Das ist aus meiner Sicht der ideale Breitensport. Er ist sehr abwechslungsreich. Er vereint drei Volkssportarten. Man riskiert dabei kaum Über- und Fehlbelastungen. Man hat ständig wechselnde Bedingungen, drei verschiedene Disziplinen, unterschiedliche Jahreszeiten. Und es gibt tolle Herausforderungen. Viele können zwei Disziplinen meistens ganz gut und bei der dritten hakt es dann. Sich dann genau in diesem Punkt zu verbessern, macht den großen Reiz aus.
BZ: Beschreiben Sie uns doch mal, wie viel Sie trainieren.
Unger: In einer typischen Belastungswoche zwischen 25 und 35 Stunden pro Woche und drei Mal täglich. Ich folge dabei einem 3:1-Zyklus. Auf drei Belastungs-wochen folgt eine Woche, in der ich es lockerer angehen lasse. Ich war gerade einige Wochen in Südafrika, jetzt lasse ich mir eine Woche Luft, und am 9. März geht es dann zum Training nach Mallorca.
BZ: Können Sie gut von diesem Sport leben?
Unger: Es reicht für heute und für morgen. Der Sport finanziert mein Leben. Mit Fußball- oder Tennisprofis kann man das nicht vergleichen. Das sind ganz andere Dimensionen. Aber uns Triathleten geht es im Vergleich zu Badminton- oder Tischtennisspielern oder anderen Sportlern, die ebenfalls einen großen Trainingsaufwand betreiben, ganz gut. Ich habe eine schöne Zeit, komme viel rum, lerne andere Menschen und neue Länder kennen. Und ein bisschen was auf die Seite legen kann ich auch, um ein Polster für die Zeit zu schaffen, wenn ich mal aufhöre.
BZ: Wann ist Schluss mit dem Profisport?
Unger: Mit 35 höre ich auf, das habe ich mir fest vorgenommen.
BZ: Im Sommer findet ein Wettkampf der Triathlon-Bundesliga über die Sprintdistanz am Offenburger Gifizsee statt. Welchen Rang in ihrem Wettkampfkalender nimmt diese Veranstaltung ein?
Unger: In dieser Saison ist die WM-Serie für mich natürlich ausschlaggebend. Das Rennen in Offenburg ist aber ein wichtiger Termin, weil es sich um die Bundesliga handelt und weil die Firma Hansgrohe dort als Hauptsponsor auftritt. Sportlichen Ehrgeiz habe ich immer. Wenn ich an der Linie stehe, will ich ein gutes Rennen zeigen. Das ist mein Antrieb.
Autor: uws,dani,syl
