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06. August 2009

Wie im Wilden Westen

Die Winnebagos haben zum Tag der offenen Tür eingeladen

  1. Indianer mal ganz anders: Die Winnebagos wollen mit dem „Hollywood-Image“ aufräumen. Foto: Heidi Fössel

LAHR (jufi). Der Weg führt durch sommerreife Maisfelder, dann ein kleines Waldstück, und plötzlich ist man im Wilden Westen. Mitten in der "Prärie" lädt ein ungewöhnliches Dorf zum Verweilen ein: Rustikale Blockhäuser tragen die Aufschriften Steakhouse, General Store und Saloon "Zum letzten Silber-Dollar". Vor den Tipis sitzen Trapper und Indianer an offenen Feuern, Kaffee dampft aus Blechkannen. Felle von Biber, Marder und Kojoten schmücken die Zelte, reich bestickte Kleidung aus Hirschleder zeugt von Kunstfertigkeit und Geduld der Einwohner. Im Store wird original indianischer Schmuck zu stolzen Preisen angeboten, weniger originaler, aus China stammender, ist für jeden erschwinglich.

Der Winnebago Indian Westernclub hat zum Tag der offenen Tür eingeladen, und Hunderte sind gekommen. Rhythmische Trommelklänge, Gesang und Tanz versetzen in fremde Welten, Kindheitserinnerungen und -träume werden wach.

Erich Mosbach, der Vorsitzende, nimmt sich unendlich viel Zeit, führt herum, erklärt und gewährt auch Einblick ins Innere der bewohnten Tipis. 20 bis 30 Stunden in der Woche investiert er mit vielen anderen in die Vorbereitung von Festen. Wer da mitmacht? "Alles Verrückte", meint er. Wie intensiv die Winnebagos ihre Welt erleben, zeigt sich bei der Beschreibung der Schwitzhütte: "Hier reinigen wir Indianer Leib und Seele", erklärt Mosbach.

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Der Verein ist 1964 aus einer Fasentlaune heraus entstanden, wurde aber schon 1965 ins Vereinsregister eingetragen. Von der ursprünglichen Teilnahme an Fasentveranstaltungen verabschiedeten sich die Mitglieder nach einigen Jahren, um sich ganz auf den ethnologischen Gehalt zu konzentrieren. Durch Kontakte zu ähnlichen Vereinen und einschlägige Literatur eigneten sie sich das Wissen um die Herstellung von Kleidung und Tipis sowie die Kultur der nordamerikanischen Indianer an. Unter fachmännischer Anleitung wurden Blockhütten und Mobiliar in Eigenarbeit hergestellt. 1986 traten die Winnebagos dem Westernbund bei, der Dachorganisation der Indianer- und Westernclubs in Deutschland mit jährlichen Treffen von über tausend Teilnehmern.

Immer wieder besuchen die Winnebagos auch Kindergärten, Schulen und Jugendfreizeiten, um Kindern und Jugendlichen das Leben und die Kultur der nordamerikanischen Indianer näher zu bringen und mit dem "Hollywood-Image" aufzuräumen.

Autor: jufi