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10. Februar 2012
Wirtschaft ist verhalten optimistisch
Lahrs mittelständische Industrie konnte 2011 beim Umsatz kräftig aufholen, bei den Erträgen gibt es aber noch Nachholbedarf.
LAHR. Eine überwiegend gute Umsatzentwicklung bei einer nicht ganz so guten Ertragsverbesserung im vergangenen Jahr, das ist die Bilanz der jährlichen Konjunkturumfrage der Arbeitsgemeinschaft Lahrer Mittelständischer Industrieunternehmen (Almi), die gestern präsentiert wurde. Auf das Jahr 2012 blicken die heimischen Firmen allerdings mit einer gewissen Skepsis. Nur jeder dritte Betrieb rechnet mit steigenden Umsätzen, allerdings bei einer hohen Investitionsbereitschaft.
27 Mitgliedsbetriebe der Almi mit rund 4500 Beschäftigen hatten sich an der jährlichen Umfrage beteiligt. Heinz Sieger, Geschäftsführer der CU Uetikon, präsentierte die Zahlen zusammen mit Markus Kaufmann, Stefan Grüb, Frank Neumeister und Klaus Koch. In der Summe lässt sich festhalten, dass das Jahr 2011 für die Lahrer Unternehmen gut gelaufen ist, dass allerdings die Erträge nicht in dem Maße gestiegen sind wie die Umsätze. Ein Grund, so Sieger: "In der Krise fallen die Preise immer in den Keller". Drei Viertel der 27 Firmen berichteten von gestiegenen Umsätzen, 18 Prozent von unveränderten Umsätzen. Bei der Ertragsentwicklung sagte nur jede zweite Firma, sie sei besser geworden, 22 Prozent bezeichneten sie als unverändert und jeder vierte Betrieb berichtete sogar von schlechteren Erträgen. Träger des Wachstums war vergangenes Jahr eine starke Binnennachfrage – was zur Erkenntnis führt, dass hier im laufenden Jahr eine ernste Gefahr drohen könnte, wenn die Kunden aus welchen Gründen auch immer zurückhaltender würden.Werbung
In den vergangenen beiden Jahren konnten die Lahrer Firmen die dramatischen Umsatzeinbrüche der Jahre 2008 und 2009 in etwa wieder aufholen, ordneten die Geschäftsführer die Situation ein. Stefan Grüb ergänzte diese Beschreibung mit dem Hinweis, dass gerade im Metallbereich in der Krise die Rohstoffpreise explodierten, was die Bewältigung der Krise erheblich erschwerte. Dass die Jahre 2010 und 2011 ganz ordentlich waren, lässt sich auch aus der Auslastung der Produktionskapazitäten erkennen, die immerhin bei knapp 90 Prozent lag.
Der Blick in die Zukunft ist nicht einfach. Die größten Sorgen machen sich die Lahrer Unternehmen beim Inlandsabsatz – bleibt er so gut, wie er war oder geht er zurück. Dies betrifft immerhin 13 Unternehmen. Jeweils zwölf Firmen sind zusätzlich besorgt wegen weiter steigender Rohstoffpreise, allerdings auch, was die Bewältigung der Euro- und Staatsschuldenkrise angeht. Sieger: "Die Wirtschaft hat keinen Einfluss auf die Entwicklung der Finanzkrise, dabei brauchen wir sichere und verlässliche Rahmenbedingungen. Wenn wir so zögerlich bei der Lösung von Problemen wären wie die Politik, dann wäre es um die Wirtschaft und die Arbeitsplätze schlecht bestellt", kritisierte er. Auf Platz vier der Sorgenliste stehen die Energiekosten, gefolgt vom Fachkräftemangel.
Die heimischen Arbeitnehmer können mit einer gewissen Gelassenheit in die nähere Zukunft blicken, denn zwei Drittel der Firmen, etwas mehr als vor einem Jahr gehen von einer gleichbleibenden Anzahl von Beschäftigten aus, rund 20 Prozent erwarten sogar Neueinstellungen. Das geht etwa parallel mit den Umsatzerwartungen, denn ein Drittel erwartet steigende Umsätze, 56 Prozent gleich bleibende Umsätze. Die Investitionstätigkeit im laufenden Jahr ist nach dem Umfrageergebnis gut: Jeder zweite Betrieb bestätigt steigende Investitionszahlen, weitere 44 Prozent gleich bleibende. An der Spitze stehen zwangsläufig Ersatzbedarf und Rationalisierung mit jeweils 15 Betrieben, mit 14 Betrieben folgen – ein stattlicher Wert – bereits Ausgaben für Produkt- und Verfahrensinnovation, was die Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität günstig beeinflussen wird.
Der Fachkräftemangel gilt auch weiterhin als wichtiges Thema. Nicht im kaufmännischen Bereich, aber bei den technischen Berufen. Es liegt in der Logik der Sache, dass deshalb die Aus- und Weiterbildung bei 22 Betrieben als Mittel der Wahl gilt. 80 Prozent der 27 Betriebe stellen 300 Ausbildungsplätze und zwar vor allem im technischen Bereich. Drei Viertel der Betriebe antworteten, sie würden die Zahl der Ausbildungsplätze beibehalten, ein Viertel will sogar erhöhen. Zwölf Firmen halten auch die Einstellung älterer Arbeitnehmer wieder für möglich.
Autor: Bruno Kohlmeyer


