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11. Mai 2010

Wo einst Wirtin Frida Billets verkaufte

Bei dorfkundlichem Spaziergang durch Reichenbach verband Paul Fehrenbach Häuser mit Namen.

  1. Sachlich, aber auch wieder mit Humor als Dorfführer unterwegs – Paul Fehrenbach mit seiner Schirmmütze. Foto: alfons vögele

LAHR-REICHENBACH (avö). Zahlreiche alteingesessene Reichenbacher wie auch Neubürger waren der Einladung des Schwarzwaldvereins zu einem Spaziergang durch den alten Dorfkern gefolgt. Paul Fehrenbach, ein passionierter und sachkundiger Kenner der alten Reichenbacher Familien und Geschlechternamen, berichtete auf seine ihm eigene originelle Art von früheren Gegebenheiten im Dorf, erzählte Anekdoten, und erklärte viele noch wenig bekannte Fakten.

Der dorfkundliche Spazierweg führte zunächst vom Lindenplatz durch die historische Alte Landstraße, die jeder nur als Schergasse kennt. Über diese Strecke führte früher die Landesstraße von Lahr Richtung Schönberg und Seelbach. Erst im 19. Jahrhundert (etwa 1820) entstand die heutige Straßenführung. An vielen Stellen blieb die Gruppe stehen, und Paul Fehrenbach erklärte die alten Namen der Gehöfte und Häuser, so das Haus des "Ratschriebers", "Schmetterer-Schriner" oder "s’Eligis Zimmerei". Kaum einer kennt noch das Gasthaus Schwanen, das zeitweise Fabrik, Gasthaus und heute Wohn- und Geschäftshaus ist.

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Vorbei beim "Sattler", "Krummholz" und "Bühlerfranze Lade" erinnerte der Dorfchronist an das einstige Gasthaus Geroldseck, dessen schöne und im Jugendstil erbaute Turn- und Festhalle spurlos verschwunden ist und in der sich über viele Jahrzehnte das sportliche und kulturelle Leben abspielte. Der alte "Oberlebeck mit seiner Posthalterei" ist ebenfalls längst Geschichte. Auch das traditionsreiche Gasthaus Krone, ein stattliches Ge-bäude und heute in schlechtem Zustand, erinnert an manche Dorfepisode. Dort trafen sich in den Unruhejahren 1848/49 die Sympathisanten der Badischen Revolution und verkaufte die Wirtin Frieda Beck die Billets fürs Bähnle. Gegenüber stand einst die Zigarrenfabrik Pfaff und in der Nähe des "Schmied-Karlis" Dorfschmiede und Reparaturwerkstatt.

Entlang des Gereutertalbaches führte der Weg vorbei am Wachthiisli, an den einstigen Zigarrenfabriken Höfle und Himmelsbach, am Haus des früheren "Accisers" und weiter zur "Linde", die aus dem Dorfleben auch heute nicht wegzudenken ist. Es ging vorbei an den Schlössle-Höfen, die vormals die Vogtshöfe der Geroldscker und Diersburger Herren waren, führte zum ehemaligen "Nagelschmie", zu "’s Eligis Laden" und weiter zu den stattlichen Fachwerkhäusern im Oberdorf mit dem "Hirtenhäusle". Paul Fehrenbach verband nicht nur Namen mit Fakten, er wusste auch manche Geschichte aus der "guten alten Zeit" zu berichten, die so gut gar nicht war.

Autor: avö